G8-Klimakompromiss Merkel bändigt Bush


Man kann die Klimabeschlüsse als zu lasch kritisieren. Dennoch hat Kanzlerin Merkel auf dem G8-Gipfel einen Sieg errungen. Selbst der widerwilligste George W. Bush musste anerkennen: Die Klimaerwärmung ist von Menschen gemacht und muss von ihnen bekämpft werden.
Ein Kommentar von Stefan Braun

Der Sieger von Heiligendamm? Die Diplomaten und ihre Sprache. Wo die einen auf einen echten Durchbruch hofften und die anderen keinen Schritt nach vorne wollten, sind die Diplomaten zu wahren "Helden" geworden. In der Klimaerklärung von Heiligendamm wird vieles "ernsthaft erwogen", einiges sehr entschlossen "in Betracht gezogen" und manches entschieden "als Ziel" angekündigt. Bei all dem Willen könnte einem ganz schwindlig werden. Trotzdem sollte man sich nicht blenden lassen. Wenn Diplomatensprache regiert, ist nicht mehr drin gewesen. Entsprechend hat Angela Merkel nicht viel gewonnen. Mehr als eine sehr eindeutige Willenserklärung ist - noch - nicht erreicht worden. Die Klimakönigin Merkel, die Kaiserin von Heiligendamm - derlei Bilder wären vermessen, falsch und irreführend. Das Jackett leuchtend grün - als wär die Joppe schon Programm. So ist Angela Merkel in diesen Tag gestartet, und so ging er für sie auch zu Ende. Ein bisschen grün als Zeichen des Klima-Fortschritts, sehr viel mehr grün als Farbe der Hoffnung. Als Ziel für die Zukunft. Hoffnung nämlich muss Merkels Prinzip bleiben. Doch dabei lässt sich sagen: der Ausgang von all dem ist nicht mehr ganz offen. Auch wenn ihr in Heiligendamm der ganz große Wurf verwehrt blieb - sie hat alle Anwesenden auf einen Weg verpflichtet, den niemand verlassen kann, ohne Schaden zu nehmen.

Keine Alleingänge für Bush

Die Dame und ihre Herren Gäste wollen künftig nicht nur "ernsthaft erwägen", einen "deutlichen Beitrag" gegen die weitere Erderwärmung zu leisten. Sie haben erklärt, dass sie die Erkenntnisse des Weltklimarats als Grundlage für alles weitere Handeln akzeptieren. Jenes UN-Klimarats, der die Menschen für die Erderwärmung verantwortlich macht. Jenes Klimarats, der einen Anstieg von zwei Grad bis zur Mitte des Jahrhunderts als Äußerstes gerade noch akzeptieren würde. Indem George W. Bush dafür die Hand hob, akzeptierte er genau das, was er jahrelang ablehnte: Es gibt eine Verantwortung. Und es gibt eine Verpflichtung, das eigene Handeln zu ändern. Das bedeutet für Bush zuallererst: keine Alleingänge mehr. Kollektiv und unter dem Dach der UN sollen die nächsten Schritte folgen. Dass Bush dazu Ja sagte, ist kein Triumph, geschweige denn schon die Rettung. Aber es bändigt einen, der immerzu Nein rief in allen Klimaschutzfragen. Es zwingt den widerspenstigen US-Präsidenten auf einen Pfad, den er nie betreten wollte. Ein viel versprechender Etappensieg. Noch dazu einer von der schwereren Sorte.


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