Bundeswehr Kriegsreporter proben den Ernstfall

Das Ausbildungszentrum der Bundeswehr in Hammelburg bietet Kriegsreportern einen Lehrgang an, der sie gezielt auf die Gefahren ihres Berufes vorbereitet. Die Resonanz ist groß.

Die Journalisten knien mitten auf einem Waldweg nebeneinander auf dem Boden, elf Gewehrläufe sind auf sie gerichtet. Handys, Geld und Fotoapparate mussten sie den Rebellen bereits geben, die beiden Autos verlassen. Was die Reporter jetzt noch haben, ist ihr Leben. Natürlich wissen alle Teilnehmer der von der Bundeswehr angebotenen Basisausbildung für Kriegsreporter, dass der Kontrollpunkt zu einem Rollenspiel gehört, und die Rebellen mit den Gewehren und Kopftüchern Soldaten der Bundeswehr sind. Die Anspannung ist dennoch beinahe greifbar.

Das Ausbildungszentrum der Bundeswehr an der Infanterieschule in Hammelburg bietet solche Lehrgänge für Kriegsberichterstatter seit fünf Jahren an. Major Eiko Zuckschwerdt, der Leiter des Lehrgangs, nennt als Ziele des Kurses "verbesserten Eigenschutz und Vertrauensbildung zwischen Streitkräften und Journalisten." Reporter, die sich auf einen konkreten Einsatz vorbereiten, können einen intensiveren Grundlehrgang belegen. Im September bietet das Ausbildungszentrum zum ersten Mal einen Aufbaulehrgang an. Neben Kriegsberichterstattern werden in Hammelburg Soldaten für friedenserhaltende Einsätze und Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes für internationale Missionen ausgebildet.

Fünftägige Basiseinweisung

Auf dem Lehrplan der fünftägigen Basiseinweisung für Journalisten stehen neben dem Kontrollpunkt unter anderem Erste Hilfe, Verhalten unter Beschuss und Grundkenntnisse über Minen. Nach einer theoretischen Einführung im Hörsaal, geht es jeweils "ins Feld", wie es bei der Bundeswehr heißt. Der Truppenübungsplatz wird dabei zu der imaginären Krisenregion "Rhönland", in der sich Soldaten und Rebellen bekämpfen. 30 Bundeswehr-Soldaten schlüpfen in die Rolle von Schwerverletzten, Dorfbewohnern, UNO-Truppen oder Rebellen. Die 16 Lehrgangsteilnehmer spielen sich selbst. Sie sollen über die Vorgänge in der Krisenregion berichten, geraten aber immer wieder in brenzlige Situationen. So ziehen die Journalisten Verletzte aus verunglückten Autos, durchqueren mit Kompass und Karte ein Waldstück und gehen durch ein Dorf, in dem Heckenschützen lauern.

Die Ausbilder bleiben im Hintergrund und beobachten. Jede Übung wird direkt im Anschluss besprochen. Auch die Szene am Kontrollpunkt bricht Zuckschwerdt kurze Zeit später ab. "In solchen Situationen sollten sie nicht mehr an ihren Auftrag denken, sondern ihr Leben retten", sagt der 35-Jährige den Journalisten. Diese hatten sich zu lange geweigert, den Rebellen ihre vollständige Ausrüstung zu geben. Die Situation wäre beinahe eskaliert. In anderen Ausbildungsblöcken fällt das Fazit ähnlich ernüchternd aus: An jedem Straßenrand könnten tödliche Minen lauern und nicht jede Wand schützt vor Gewehrschüssen.

Krisenberichterstatter sollten deshalb nicht nur auf festen Wegen bleiben und immer einen Überlebensrucksack dabei haben. Sie sollten auch genau abwägen, wie viel sie für eine Story riskieren wollen. Vor dieser Entscheidung könnte Manuel Fenn, ein Teilnehmer der Basiseinführung, bald stehen. Der 34 Jahre alte Kameramann möchte sich mit dem Kurs auf ein Projekt in einer Krisenregion vorbereiten. Besonders die Szene im Kontrollpunkt wirkt nach: "Obwohl es nur eine Spielsituation war, habe ich doch diesen Druck gespürt."

"Realistische Situationen und Lösungswege"

Genau darin liegt der besondere Lerneffekt des Kurses: "Wir wollen möglichst realistische Situationen vorstellen und Lösungswege zeigen", sagt Zuckschwerdt. Denn Kriegsreporter können immer wieder in Situationen geraten, die scheinbar ausweglos sind. Und darauf sollten sie vorbereitet sein.

Yannick Christmann / DPA DPA

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