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stern-Chefredakteur Wie wir besser schlafen – und ein Blick auf das erste Jahr von Olaf Scholz: Gregor Peter Schmitz über den aktuellen stern

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In der aktuellen Ausgabe des stern beantworten wir die Frage, wie Ihre Nächte erholsamer werden – besonders in solch unruhigen Zeiten. Außerdem blicken wir gemeinsam mit Olaf Scholz zurück auf sein erstes Amtsjahr als Bundeskanzler.

Ich bin vor Kurzem Vater von Zwillingen geworden. Es handelt sich um zwei reizende Wesen, die allerdings auch die reizende Gabe haben, sehr laut schreien zu können, mit Vorliebe nachts. Viele kluge Ratschläge erreichten uns nach ihrer Geburt, einer lautete immer gleich: "Schlaf ist überbewertet."

Ich bin sehr folgsam, was Elternratschläge angeht, doch diesem mag ich nicht folgen. Denn Schlafen-Können ist aus meiner Sicht nicht hoch genug zu bewerten. Selbst Franz Kafka, sonst nicht als Genießer bekannt, wusste: "Dies frühzeitige Aufstehen macht einen ganz blödsinnig. Der Mensch muss seinen Schlaf haben."

Daher habe ich mit großem Interesse gelesen, wie meine Kollegen Bernhard Albrecht und Frank Ochmann sich mithilfe neuester Forschung auf die Suche nach der "Schlafformel" gemacht haben, die in (unruhigen) Zeiten wie diesen vielleicht wichtiger ist denn je. Ich verspreche Ihnen: Wenn Sie bis zum Ende des Artikels wach bleiben, werden Sie danach umso besser ruhen.

16 Momente aus 365 Tagen mit Olaf Scholz

Auch der Eiserne Kanzler Otto von Bismarck befasste sich übrigens mit dem Schlaf, er soll gesagt haben: "Je weniger die Leute davon wissen, wie Würste und Gesetze gemacht werden, desto besser schlafen sie." Es ist nicht überliefert, ob Bundeskanzler Olaf Scholz diesen Satz jeden Tag aufsagt, vorstellbar wäre es aber.

Denn nach einem Jahr mit ihm lässt sich resümieren: Besonderen Drang, sein Denken und Tun dem Volk zu erklären, verspürt der Sozialdemokrat nicht. Deswegen bewertete ich die Erfolgsaussichten skeptisch, als unser Hauptstadtbüro vorschlug, Scholz die wichtigsten Fotos seines ersten Amtsjahres kommentieren zu lassen. Doch weil die Kollegen sehr überzeugende Bittsteller sind, lud Scholz schließlich ins Kanzleramt zur Interpretation von Bildern einer Kanzlerschaft.

Wir erfahren etwa, warum er vor einer Turbine in Mülheim posierte und wie es wirklich zuging am irrsinnig langen Tisch von Wladimir Putin. Ein Bild ist Scholz erspart geblieben: Fußballjubel. Wären die deutschen Nationalspieler ins WM-Finale eingezogen, hätte er eine Reise nach Katar vielleicht nicht vermeiden können, zu verlockend sind Siegestaumelbilder für Politiker. Aber in seiner Nähe hätten halt Typen wie Fifa-Boss Gianni Infantino gestanden. Vielleicht hat der Kanzler heimlich gejubelt, dass ihm die überforderten deutschen Kicker diese Abwägung erspart haben.

Die Altkanzlerin und ihr Nachruhm

Vorige Woche rieben sich manche Menschen am Kiosk die Augen, als sie die Titelbilder von stern und "Spiegel" nebeneinander sahen. Beide zeigten eine Person, die seit rund einem Jahr gar nicht mehr im Rampenlicht stehen will: die Ex-Kanzlerin Angela Merkel. Unser Politikchef Nico Fried traf sie für ein vertrauliches Gespräch, "Der Spiegel"-Reporter Alexander Osang durfte sie gar während ihres ersten Jahres ohne Amt begleiten. Ich freue mich über jede große Merkel-Geschichte und verschlinge jede große Merkel-Geschichte, und welche besser ist, muss ohnehin jeder für sich beurteilen. Diese Woche soll eine weitere große Merkel-Geschichte in einem anderen großen Medium folgen.

Eins stelle ich aber fest: Für eine Politikerin, die damit kokettierte, sich mit ihrem Nachruhm nicht befassen zu wollen, ist sie gerade ziemlich beschäftigt mit der Deutung ihres Nachruhms. Bald schon will Merkel auch noch ein Buch über ihre Kanzlerinnenjahre vorlegen. Sich um den eigenen Nachruhm zu sorgen ist eine sehr menschliche Eigenschaft, man könnte sie fast Eitelkeit nennen. Angela Merkel schien stets frei davon. Aber es ist schön, dass Merkel menschlicher ist, als sie vielleicht selbst angenommen hat.

Herzlich Ihr
Gregor Peter Schmitz, Chefredakteur

Erschienen in stern 50/2022

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