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Interview mit 22-Jähriger "Verstehe niemanden mehr!" – verzweifelte Gehörlose über ihre Angst vor der Maskenpflicht

Sehen Sie im Video: Eine Gehörlose berichtet von ihrer Angst vor der Maskenpflicht.


Durch diese Maske ist das Mundbild komplett verdeckt und ich verstehe niemanden mehr. Aufgrund meiner Hörschädigung bin ich sozusagen verstummt. Also Kommunikation ist dann bei mir nicht mehr vorhanden.


Cindy Klink teilt dieses emotionale Video auf TikTok.


Die 22-Jährige hat Angst, dass Kommunikation für sie in den nächsten Wochen immer schwieriger wird 


Also meine größte Angst ist, dass ich aufgrund meiner Hörbehinderung, meiner fast Gehörlosigkeit,
dass ich dann einfach durch diese Maske niemanden mehr verstehen kann. Weil das verdeckt das Mundbild, und ich bin sehr stark darauf angewiesen.
Selbst wenn ein Dolmetscher die Maske aufsetzt und gebärdet,
ich werde den nicht verstehen können. Selbst bei der Gebärdensprache ist das Mundteil ein wichtiger Bestandteil. Fällt dieses weg, kappt die Kommunikation.


In Städten wie Wolfsburg und Jena gilt zur Zeit Maskenpflicht. 


Für Gehörlose wie Cindy ist das Lippenlesen jedoch wichtig für die Kommunikation. 


Man kann nicht sagen, dann müsst ihr eben mal was zurückstecken,
das halt eben akzeptieren und damit leben.
Nein, ich möchte nicht damit leben, dass ich mit niemandem mehr kommunizieren kann.
Ich möchte nicht zum Arzt gehen, obwohl ich Schmerzen habe und denjenigen nicht verstehen kann. Ich erzähle ihm etwas, er sagt mir was ich habe und ich verstehe ihn nicht. Ja, dann weiß ich am Ende des Tages immer noch nicht was ich habe.


Eine mögliche Lösung: durchsichtige Masken. 


Durchsichtige Masken wären auf jeden Fall sehr empfehlenswert, weil man eben auch die Lippen sieht. Man sieht die komplette Mimik, man sieht die Lippen. In der Gebärdensprache sind die Mimik, die Gestik und das Mundbild das A und O.  


Doch das Tragen von Masken ist nicht das einzige Problem für Gehörgeschädigte: 


Es ist auch problematisch, weil ganz wenige Dolmetscher auch bereit sind vor Ort zu sein. Natürlich gibt es die Möglichkeit alles online zu machen, aber dafür braucht man Internet. Es gibt viele Gehörlose, die wahrscheinlich gar kein Internet haben. Aber das Problem ist auch, nicht überall ist das Internet so gut. Nicht überall zeigt der Anbieter so eine starke Leistung. Nicht jeder hat dutzende von Gigabyte, um 30 Minuten mit einem Arzt da zu sitzen, und einem Dolmetscher so zu reden.


Gerade in Notfallsituationen wird die Kommunikation zum Problem: 


In dieser Situation würde es helfen, wenn vor allem Schlüsselpersonen, wie Ärzte, Polizisten, Rettungssanitäter, also systemrelevante Dienstleister, eine Alternative zu den Schutzmasken finden würden.


Mit ihrem Video will Cindy auch darauf aufmerksam machen, wie viel es beim Thema Inklusion noch zu tun gibt. 


Immer wieder wird von Inklusion gesprochen, immer wieder wird Inklusion ein großes Thema. Aber Inklusion bleibt irgendwie immer nur eine Theorie und wird nie in die Praxis umgesetzt. Wenn, dann nur in kleinen Schritten. Vor allem jetzt in der Krise, wo es überhaupt um Lebensgefahr geht, wo es um Sterben und Tote geht. Wir Gehörlosen, wir beeinträchtigen Menschen haben auch ein Anrecht darauf, Leute zu verstehen.


Auf Twitter wird ihr Video vielfach geteilt. Viele Follower versprechen bei dem Thema sensibler zu sein. 


Wie auch viele dann umgedacht haben, gesagt haben, okay ich besorge jetzt diese Maske oder versuche irgendetwas zu nähen, wo man eben meine Lippen sieht. Das finde ich einfach sehr sehr schön, und das berührt mich auch total, dass mein Video es so weit gebracht hat.
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Cindy Klink ist gehörlos. Die in vielen Städten kommende Maskenpflicht stellt die 22-Jährige deshalb vor große Probleme. Wenn Menschen eine Maske tragen, kann sie mit ihnen nicht mehr kommunizieren. Im Video spricht sie über ihre Angst.

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