VG-Wort Pixel

Kinderbetreuung Kita-Öffnung in vier Stufen: Das empfehlen die Familienminister

Eine leere Garderobe in einer Kita
Eine leere Garderobe in einer Kita
© Sina Schuldt / DPA
Während Geschäfte und Schulen öffnen, sind Kitas noch geschlossen. Eltern mit kleinen Kindern zu Hause fragen sich daher, wann ihr Nachwuchs wieder in die Kita kann. Die Familienminister von Bund und Ländern haben beraten – besonders konkret ist das Ergebnis nicht.

Wann öffnen Kitas in Deutschland in der Coronakrise wieder? Und wie? Die Familienminister von Bund und Ländern haben sich dazu für einen "behutsamen" Wiedereinstieg in die Kinder-Tagesbetreuung in vier Phasen ausgesprochen. Das teilte das Ministerium von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) am Dienstag mit.

Einen konkreten Fahrplan gibt es aber nicht. In einem Dokument des Bundesfamilienministeriums ist von "Beschluss" und "gemeinsamer Rahmen" die Rede. Die Empfehlung sei, "in den kommenden Wochen und Monaten aus bildungs- und entwicklungspsychologischen Gründen" einen Wiedereinstieg zu ermöglichen – ein Zieldatum für die Wiederaufnahme des Kita-Betriebs wurde aber nicht genannt. 

In vier Stufen zum Normalbetrieb

Stattdessen wird von vier Phasen gesprochen, in der die Kitas wiedereröffnet werden sollen: Die erster Stufe ist demnach die aktuelle Notbetreuung, danach folgen eine erweitere Notbetreuung, ein eingeschränkter Regelbetrieb und zum Schluss die Rückkehr zum Normalbetrieb.

Die Jugend- und Familienministerkonferenz der Länder rät dabei in ihrem Positionspapier, dass insbesondere in der Phase der erweiterten Notbetreuung nach jedem einzelnen Erweiterungsschritt zunächst mindestens zwei Wochen lang das Infektionsgeschehen beobachtet werden solle, bevor eine weitere Maßnahme folgen könne. Die Minister schlagen zudem vor, die Öffnung von Spielplätzen zu überprüfen und die Erlaubnis "familiärer Betreuungsformen" in Betracht zu ziehen, um Kindern soziale Kontakte zu ermöglichen und ihre Eltern zu entlasten.

Entscheidung liegt bei Ländern und Kommunen

Der Beschluss soll in die Beratungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten an diesem Donnerstag einfließen. Weitreichende Entscheidungen werden bei dem Gespräch aber nicht erwartet, sondern erst in einer weiteren Runde am 6. Mai. Letztlich liegt die Entscheidung aber bei den einzelnen Bundesländern und Kommunen, zu welchem konkreten Zeitpunkt die nächste Stufe der Öffnung von Kitas und Kindertagespflege erfolgen könne, heißt es im Papier.  

Giffey nannte den Beschluss ein "wichtiges und gutes Signal" für Familien. "Dabei ist klar, dass nur eine schrittweise Öffnung möglich ist – immer unter Berücksichtigung des Infektionsgeschehens direkt vor Ort in den jeweiligen Ländern. In einem ersten Schritt öffnen wir die Betreuung für Kinder, die besondere Hilfestellung brauchen", sagte die Ministerin. Aber auch für alle anderen müsse es eine Perspektive geben. Jedes Kind solle sobald wie möglich wieder in die Kita gehen können, wenn auch unter Einschränkungen. "Die Familien erwarten nun zeitnah konkretere Aussagen darüber, wann die nächsten Schritte erfolgen können", fügte sie hinzu.

Viele Eltern kleiner Kinder fühlen sich derzeit von der Politik allein gelassen, weil zwar Geschäfte und Schulen nach und nach wieder öffnen, es aber bei Kitas und Kindergärten noch keine Perspektive über die Notbetreuung hinaus gibt. Notbetreut werden vor allem Kinder, deren Eltern dringend am Arbeitsplatz gebraucht werden, etwa im Gesundheitswesen. Die Notbetreuung war zuletzt erweitert worden, in vielen Ländern zum Beispiel auf Alleinerziehende. 

Öffnung der Kitas soll von Studie begleitet werden

Oberstes Ziel sei unverändert, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen und Infektionsketten zu unterbrechen, um schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden und das Gesundheitssystem nicht zu überlasten, hieß es in der Mitteilung des Ministeriums. "Dennoch müssen die Belange der Kinder, gerade der Kleinkinder, und die Bedarfe der Eltern stärker berücksichtigt werden." Die Ministerinnen und Minister seien sich einig, "dass die gegenwärtigen Beschränkungen einen schweren Einschnitt für die Kinder darstellen."

Besondere Beachtung gilt laut Positionspapier Kindern, deren Betreuung aus Kindeswohl-Gründen erforderlich ist, die einen besonderen Förderbedarf haben und Vorschulkinder. Weil die sonst empfohlenen Abstandsregeln in der Arbeit mit kleinen Kindern nicht umsetzbar seien, müsse dies "durch Hygienepläne sowie Reinigungs- und Desinfektionspläne" so gut wie möglich ausgeglichen werden.

Einzubeziehen seien daneben besondere Betreuungsbedarfe der Eltern, die in wichtigen Bereichen, wie etwa die Daseinsvorsorge oder Sicherheit, arbeiten, von Alleinerziehenden sowie von Eltern, die beispielsweise körperliche oder psychische Beeinträchtigungen hätten, so das Ministerium.

Die Öffnung sollte von "breit angelegten Studien" begleitet werden, die nicht nur medizinische, sondern auch soziale Fragen in den Blick nehmen, da es bisher keine gesicherten Erkenntnisse darüber gebe, "welche Rolle Betreuungs- und Bildungseinrichtungen für Übertragungen im aktuellen Pandemiegeschehen spielen". Giffeys Ministerium will dazu das Robert-Koch Institut und das Deutsche Jugendinstitut beauftragen.

Weitere Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

rw DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker