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Josefa Idem: Die Deutsche in Italiens Regierung

Sie kommt gebürtig vom Niederrhein und trat sogar mal für Deutschland bei den Olympischen Spielen an: Josefa Idem. Nun soll sich die ehemalige Kanutin in Italiens neuer Regierung um den Sport kümmern.

Blondes Haar, 176 Zentimeter groß. Nein, klassisch-italienisch wirkt Josefa Idem nicht gerade. Was auch darin liegen mag, dass Italiens neue Sportministerin ursprünglich vom Niederrhein stammt - aus der Kleinstadt Goch in Nordrhein-Westfalen. Als eine von sieben Frauen wurde die 48-Jährige am Samstag in das Kabinett Letta berufen.

"Das hatte ich nicht erwartet", sagte die Kanu-Olympiasiegerin italienischen Medien, als sie die Nachricht von ihrer Beförderung erhielt. Am wichtigsten sei es jetzt, die Ärmel hochzukrempeln: "Es gibt eine Unmenge zu tun, nicht nur für den Sport, sondern vor allem auch für die Gleichberechtigung." In Italien hervorgehoben wird vor allem ihr soziales Engagement für Emergency, eine Hilfsorganisation, die sich unter anderem für zivile Kriegsopfer einsetzt.

Spitze in Sport und Politik

Nach den Olympischen Spielen 1988 zog Idem nach Italien, heiratete ihren Trainer Gugliemo Guerrini und nahm vier Jahre später die italienische Staatsbürgerschaft an. 2000 holte sie für ihre neue Heimat Olympia-Gold. Insgesamt 38 Medaillen habe Idem bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften für Italien gewonnen, bilanzierte der Mailänder "Corriere della Sera" ihre außerordentliche Kanu-Karriere. Mit ihrer Teilnahme an acht Olympischen Spielen stellte sie 2012 einen neuen Rekord auf - das hatte vor ihr noch keine Athletin geschafft.

In der italienischen Politik mischte die in der Emilia-Romagna lebende Spitzensportlerinschon schon länger mit: Von 2001 bis 2007 saß sie als Sportverantwortliche im Rat der Stadt Ravenna. Bei den Parlamentswahlen Ende Februar wurde sie für die linke Demokratische Partei (PD) in den Senat gewählt. Mit ihrem Ministerposten ist Josefa Idem jetzt auch in der Politik gelungen, was sie im Sport längst erreicht hatte: der Sprung nach ganz oben.

Schüsse am Tag der Vereidigung

Neben Idem wurden am Sonntag 20 weitere Politiker in Lettas Regierung berufen. Die Linke stellt nun neun Minister, Berlusconis Seite fünf. Dazu kommen Politiker der bürgerlichen Mitte sowie eine Reihe von Technokraten. Auffällig ist die hohe Zahl an jungen Kräften im Kabinett. Mit sieben Ministerinnen hat Letta außerdem einen neuen Rekord aufgestellt - nie zuvor gab es mehr Frauen in einer italienischen Regierung.

Erhebliche Aufregung riefen während der Vereidigung die Schüsse vor dem - entfernt gelegenen - Regierungspalast Chigi hervor. Diese verletzten zwei Polizisten und eine schwangere Passantin, aber nicht lebensgefährlich. Ein Süditaliener in Jackett und Krawatte hatte plötzlich mit einer Pistole eine Reihe von Pistolenschüssen abgegeben und sich dann selbst verletzt, als er fliehen wollte. Der Kalabrier wurde festgenommen. Der 49-Jährige soll psychisch gestört und in Behandlung sein. Die neue Regierung ließ sich von den Ereignissen nicht beirren: Noch am Sonntag traf das Kabinett zu einer ersten Arbeitssitzung zusammen.

jwi/DPA / DPA