HOME

Delmenhorster Hotelstreit: Stadt vergrault Vermittler

Der Streit um das Delmenhorster Hotel geht in die nächste Runde: Der Vermittler ist empört zurückgetreten, weil die Stadt nicht auf ein ausgehandeltes Angebot eingegangen sei. 500.000 Euro fehlen zur Einigung.

Von Malte Arnsperger

Im Kampf um ein Hotel haben sich die Chancen der Stadt Delmenhorst deutlich verschlechtert. Der Vermittler Christian Glaß ist laut dem "Delmenhorster Kreisblatt" empört zurückgetreten, weil Delmenhorst zuwenig für das Gebäude geboten habe. "Ich fühle mich hintergangen von dieser Stadt", sagte er. Glaß sollte zwischen der Stadt und dem Hotelbesitzer Günter Mergel vermitteln und verhindern, dass der rechtsextreme Anwalt Jürgen Rieger das Gebäude für die "Wilhelm-Tietjen-Stiftung" erwirbt. Rieger plant das Hotel als Veranstaltungs- und Schulungsstätte für die rechte Szene zu nutzen. Das Angebot Riegers liege angeblich bei 3,4 Millionen Euro. Die Stadt Delmenhorst hatte daraufhin dem Hotel-Eigner ein Kaufangebot in Höhe von 2,5 Millionen Euro unterbreitet: 1,6 Millionen Euro will sie selbst stellen, hinzukommen 900.000 Euro an Spendengeldern.

Vermittler Glaß ist nun enttäuscht darüber, dass Delmenhorst nicht mehr geboten hat. Schließlich habe er die Forderung des Hotelbesitzers Mergel von 3,4 Millionen auf drei Millionen Euro heruntergehandelt. Stadtsprecher Timo Frers weist die Kritik zurück. "Es ist ein demokratischer Prozess. Der Verwaltungsausschuss hat beschlossen, 2,5 Millionen Euro zu bieten und danach richten wir uns", sagt er stern.de. "Wir wollen alle Möglichkeiten ausschöpfen. Deshalb sind wir mit dem Angebot bis an die Schmerzensgrenze gegangen", sagt Frers. Doch das reicht womöglich nicht. Dem "Delmenhorster Kreisblatt" zufolge lehnte der Hotelbesitzer Günter Mergel das Angebot postwendend ab. "Halleluja, ich begrüße Herrn Rieger", wird Mergel zitiert.

Nazi-Vermögen eingefroren

Doch auch die Gegenseite scheint ihre Probleme zu haben. Denn die "Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation Ltd.", die Rieger vertritt, wurde einem Radiobericht zufolge aus dem britischen Handelsregister gelöscht. Ihr Vermögen sei eingefroren worden, da Rieger keinen Geschäftsbericht eingereicht habe. Die in London eingetragene Stiftung ist nach dem 2002 verstorbenen Bremer Alt-Nazi Wilhelm Tietjen benannt, der nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges durch Aktiengeschäfte ein Vermögen angehäuft haben soll.

Für Delmenhorsts Stadtsprecher Frers sind die verwirrenden Nachrichten aus dem Rieger-Lager kein Grund für Optimismus. "Dadurch fühlen wir uns nicht sicherer. Denn es könnte auch ein neues Angebot von Rieger als Privatperson vorliegen." Die Stadt habe Günter Mergel bis zum 20. September Zeit gegeben, über ihr Angebot zu entscheiden.

Themen in diesem Artikel