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Deutschland: Daumen drücken und Fußball gucken

Geballtes Großstadtleben: mit soviel Programm hatten die Redakteure des "Wortgefechtes" aus Schwerte nicht gerechnet. Zwei Tage verbrachten sie in Berlin.

Zur WM nach Berlin, davon träumen viele Kickerfans. Doch das interessiert Christine Papenmeier im Moment nicht. Die 19-Jährige steht gerade vor dem Bundesratsgebäude und wartet ungeduldig auf die Preisverleihung des 2.Schülerzeitungswettbewerbes der Länder. Aus Schwerte ist sie mit ihrer Redaktion für zwei Tage angereist.

"Ich hab das Kommando" sagt Christine über die Redaktion "ihrer" Zeitschrift "Wortgefecht". Sie ist die Chefredakteurin des erfolgreichen Schülerblattes. Klar ist das viel Arbeit, aber glücklich ist sie doch jedes Mal, wenn sie eine neue, frisch gedruckte Ausgabe der Schwerter Schülerzeitung in den Händen hält. Sie hat das Blatt mitgegründet, seit etwa sechs Jahren schon begeistert sie sich fürs Schreiben. Doch besonders schätzt sie die vielfältigen Aufgaben ihrer Arbeit. Recherchieren, layouten, organisieren, immer gibt es Neues zu lernen. Langweilig wird Christine nie, dass können ihrer Mitstreiter Alexander und Sina, die sie zur Preisverleihung begleitet haben, nur bestätigen.

"Sehr bequem"

Endlich ist es soweit, die heiligen Türen zum Bundesrat öffnen sich. So ein bisschen aufgeregt ist Christine jetzt schon. "Natürlich möchte ich den Preis endlich in den Händen halten" verrät sie. Bis dahin heißt es noch ein bisschen Geduld haben. In der Zwischenzeit ist Platz genug, dieses alterwürdige Gebäude zu beschnuppern. Nach einer lockeren Begrüßung durch die Moderatoren gibt es eine kurze Erfrischung, die auch der ungeduldigen Christine nur recht kommt.

Jetzt aber ab in den Plenarsaal. Christine lässt sich in eine der schweren Lederstühle plumpsen, auf denen sonst die Ministerpräsidenten sitzen. "Sehr bequem." findet sie, da fängt das Programm auch schon an. Harry Peter Carstensen begrüßt die versammelten Redakteure mit warmen Worten, man sieht ihm an, dass er sich wirklich freut, so viele junge, engagierte Leute in seinem Haus zu sehen. Er ist als Bundesratspräsident in diesem Jahr Schirmherr des Schülerzeitungswettbewerbes der Länder. Christine hat ihre digitale Kamera ausgepackt und knipst mit ihrer Freundin Sina um die Wette: "Wir im Plenarsaal vom Bundesrat. So ein Ereignis muss man doch dokumentieren." Außerdem denkt sie an den Bericht für die "Wortgefecht", der geschrieben werden will.

"Wir sind alle Sieger"

Da hat Herr Carstensen das Wort auch schon wieder an die Moderatoren abgegeben. Jetzt geht es in die heiße Phase, die eigentliche Preisverleihung steht an. Sina und Alexander drücken heimlich Daumen, Christine bleibt cool:"Es ist schon eine Ehre, überhaupt nach Berlin zu kommen. Wir hier sind alle Sieger."

Der dritte Platz im Bereich Gymnasien geht an: "Wortgefecht aus Schwerte". Christine kann es kurz nicht fassen, dann steht sie mit einem Freudestahlen im Gesicht auf und geht nach vorn. Jetzt geht alles sehr schnell: Händeschütteln mit Carstensen, Urkunde in Empfang nehmen, in die Kamera lächeln. Mit geröteten Wangen kehrt Christine an ihren Platz zurück. Der Bundesratspräsident ist ihr von Anfang an sympathisch gewesen. Vor der Preisverleihung wechselte er mit den drei Wortgefecht-Redakteuren schnell ein paar Worte. "Echt nett!" ihr abschließendes Urteil.

Günther Jauch und Rudi Völler

"So ein bisschen Fußball muss dann aber doch sein" sagt Christine mit einem Lächeln. Sonntagabend nutzte sie die Chance und schaute auf der Großleinwand am Sonycenter das Vorrundenspiel Iran gegen Mexiko. "Die Atmosphäre war schon eine ganz Besondere" begeistert sich Christine. Obwohl sie schon öfter in der Hauptstadt war, sei es doch immer wieder beeindruckend, hier einfach zwischen Bundestag, Brandenburger Tor und Bundesrat herumzuspazieren. Als ganz besondere Attraktion traf sie unterwegs Günther Jauch und Rüdi Völler. "Im heimischen Schwerte passiert einem so was eher selten" witzelt sie. Nach diesen zwei vollen Tagen freut sie sich trotzdem erstmal wieder auf die ruhigere Heimatstadt. Schnell sagt Christine hinterher: "Ich hatte wahnsinnigen Spaß die zwei Tage und freue mich immer noch total, dass ich dabei sein durfte."