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Großelternzeit: Verhaltene Freude

Der Vorschlag der Bundesregierung zur Großelternzeit stößt auf geteiltes Echo. Christine Reckmann vom Zukunftsforum Familie e.V. geht der Vorschlag nicht weit genug. Peter Ramsauer von der CSU nennt den Text "kompletten Unsinn".

Großeltern von Minderjährigen mit Neugeborenen sollen einen Anspruch auf Elternzeit erhalten. Dies schlagen Fachpolitiker der großen Koalition vor. Elterngeld auch an die Großeltern zu zahlen, ist dagegen nicht vorgesehen. Schließlich bekämen ja schon die Eltern des Kindes Zuschüsse vom Staat. Eine Ausweitung der finanziellen Hilfen auf die Großeltern fordert jedoch Christine Reckmann, die Vorsitzende des Zukunftsforum Familie e.V.: "Ansonsten kann sich wieder nur eine absolute Minderheit eine unbezahlte berufliche Auszeit leisten."

Nach den Plänen der Regierung müssen die Großeltern mit dem Enkelkind in einem Haushalt leben. Ein Elternteil darf noch nicht 18 Jahre alt oder muss noch in der Schulausbildung sein. Damit soll bei sogenannten Teenager-Schwangerschaften geholfen werden. Der Kreis der möglichen Betroffenen ist überschaubar. 2006 bekamen 6163 Minderjährige ein Kind. Die Einbeziehung der Großeltern in die berufliche Elternzeit geht auf eine Initiative der Familienpolitikerin Nicolette Kressl (SPD) zurück.

Teilzeit weniger gefördert

Seit Anfang 2007 besteht das Elterngeld als Lohnersatzleistung in den ersten 14 Monaten nach der Geburt. Dieses Gesetz soll im Oktober 2008 überprüft werden. Das Zukunftsforum Familie kritisierte auch die bestehende Regelung als ungerecht: Bislang können Partner sich die Elternzeit aufteilen. So arbeiten sie entweder beide halbtags und für sieben Monate mit staatlicher Unterstützung. Oder aber sie steigen abwechselnd ganz aus dem Beruf aus. Dann beziehen sie insgesamt 14 Monate Elterngeld. "Diese massive Benachteiligung partnerschaftlicher Erziehungs- und Arbeitsmodelle muss schnellstmöglich beseitigt werden", forderte Reckmann.

CSU und Opposition reagierten zurückhaltend. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer fragte ironisch, ob denn auch an Patenonkel und - tanten sowie an die Urgroßeltern gedacht sei. Für Ina Lenke von der FDP ist das Elternzeit-Privileg für Großeltern "kompletter Unsinn". Auch Tanten oder Nachbarn, die sich um Kinder kümmern, dürften nicht leer ausgehen.

Das Elterngeldgesetz sieht bislang vor, dass Verwandte bis zum dritten Grad sowie deren Ehegatten Anspruch auf Elternzeit haben, wenn die Eltern ihr Kind wegen Krankheit, Schwerbehinderung oder Tod nicht betreuen können. In diesem Fall wird auch Elterngeld bezahlt.

DPA / DPA
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