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Ludwigshafen: Erdogan besucht Brandruine

Der türkische Regierungschef Tayyip Recep Erdogan hat die Ruinen des abgebrannten Ludwigshafener Hauses besucht. In den Flammen waren neun Türken gestorben. Die ganze türkische Nation trauere mit den Angehörigen, sagte Erdogan. Offen ist noch, ob es sich bei dem Brand um einen Anschlag handelte.

Der Verdacht der Brandstiftung hat sich auch vier Tage nach dem verheerenden Feuer in einem Ludwigshafener Mehrfamilienhaus mit neun Toten nicht erhärtet. Die Ermittlungen zur Brandursache dauerten weiter an, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Der türkische Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan besuchte den Brandort in Ludwigshafen und legte einen Kranz nieder. Vor rund 2.500 Zuhörern wandte sich gegen Spekulationen türkischer Medien und Unterstellungen gegenüber den Hilfskräften in Ludwigshafen und rief zu gegenseitiger Solidarität auf. Polizei und Feuerwehr hätten alles in ihrer Kraft Stehende getan, um zu helfen, sagte Erdogan und dankte den Einsatzkräften. Hätten sie nicht so schnell eingegriffen, hätten noch mehr Menschen ihr Leben verloren.

Der türkische Ministerpräsident rief die Medien auch in der Türkei zur Zurückhaltung und fairen Berichterstattung auf, damit der Friede zwischen beiden Ländern nicht gestört werde. Spekulationen über einen fremdenfeindlichen Anschlag sowie einen angeblich mangelhaften Feuerwehreinsatz hatten die Stimmung in Ludwigshafen angeheizt. Ein Feuerwehrmann wurde bei einem Übergriff verletzt. Deutsche Politiker hatten ihre Sorge über eine Beeinträchtigung das deutsch-türkischen Verhältnisses ausgedrückt und zur Mäßigung gemahnt. Erdogan besichtigte die Brandruine und drückte seine Trauer und Mitgefühl aus. Er wünschte den betroffenen Familien viel Kraft. Die ganze türkische Nation trauere mit ihnen, erklärte der Ministerpräsident. Er hoffe, dass die Ermittlungen schnell und sorgfältig durchgeführt würden.

Beck drückt Trauer aus

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck versicherte Erdogan in Ludwigshafen, dass alle Bundesbürger um die Opfer trauerten. "Wir wollen alles in unserer Kraft stehende tun, um die Not zu lindern", sagte Beck und versicherte zugleich, alles zu tun, um das "furchtbare Unglück" aufzuklären. Den Besuch Erdogans sehe er als eine Bekräftigung der deutsch-türkischen Freundschaft, die besonders in Zeiten der Not aufrecht erhalten werden müsse. Auch der SPD-Vorsitzende rief die Zuhörer auf, in Solidarität zueinander zustehen.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, versicherte Erdogan Mitgefühl auch im Namen von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Merkel wolle die in Berlin angesetzten Gespräche mit Erdogan auch dafür nutzen, um über die Situation der aus der Türkei eingewanderten Menschen zu sprechen.

Die Staatsanwaltschaft Frankenthal rechnet nicht mit schnellen Ermittlungsergebnissen. Die beiden Mädchen, die einen Brandstifter gesehen haben wollen, wurden ein zweites Mal vernommen. Ihre Glaubwürdigkeit könne aber noch nicht eingeschätzt werden, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Lothar Liebig der AP. Es sei noch eine dritte Anhörung der Kinder notwendig. Ein Phantombild stehe bisher nicht zur Verfügung. Am Donnerstag untersuchten Spezialisten weiter das ausgebrannte Haus. Die Suche mit Leichenspürhunden ist nach Angaben Liebigs abgeschlossen.

Zwei der neun Leichen wurden inzwischen zur Beerdigung freigegeben. Die Ursache für das verheerende Feuer war noch unklar. Oberstaatsanwalt Liebig sagte, die Ermittlungen könnten sich noch Wochen hinziehen. Es werde weiter in alle Richtungen ermittelt. Hinweise auf Brandbeschleuniger, die auf einen Anschlag hindeuten könnten, hätten sich nach den ersten Untersuchungen in der Brandruine nicht ergeben, hieß es bei der Polizei. Liebig sagte, Vorrang bei den Untersuchungen habe der Zustand der Elektrik des Hauses. Es werde unter anderem Hinweisen nachgegangen, dass im Keller illegal Strom abgezapft worden sei. ´

Die mit Nazi-Runen ans Haus geschriebenen Worte "Hass" neben dem Eingang zu einem türkischen Kulturverein sind nicht in Verbindung mit dem Brand zu bringen, weil sie wesentlich älter seien, sagte ein Polizeisprecher. Der in einer Gaststätte von einem türkischstämmigen Mann verletzte Feuerwehrmann wurde aus dem Krankenhaus entlassen. Gegen den Täter liefen Ermittlungen wegen Körperverletzung und Beleidigung.

Reuters / Reuters