Bundeskanzler-Urlaub Ab Montag wird wieder regiert


Hartz IV und ein aufrührerischer Kettenbrief - die zurückliegenden Tage werden Kanzler Schröder im Urlaub wenig erfreut haben. Kommende Woche ist Schluss mit der Erholung.

Sommermorgen in einem italienischen Landhaus: Die Hitze ist noch erträglich, die Sonne scheint, die Familie hat gute Laune, der Frühstückstisch lädt zum geruhsamen Tagesauftakt. Kaum ist der Bundeskanzler aufgestanden, drückt seine Bürochefin oder ihr Vertreter ihm die Morgenlektüre in die Hand. Eine Mappe mit den wichtigsten Nachrichten aus Zeitungen, Agenturen, Fernsehsendungen und anderen Informationen. Und schon ist die gute Laune hin.

So oder ähnlich dürfte es dem Kanzler am Donnerstag oder Freitag zum Ende seines Sommerurlaubs gegangen sein. Offiziell hat er in den ersten Tagen der kommenden Woche noch keinen Termin, aber im Kanzleramt dürfte Betriebsamkeit vorherrschen. SPD-Chef Franz Müntefering wird gegen den Kettenbrief im Internet vorgehen müssen, mit dem in der Parteibasis der Kanzlersturz gefordert wurde. Auch der Verlauf der Hartz-IV-Debatte in den letzten Wochen kann einen Regierungschef nicht wirklich glücklich machen.

Mitte der Woche konnte Schröder noch schmunzeln

Noch am Mittwoch wird Gerhard Schröder bei Erhalt dieser Mappe oder einer der im Tagesverlauf folgenden Sonderunterrichtungen mit den wichtigsten Agenturmeldungen geschmunzelt haben. Las er doch von angeblichen Äußerungen des CSU-Chefs Edmund Stoiber, die mutmaßliche Unions-Kanzlerkandidatin 2006, Angela Merkel, und der FDP-Spitzenkandidat Guido Westerwelle könnten ihm und Joschka Fischer nicht das Wasser reichen. Streit um Führungsqualitäten bei den anderen lenkt immer von den eigenen offenen Flanken ab.

Bei der Opposition, deren Spitzenleute da einander die Urlaubsfreude dämpften, herrschte zu diesem Zeitpunkt hörbares Zähneknirschen. Fraktionsgeschäftsführer Volker Kauder musste trotz aller vorhergegangenen Dementis aus dem Urlaub in die Fernsehkameras das "Ende der Debatte" in den eigenen Reihen fordern. Die namentlich Genannten selbst igelten sich ein.

Am Donnerstag wendete sich das Blatt, nachdem die ersten Gewerkschaftsvertreter aus dem Urlaub kamen. In Berlin beginnt am Montag die Schule wieder. Sie sprangen auf den immer noch fahrenden Hartz-IV-Zug auf und brachten ihre "Wut" über den Sozialabbau zum Ausdruck.

Nachdem dann auch noch die Meldung der "Hannoverschen Allgemeinen" über den Kettenbrief auf dem Markt erschien, wird es für die Mitarbeiter des Kanzlers Zeit gewesen sein, zur schnellsten Sonderunterrichtung zu greifen, über die sie verfügen: Eine SMS aufs Kanzlerhandy. Da wird er gewusst haben: "Mein Urlaub ist zu Ende." Ab Montag will er wieder regieren.

Thomas Rietig, AP AP DPA

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