VG-Wort Pixel

Lieberknecht zum Papstbesuch "Man darf sich gegenseitig nicht überfordern"


Beim Papstbesuch in Thüringen vermeidet Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) strittige Themen: In innere Angelegenheiten der katholischen Kirche will sie sich nicht einmischen.

Frau Lieberknecht, in wenigen Tagen kommt der Papst nach Deutschland und besucht auch Thüringen. Sie sind evangelische Theologin und haben in ihrer Diplomarbeit 1982 in Jena die Hoffnung geäußert, dass das Trennende der beiden großen Kirchen bald überwunden sein könnte. Das kam ja bisher nicht ganz so.
"Das sehe ich ganz anders. In der historischen Dimension kann ich mich nur freuen über das, was erreicht worden ist. Mir liegt die Ökumene sehr am Herzen. Und es gibt mehr, was uns verbindet, als was uns trennt. Es geht mir beim historischen Papstbesuch im Kernland der Reformation um ein gesamt-christliches Zeichen in Anbetracht der Problemlagen in der Welt. Das Trennende, was die Amtskirchen diskutieren, ist für die Gläubigen oft nicht so gewichtig, wie angenommen wird..."

Aber in Fragen wie gemeinsames Abendmahl oder der Rolle der Frauen in der Kirche gibt es doch gravierende Unterschiede. Sie selbst waren bis 1990 evangelische Pastorin, das wäre in der katholischen Kirche nicht möglich gewesen.
"Was die Frage von Frauenordination angeht, habe ich in der Tat ein anderes eigenes Erleben. Aber auch da habe ich Respekt gegenüber anderen theologischen Überzeugungen."

Glauben Sie, dass Benedikt XVI. gelesen hat, dass Sie in ihrer Diplomarbeit das Primat des Papstes als "nicht heilsnotwendig" bezeichnet haben?
"Das glaube ich nicht... Aber da muss es keinen Gegensatz geben. Die katholische Kirche hat den Papst als Oberhaupt. Der Papst kann auch evangelischen Christen aus dem Herzen sprechen, etwa bei Fragen nach der Gerechtigkeit in der Welt, der Bewahrung der Schöpfung oder wenn es um das Afrika-Engagement geht. Einen Alleinvertretungsanspruch des Papstes kann es aber aus meiner Warte nicht geben. Es müssen mehrere Meinungen möglich sein."

Wie sieht ihre Begegnung mit dem Papst aus?
"Ich werde Papst Benedikt XVI. am Erfurter Flughafen abholen und ihn über den Roten Teppich begleiten. Dann habe ich die Gelegenheit zu einem Vier-Augen-Gespräch - 15 Minuten sind geplant."

Werden Sie strittige Fragen wie die Rolle der Frauen ansprechen?
"Das werde ich nicht tun, denn das sind innere Angelegenheiten der katholischen Kirche. Ich möchte Respekt zeigen und werbe um die Zeit, die notwendig ist, um die Antworten auf offene Fragen reifen zu lassen. Man darf sich gegenseitig nicht überfordern."

Rolf Westermann/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker