Krugman beleidigt Steinbrück Der dumme Peer

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman wirft dem deutschen Finanzminister "Dummheit" vor. Die Wahrheit ist: Peer Steinbrück ist nicht dumm, sondern eher zu klug für die Politik. Doch unter dem Druck der Finanzkrise bröckeln Wahrheiten wie mürbe Kekse.
Ein Kommentar von Andreas Hoffmann

Dumm? Peer Steinbrück? Das Urteil des Wirtschaftsnobelpreisträgers Paul Krugman über das Wirken des Bundesfinanzminister in der Krise sagt mehr über die Fähigkeiten des Wissenschaftlers als über die des SPD-Politikers. Steinbrück ist vieles, eigensinnig, selbstverliebt, aufbrausend, scharfzüngig und zuweilen arrogant. Nur eines ist Peer Steinbrück gewiss nicht - dumm. Im Gegenteil. Er ist eher zu klug für die Politik.

Beide sind vom Erfolg verwöhnt

Nein, wenn Paul Krugman Steinbrück beschimpft, geht es nicht um Dummheit. Es geht ums Rechthaben. Da ähneln sich der Nobelpreisträger und der Finanzminister sehr. Beide hat der Erfolg verwöhnt. Krugman hat das Wirtschaftsgeschehen mehrfach brillant analysiert. Er beeinflusst mit seinen Kolumnen die politische Debatte wie kaum ein anderer Ökonom der USA. In einer solchen komfortablen Situation schrumpfen die Selbstzweifel, man fühlt sich als Hüter der Wahrheit.

Auch Steinbrück hatte zu viel Erfolg. Den Job als Finanzminister erledigte er ordentlich, nun profiliert er sich als Krisenmanager so gut, dass Unionsfürsten neidisch werden. Selbst seine eigenen Genossen klatschen Beifall, wo sie ihn sonst als Rechtsabweicher schmähen. Steinbrücks Ego pumpt sich mächtig auf, auch er hütet Wahrheiten.

Nur: Die Finanzkrise lässt Wahrheiten zerbröseln wie mürbe Kekse. Was früher richtig schien, gilt nicht mehr. Keiner konnte sich vorstellen, dass erfolgreiche Länder wie Island in den Staatsbankrott rutschen. Keiner, dass die Chinesen tausende Fabriken stilllegen und Millionen Arbeitnehmer entlassen müssen, dass die Amerikaner und Briten heimische Banken zwangsverstaatlichen würden. Die Krise zwingt dazu das Undenkbare zu denken, und einen Wandel einzuleiten. Aber sendet die große Koaltion dafür die richtige Botschaft aus, die da lautet: "Wir kümmern uns"?

Handlungsstärke ist gefragt

Nein. Steinbrück und Angela Merkel sagen nur: "Wir warten. Vielleicht tun wir noch etwas, vielleicht auch nicht." Natürlich ist es richtig, nicht in Panik zu verfallen. Auch in der Krise sollte das Nachdenken nicht wegfallen. Ebenso wichtig ist aber, dass Politiker Handlungsstärke zeigen. Dafür werden sie gewählt. Sie sollen zeigen, wie sie das Land durch die Krise steuern. Doch wie es weiter gehen soll und mit welchen Mitteln - da erfahren die Bürger von Steinbrück und der Kanzlerin zu wenig. Sie hören nur: "Geht nicht." "Zu teuer." "Bringt nichts." Lieber lädt man Experten ins Kanzleramt und verweist auf die Amtseinführung von Barack Obama, die man abwarten wolle.

Politik bedeutet führen - nicht warten. Die Krise wird sich verschärfen. Und zumindest ansatzweise sollten die Leute wissen, wie die Regierung die Gefahren abmildern will. Versäumt sie diese Aufklärung, wäre die Koalition in der Tat dumm.


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