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Monika Hohlmeier: Die gescheiterte Führungsfrau

Scheibchenweise ruiniert Monika Hohlmeier ihre einst glänzende Karriere selbst - überraschend erklärte jetzt die frühere Kultusministerin Bayerns ihren Austritt aus der Münchner CSU. Franz Josef Strauß hätte sich im Grabe umgedreht.

Monika Hohlmeier ruiniert ihre einst glänzende politische Karriere scheibchenweise selbst. Im vergangenen Jahr musste die Tochter des früheren bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß im Zuge der Wahlfälschungsaffäre der Münchner CSU den Parteivorsitz in der Landeshauptstadt abgeben. Nach massivem internem Druck trat sie im April auch als bayerische Kultusministerin zurück. Und am Montag erklärte sie überraschend ihren Austritt aus der Münchner CSU, nachdem im Vorstand Sanktionen gegen sie bis hin zum Parteiausschluss erwogen wurden.

Wechsel in Heimatverband

Nach dem Trommelfeuer der Kritik will Hohlmeier jetzt in ihren oberbayerischen CSU-Heimatverband wechseln. Das könnte sie am Ende allerdings auch ihr Landtagsmandat kosten - ihr einziges verbliebenes Amt. Denn die Aussichten, bei der Landtagswahl 2008 ausgerechnet als Newcomerin in einem neuen Bezirksverband mit einem der begehrten Stimmkreise betraut zu werden, sind ungewiss. Und die Münchner CSU dürfte wenig Neigung zeigen, die gescheiterte Führungsfrau erneut in ihrem bisherigen Stimmkreis im Norden der Landeshauptstadt aufzustellen.

Denn das Verhältnis zwischen Hohlmeier und der CSU-Führungsriege in München ist gründlich zerrüttet. Für den letzten und entscheidenden Stoß hatte Hohlmeier mit ihrem Auftritt vor dem nach ihr benannten Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags in der vergangenen Woche gesorgt. Statt mögliche Fehler bei der Aufklärung der Wahlfälschungsaffäre einzuräumen, startete sie zur Gegenattacke und stellte sich als Opfer einer Intrige dar.

Umstritten war besonders, ob die Ministerin im vergangenen Sommer ihren drohenden Rücktritt als Münchner CSU-Chefin abwenden wollte, indem sie Vorstandskollegen mit Enthüllungen aus ihrem Privatleben unter Druck setzte. Sie soll damals in der entscheidenden Sitzung einen Ordner mit den Worten auf den Tisch gelegt haben: "Gegen jeden von Euch gibt es was."

Stadtratsfraktionschef Hans Podiuk, der CSU-Landtagsabgeordnete Ludwig Spaenle und andere hatten vor dem Ausschuss deutlich gemacht, dass dies in der so genannten Bürklein-Runde eindeutig als Drohung verstanden wurde. Hohlmeier bestritt die Vorwürfe in ihrer Vorwärtsverteidigung vor dem Ausschuss jedoch vehement - und bezichtigte damit führende Köpfe der Münchner CSU indirekt der Lüge.

Glühende Telefondrähte

Für den Vorstand war damit das Tischtuch endgültig zerschnitten, am Wochenende glühten die Telefondrähte: Im engsten Führungszirkel der Partei wurde nach Angaben eines Beteiligten das gesamte Strafregister erwogen, von einer Rüge über die Ämtersperre bis zum Parteiausschluss - Franz Josef Strauß hätte sich im Grabe umgedreht. Mit Rücksicht auf das Abschneiden der Münchner CSU bei der Bundestagswahl sollte jedoch erst nach dem 18. September über mögliche Sanktionen entschieden werden.

Und wieder einmal, wie bei den Rücktritten zuvor, zog Hohlmeier im letzten Augenblick doch noch von sich aus die Notbremse. Allerdings betonte sie ausdrücklich, sie habe sich bereits vor Wochen entschieden, nach ihrer Aussage vor dem Untersuchungsausschuss die Arbeit in der Münchner CSU zu beenden. Dem auf Ausgleich bedachten CSU-Bezirkschef Otmar Bernhard fiel gleichwohl hörbar ein Stein von der Seele. Die Entscheidung trage wesentlich zur Entspannung der Situation bei, sagte er.

Nada Weigelt/DPA / DPA