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Merkel auf CSU-Parteitag: Ganz stark im "Feindesland"

Vor gut 1000 Delegierten hat Kanzlerin Angela Merkel auf dem 71. CSU-Parteitag eine überzeugende Vorstellung abgeliefert. In ihrer einstündigen Rede betonte Merkel konservative Grundsätze - und rief zur Geschlossenheit der Union auf.

Von Marko Belser, Augsburg

Als die Bundeskanzlerin nach ihrer Rede ins Plenum der Augsburger Schwabenhalle winkt, antworten die CSU-Delegierten mit freundlichem Beifall. Zugegeben, ihre Zuhörer erheben sich nur allmählich. Erst als Stoiber unterstützend auf die Rednerbühne tritt, kommt es allseits zu Standing Ovations. Angela Merkel ist bekanntermaßen kein Volkstribun, der die Massen von den Sitzen reißt. Und schon gar nicht in Bayern. Doch dafür, dass momentan nicht "die Zeit der Jubelstimmung" ist, wie ein Delegierter unterstreicht, erntet die Kanzlerin durchaus warmen Applaus. Merkel hat die CSU-Basis überzeugt. Mit einer Rede bei der besonders das Grundsätzliche gefiel.

Stimmung der Delegierten getroffen

Bei der Frage, was die Union leiten soll, hält die Kanzlerin an ihrem einfachen Grundsatz fest: "Wir dürfen die Zukunft nicht verbrauchen." Man müsse zwar den Menschen im Zuge einer soliden Haushaltspolitik einiges zumuten, jedoch stets aus moralischer Verpflichtung im Blick auf die Zukunft. Dabei ergibt sich diese moralische Verpflichtung aus christlicher Überzeugung. Bekanntlich ist das C bei den Christlich-Sozialen noch größer geschrieben als bei der Schwesterpartei. Und so treffen Merkels Ausführungen zur Ehe und Familie "als beste Form des Zusammenlebens" die konservative Seele der CSU-Basis. Genauso wie Ihr Bekenntnis zur christlichen Wurzel Europas, das Merkel zukünftig im EU-Verfassungsvertrag wieder finden will.

Auch das Soziale kommt nicht zu kurz. So bezieht sich die CDU-Vorsitzende auf den Fall BenQ und fordert soziale Marktwirtschaft auch im internationalen Rahmen. Es gelte Sicherheit und Wirtschaftlichkeit zusammen zu bringen. Geschickt bedient die Kanzlerin also thematisch die bayrische Klientel. "Ihr ist es gelungen die Stimmung der Delegierten nicht nur intellektuell, sondern auch emotional zu treffen", attestiert Landtagsabgeordnete Ulrike Scharf-Gerlspeck.

"Was die red, int’ressiert mi net."

Von den Querelen, die sich aus Stoibers Querschüssen in Sachen Gesundheitsreform im Vorfeld des Parteitages abzeichneten, ist nichts zu spüren. Stattdessen appelliert Merkel an die Geschlossenheit der Union. Dabei bedeute Geschlossenheit keineswegs Gleichschaltung. Schließlich hätten sich CDU und CSU immer als föderale Parteien gesehen. "Die Unionsparteien sind Schwestern, aber keine Zwillinge." Statt sich mit Gegensätzen aufzuhalten, verweist Merkel auf den gemeinsamen Erfolg. In 11 Monaten Regierungsbeteiligung habe man immerhin eine Föderalismusreform realisiert, die Erfüllung der Maastricht Kriterien erreicht und die Arbeitslosigkeit gesenkt. Die Betonung der gemeinsamen Leistung wird von der Mehrzahl der Delegierten wohlwollend honoriert. Außerdem sollte man nicht bei jeder Sachfrage die Machtfrage stellen, betont ein Delegierter aus Oberbayern. "Dann schon lieber konstruktiv streiten."

Doch nicht jeder der Anwesenden zeigt sich so versöhnlich. Es gibt sie noch die hart gesottenen Bajuwaren, für die aus "Preißn" grundsätzlich nur Unheil kommt. Georg Pfister hat Merkels Rede nur zwei Minuten zugehört. "Was die red, int’ressiert mi net." Das verwundert wenig. Seit 55 Jahren in der CSU plädierte Pfister letztmals auf dem Parteitag 1996 für eine Abspaltung Bayerns aus der Bundesrepublik.

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