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Günther Oettinger: Druck in Mallorca-Affäre wächst

Hat Günther Oettinger nun den Schuldenwirt auf Mallorca besucht? Der baden-württembergische Regierungschef verneint, aber neue Informationen erhöhen die Brisanz der Frage. Zudem bereitet der Stuttgarter Staatskanzlei auch Oettingers neue Partnerin Sorge.

Von Hans Peter Schütz und Rainer Nübel

Die privaten Verhältnisse Günther Oettingers bringen den baden-württembergischen Ministerpräsidenten jetzt auch zunehmend in politische Schwierigkeiten. Es gibt einen Grund, der dafür ausschlaggebend gewesen sein könnte, dass er hartnäckig jeden persönlichen Kontakt mit dem ehemaligen Stuttgarter Promi-Gastronomen Maurizio Olivieri leugnet. Dieser Duzfreund Oettingers ist nämlich im Visier der Staatsanwaltschaft.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft bestätigte am Freitag gegenüber stern.de, dass gegen den Italiener, der auf Mallorca lebt, Anfang 2007 ermittelt worden ist, wegen "des Verdachts der Vorenthaltung und Veruntreuung von Arbeitsentgelten". Ihm wird vorgeworfen, Sozialversicherungsbeiträge seiner früheren Beschäftigten nicht abgeführt zu haben. Das Verfahren ist im Mai 2007 eingestellt worden, weil der Aufenthaltsort Olivieris nicht bekannt war. Die Ermittlungen können jederzeit wieder aufgenommen werden, heißt es in der Staatsanwaltschaft.

Zweifel an Oettingers Darstellung

Olivieri war, wie von stern.de berichtet, Mitte 2006 über Nacht aus Stuttgart verschwunden, wo er bis dahin das Edellokal "Come Prima" betrieben hatte. Er hatte erhebliche Schulden angehäuft und war vor seinen Gläubigern geflüchtet. Ein regelmäßiger Gast des "Come Prima": Oettinger.

Olivieri hatte gegenüber stern.de vor kurzem zweimal gesagt, der Stuttgarter Regierungschef sei im Sommer bei ihm in seinem neuen Lokal im Ort Andratx auf Mallorca aufgetaucht, habe ihn umarmt und ihn freundschaftlich mit "Du Arschloch" begrüßt. Nachdem in der Stuttgarter Presse ein Bericht über den Besuch Oettingers auf Mallorca aufgetaucht war, bestritt Olivieri plötzlich den Besuch. Das habe er, wenn überhaupt, nur im alkoholisierten Zustand gesagt. Oettinger selbst verwickelte sich in erhebliche Widersprüche über seine Aufenthalte auf Mallorca.

Unstrittig - und auch von ihm bestätigt - ist inzwischen, dass seine Noch-Ehefrau Inken Oettinger an Pfingsten auf Mallorca war und auch das Lokal von Olivieri besucht hat. Auch ein guter Bekannter Oettingers, der Unternehmer G., soll das Lokal zusammen mit dem kleinen Sohn Oettingers aufgesucht haben. Der Ministerpräsident selbst erklärte gegenüber stern.de, er sei nie auf Mallorca gewesen. Das war nachweislich falsch. Er korrigierte sich dahingehend, dass er auf keinen Fall Olivieri besucht haben könnte, da er zuletzt auf der Ferieninsel gewesen sei, als dieser noch gar nicht das neue Lokal dort betrieben habe.

An dieser Darstellung gibt es inzwischen erhebliche Zweifel. Nach stern.de-Informationen soll Oettinger selbst davon berichtet haben, dass er Ende August vor einer Dienstreise nach Südafrika mehrere Tage auf Mallorca gewesen sei. Auf eine Anfrage von stern.de hin bestritt das baden-württembergische Staatsministerium dies am Freitagnachmittag per Fax. Zu dem Zeitpunkt des Besuchs seiner Frau bei Olivieri, ließ Oettinger zudem mitteilen, sei er bereits abgereist. Olivieri hatte gegenüber stern.de konkret gesagt, der Besuch habe im August stattgefunden. Am Donnerstag hatte sich Oettinger gegenüber den "Stuttgarter Nachrichten" so geäußert: Wenn er in Olivieris Lokal auf Mallorca gewesen wäre, dann "könnt Ihr sagen, er muss zurücktreten".

Beziehung zu Event-Managerin aus Hamburg

Noch gefährlicher könnte Oettinger, der dieser Tage das Scheitern seiner Ehe eingeräumt hat, eine seit Längerem bestehende Beziehung zu einer Hamburger Event-Managerin werden. Sie war nach einem geschäftlichen Besuch in der Staatskanzlei mehrfach von Oettinger angerufen und zu einem Wiedersehen "bei einem kleinen Essen" eingeladen worden. In der Regierungszentrale befürchtet man, dass die Frau Aufträge aus Stuttgart erhalten haben könnte - und Oettinger sich in diesem Fall bald Fragen nach einer Vermischung privater und beruflicher Interessen gefallen lassen muss.

Von:

Rainer Nübel und Hans Peter Schütz