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Hermann Scheer: SPD-Vorstand warnt vor Kollektivpsychose

SPD-Vorstandsmitglied Hermann Scheer hat mehr Offenheit in der Auseinandersetzung mit der Linken gefordert. Es sei höchste Zeit, die Auseinandersetzung "klarer, selbstbewusster, differenzierter" zu führen, schreibt er in einem Gastbeitrag für den stern.

SPD-Vorstandsmitglied Hermann Scheer hat seine Partei dazu aufgefordert, die pauschale Abgrenzungspolitik gegenüber der Partei "Die Linke" aufzugeben. "'Nie- und nimmer'-Absagen an Koalitionen mit der Linken sind kontraproduktiv!", schreibt Scheer in einem Beitrag für das Hamburger Magazin stern. "Sie verhindern nicht, dass die Linkspartei zu Lasten der SPD immer stärker wird." Die SPD schwäche sich mit ihrer Antihaltung nur selbst. Es sei höchste Zeit, die Auseinandersetzung "klarer, selbstbewusster, differenzierter" zu führen, und "nicht länger in der Art einer Kollektivpsychose".

Scheer, Träger des Alternativen Nobelpreises, bezeichnet es im stern als kaum nachvollziehbar, dass sich die SPD im Westen Deutschlands noch schärfer von der Linken abgrenzen solle als im Osten: "Wo gab es denn SED, Mauer und Stacheldraht? In Hessen etwa?" Es wirke nur lächerlich, so Scheer im stern, ausgerechnet Mitglieder und Wähler der Linkspartei im Westen mit einem SED-Verdikt zu überziehen. Sie seien bis vor kurzem noch Mitglieder und Wähler der SPD gewesen. Auch das zerrüttete Verhältnis der SPD zu ihrem ehemaligen Vorsitzenden Oskar Lafontaine, heute Partei- und Fraktionschef der Linken, sei kein hinreichender Grund, "sich selbst Fesseln anzulegen und mit der Linken nicht zu reden."

Scheer, der dem linken Flügel der SPD angehört, fordert seine Partei auf, der Linken "grundlegende Bedingungen für eine mögliche Zusammenarbeit" zu stellen. Nur konkret begründete Absagen einer Koalition seien nachvollziehbar und dadurch glaubwürdig. "Nicht die Linkspartei destabilisiert die Republik", schreibt Scheer, "sondern eine auf Dauer geschwächte SPD, die das Gleichgewicht der beiden großen Parteien aufhebt."

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