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Meinung

Kandidat für CDU-Parteivorsitz: Merz ist Millionär. Na und? Es gibt wichtigere Fragen, die er beantworten muss

"Heute verdiene ich rund eine Million Euro brutto", erklärt Friedrich Merz. Eigentlich ein Outing ohne Knalleffekt. Wirklich interessant sind ganz andere Antworten auf viel drängendere Fragen. Ein Kommentar.

Friedrich Merz ist also Millionär. Na und? Es gibt andere Fragen, die er beantworten muss - ein Kommentar

Friedrich Merz, 63, will Parteivorsitzender der CDU werden

AFP

Friedrich Merz ist Millionär. "Ich liege jedenfalls nicht darunter", druckste er zunächst herum. Nun hat sich der Anwärter auf den CDU-Parteivorsitz, leicht gequält, zu einem Outing durchgerungen: "Heute verdiene ich rund eine Million Euro brutto", sagt er. Obwohl diese Information bei seinen derzeit fünf Aufsichtsratsmandaten wenig überraschend ist.

Er gehöre dennoch zur "gehobenen Mittelschicht", wie er gegenüber der "Bild am Sonntag"-Zeitung beteuert. Die gesellschaftliche Mitte sei für ihn "nicht eine rein ökonomische Größe", sondern auch von Werten geprägt. Also alles eine Frage der Mentalität?

Friedrich Merz kann sich viel leisten

Das klingt gut. Aber wer sich was leisten kann – und dazu gehört auch der Zugang zu der Gesellschaft (etwa durch: Kultur, Freizeit, Bildung und Wissen) – ist leider keine Frage der Einstellung.

Friedrich Merz kann sich viel leisten. Zum Beispiel zwei Privatflugzeuge. Er gehört – in finanzieller Hinsicht – zu keiner Schicht. Sondern zu einer hauchdünnen Scheibe. Er ist einer von 1.364.600 Millionären in Deutschland. Das können nur 1,65 Prozent der Menschen in diesem Land von sich behaupten.

Das ist nicht verwerflich. Eigentlich ist Friedrich Merz‘ Vermögen seine Privatsache. Eigentlich ist es egal, ob er Millionär ist oder nicht. 

Aber er ist nicht nur Privatperson, sondern auch Politiker - der in die Wirtschaft gewechselt ist, unter anderem zum größten Vermögensverwalter der Welt, und nach Jahren im Exil nun Parteichef der CDU werden will. Wahrscheinlich sogar Bundeskanzler.

Die wichtigen Fragen

Gegen den Branchenwechsel ist an sich nichts einzuwenden, wahrscheinlich ist dieser von Vorteil. Die Wirtschaft ist ein zentraler Teil der Gesellschaft. Aber nun geht es nicht mehr um Einzelinteressen. Als Aufsichtsratschef muss er für das Wohl eines Unternehmens sorgen. Als CDU-Chef wäre er seiner Partei, als Kanzler dem Gemeinwohl aller Bürgerinnen und Bürger verpflichtet.

Daraus ergeben sich wichtigere Fragen, als nach den Nullen auf seinem Kontoauszug.

Kann der Aufsichtsratschef Merz die nötige Distanz zur Wirtschaft wahren? Die Rollen von Blackrock und der HSBC Bank - für beide ist er tätig - in einem Steuerbetrugskandal sind noch nicht abschließend geklärt.  

Hat der Millionär Merz die Bodenhaftung, um "eine Partei der Mitte" - wie er sagt – zu führen? Zu glauben, er gehöre nicht zur Oberschicht, liegt fernab der Realität. 

Und hat der Exil-Politiker Merz überhaupt die Expertise, eine Partei zu führen? Er hat lediglich zwei Jahre, von 2000 bis 2002, die Führungsposition als Unionsfraktionschef bekleidet.

Die Zurückhaltung gegenüber Merz dreht sich um zentrale Fragen wie diese. Kann er darauf glaubwürdige und zufriedenstellende Antworten geben – seine Ausführungen in der "Bild am Sonntag" lesen sich eher wie eine Rechtfertigung und Relativierung in einer typisch deutschen Debatte - wird er breitere Zustimmung in der Gesellschaft finden. 

Video: Merz zu Blackrock: "Es wird hier alles aufgeklärt"
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