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Früherer Bundespräsident Christian Wulff: "Islam gehört zu Deutschland"-Aussage "notwendiger denn je"

Der frühere Bundespräsident Christian Wulff
Der frühere Bundespräsident Christian Wulff (Archivfoto)
© Henning Kaiser / DPA
Vor zehn Jahren sorgte der Satz "Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland" des damaligen Bundespräsidenten Christian Wulff für heftige Debatten. Nun sagte der Altbundespräsident, seine Aussage sei "notwendiger denn je".

"Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland" – mit diesem Satz sorgte der damalige Bundespräsident Christian Wulff (CDU) vor rund zehn Jahren für heftige Debatten in der Republik. Am Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober 2010 hatte Wulff in einer Rede gesagt, dass neben dem Christen- und Judentum auch der Islam inzwischen zu Deutschland gehöre. Es folgten hitzige Diskussionen über Integration und Identität.

Zehn Jahre später hält der Altbundespräsident an der Aussage fest, wie er dem Evangelischen-Presse-Dienst (EPD) sagte. "Ich halte den Satz für notwendiger denn je", so Wulff. "Die Gegner von Vielfalt, von einer bunten Republik Deutschland, vom gleichberechtigten Zusammenleben mit Minderheiten sind mehr geworden." 

Christian Wulff fordert mehr Zivilcourage und Dialog

Der 61-Jährige sagte dem EPD, dass es der Debatte guttäte, wenn mehr Politiker den Satz selbstverständlich sagen würden. Das Grundgesetz garantiere Religionsfreiheit und Menschenwürde. "Da ist es doch unbestreitbar, dass Moscheen inzwischen zu unserem Alltagsbild gehören und Rücksicht auf religiöse Belange von Muslimen genommen werden sollte", so Wulff.

Sein Satz habe diese Bedeutung bekommen, weil er ihn auf dem Höhepunkt der Debatte um Thilo Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" gesagt habe, erzählt der CDU-Politiker. "Die Stimmung im Land hatte sich deutlich verändert, und es war mein Versuch, diese Debatte wieder einzufangen und auf den Kern des Grundgesetzes hinzuführen", sagte Wulff. Nach seiner Rede zum Tag der Deutschen Einheit sei das "Unfassbare" zutage getreten: "die Morde des NSU. Über viele Jahre." In den vergangenen Jahren und Monaten kamen weitere rechtsextremistische Morde hinzu: der Tod des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke oder die Anschläge in Halle und Hanau.

Wulff forderte im Gespräch mit der EPD mehr Zivilcourage und Dialog zwischen Zugewanderten und Einheimischen. Es sei nach rechtsextremistischen Anschlägen immer wieder ein Bild vermittelt worden, dass die Täter "unauffällig, eigentlich freundlich und zugänglich, nette Nachbarn oder Schützenbrüder gewesen" seien. "Ich zweifele an, ob nicht diese Täter doch hier und da Inhalte geäußert haben, denen das Umfeld hätte deutlich und unmissverständlich widersprechen müssen", sagte er. 

Wulff: Sehe die Gefahr, dass Leute Rechtsextremen auf den Leim gehen

Es bereite ihm Sorge, "dass wir so viel Hass, Radikalisierung und Häme in einer Zeit erleben, in der es unserem Land wirtschaftlich so gut geht, wie es ihm nie zuvor ging". Daran knüpfe die Frage an, "wie die Gesellschaft in den nächsten Jahren diskutieren und wählen wird, wenn durch Corona und den weltweiten Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt die Luft dünner wird". Foren von Rechtsextremen seien voller Verschwörungstheorien. "Ich sehe die Gefahr, dass mehr Leute dem auf den Leim gehen", sagte Wulff.

Christian Wulff war von 2010 bis 2012 Bundespräsident. Er trat am 17. Februar 2012 im Zusammenhang mit der Wulff-Affäre zurück. Zuvor war der CDU-Politiker und Rechtsanwalt – der in Hannover lebt – von 2003 bis 2010 Ministerpräsident des Landes Niedersachsen.

Quelle: Evangelischer Presse-Dienst über evangelisch.de

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