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CSU-Bürgermeisterkandidat wirft hin "Das C in CSU und ich als Moslem, das passe absolut nicht zusammen, hieß es zum Beispiel"

Jahresrückblick 2019: Nahles-Rückzug und Co. – das waren die politischen Schicksale 2019


Der Rücktritt von SPD-Chefin Andrea Nahles Anfang Juni war wohl DIE innenpolitische Personalie des Jahres 2019. Die SPD stürzt daraufhin ins Chaos, ob die Koalition mit der Union Bestand hat, ist fraglich. Doch auch andere Politiker machten Schlagzeilen.


ANDREA NAHLES: Am 2. Juni ist Schluss. Nach der für die SPD desaströs verlaufenen Europawahl tritt Andrea Nahles vom Partei- und Fraktionsvorsitz zurück. Zum 1. November gibt sie auch ihr Bundestagsmandat nach 21 Jahren ab. Der Rückzug aus der Politik ist komplett.


SASKIA ESKEN/NORBERT WALTER-BORJANS: Die Bundestagsabgeordnete aus Baden-Württemberg und der ehemalige NRW-Finanzminister bilden das neue Führungsduo der SPD. Mit einem Linkskurs wollen die GroKo-Skeptiker die gebeutelte SPD wieder stark machen.


URSULA VON DER LEYEN: Der neue Job führt die 61-Jährige an die Stätte ihrer Geburt zurück. In Brüssel wurde Ursula von der Leyen geboren, hier wird sie künftig die mächtige EU-Kommission führen. MARKUS SÖDER: Für den Nürnberger geht es 2019 eine weitere Treppe auf der Karriereleiter nach oben. Nachdem er im Jahr zuvor schon bayerischer Ministerpräsident wurde, folgt am 19. Januar die Wahl zum CSU-Vorsitzenden. Nun kann Söder auch in Berlin mitreden, etwa im Koalitionsausschuss.


ANNEGRET KRAMP-KARRENBAUER: Für die im Dezember 2018 neu gewählte CDU-Vorsitzende neigt sich ein schwieriges Jahr dem Ende zu. Einem Wahlerfolg in Bremen stehen herbe Stimmeneinbußen bei der Europawahl und den Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen gegenüber. Die Übernahme des Verteidigungsministeriums im Juli kommt überraschend. Einen Gang ins Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel hatte sie zuvor immer wieder verneint.


MANFRED WEBER: Der CSU-Mann hatte den Top-Job in Brüssel im Blick und bleibt am Ende, was er vorher war, nämlich Chef der konservativen EVP-Fraktion im Europäischen Parlament. Für den Posten des EU-Kommissionspräsidenten fehlt die Zustimmung der Staats-und Regierungschefs, vor allem der französische Präsident Emmanuel Macron stellt sich quer.
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Im Ortsverband Wallerstein sollte Sener Sahin, ein 44-jähriger Deutscher, als CSU-Bürgermeisterkandidat antreten. Das sorgte für Protest – offenbar weil er Muslim ist. "Es ging nie um meine Person", sagt Sahin.

Sener Sahin wollte für die CSU als Bürgermeisterkandidat antreten. Nach heftigen Protesten aus dem Ortsverband im schwäbischen Wallerstein zog der 44-jährige muslimische deutsche Unternehmer seine Bewerbung allerdings zurück, wie er am Samstag bestätigte. "Es ging nie um meine Person, sondern immer nur um meinen Glauben", sagte Sahin am Sonntag zur "Süddeutschen Zeitung". "Das C in CSU und ich als Moslem, das passe absolut nicht zusammen, hieß es zum Beispiel."

Sahin sei im vergangenen Jahr gefragt worden, ob er für die CSU antreten wolle, sagte der Ortsvorsitzende Georg Kling. Er hätte am nächsten Donnerstag in Wallerstein von der CSU nominiert werden sollen. Doch seit Bekanntgabe des Vorschlags im Dezember habe es in Teilen des Ortsverbandes scharfen Widerstand gegeben. "Wir sind auf dem Dorf und wir sind noch nicht so weit", sagte Kling schwer enttäuscht. Einige Kandidaten für die Gemeinderatsliste hatten Kling zufolge mit ihrem Rückzug gedroht. 

"Für mich okay, wenn Leute noch nicht so weit sind, dass sie einen Moslem als Bürgermeister haben wollen"

"Ich bin sicher, dass das hier auf dem Land noch 30 Jahre dauern wird", so Sahin zur "Süddeutschen Zeitung", "bis die Leute bereit sind, einen wie mich als Bürgermeister zu wählen." Man könne die Menschen nicht von heute auf morgen ändern. "Die müssen ihre Berührungsängste verlieren. Vielleicht kommt das irgendwann mal. Aber das dauert noch." Es gebe Leute, die hätten kein Problem mit ihm, würden ihm auf die Schulter klopfen. "Aber wenn es darum geht, ob ich Bürgermeister werden soll, denken die anders. Die sagen: Du als Mensch bist super, aber als Bürgermeister können wir das noch nicht vereinbaren."

Sahin besitzt in Wallerstein einen Maschinenhandel. Er lebt schon immer in der Region, wurde im nahen Nördlingen geboren und hat türkische Wurzeln. Mit seiner aus einer christlichen Familie stammenden Frau hat er zwei Kinder. "Ich bin ganz weltoffen – aber trotzdem: Viele haben allein schon wegen meines Namens ein Problem und natürlich auch wegen meines Glaubens und meiner Herkunft.", so Sahin.

Sahin habe "von Anfang an gesagt: Wenn die Mitglieder nicht hinter mir stehen, dann mache ich das nicht." Er wolle nicht, dass der Ortsverband daran kaputtgehe. Sauer sei er nicht, betonte Sahin. "Ich bin einer, der jede Meinung akzeptiert", so der 44-Jährige. "Wenn Leute sagen, sie sind noch nicht so weit, dass sie einen Moslem als Bürgermeister haben wollen, ist das für mich okay."

Die CSU hat dem Ortsvorsitzenden Georg Kling zufolge nun keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten für die Kommunalwahl am 15. März.

Quellen:"Süddeutsche Zeitung", Nachrichtenagentur DPA

fs

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