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Brandanschlag in Tröglitz Rechtsextreme drohen, Landrat zu enthaupten


Der Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Tröglitz hat das Osterfest überschattet. Landrat Götz Ulrich ist trotzdem entschlossen, 40 Flüchtlinge in den Ort zu holen. Dafür wird er massiv bedroht.

Dem Landrat des Burgenlandkreises in Sachsen-Anhalt, Götz Ulrich (CDU), wird nach dem Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim in Tröglitz von Rechtsextremen mit Enthauptung gedroht. Das hat der Christdemokrat in einem Interview mit dem TV-Sender n-tv bestätigt. "Wenn ich sehe, was ich heute im Laufe des Tages wieder an E-Mails bekommen habe. Was da für Drohungen ausgesprochen werden, das hat schon einen rechtsextremen Hintergrund", sagte Ulrich. Und auf die Frage, ob er bedroht werde: "Ja. Das nimmt unangenehme Formen an. Das geht sogar so weit, dass die Methoden der Französischen Revolution angedroht werden." Während der Revolution (1789 bis 1799) wurde die Guillotine, das Fallbeil, zur Beschleunigung von Hinrichtungen massiv eingesetzt.

Die Polizei sucht unterdessen weiter nach den Tätern von Tröglitz. Bislang gebe es "noch keine konkreten Hinweise", sagte ein Sprecher des Landeskriminalamtes (LKA) Sachsen-Anhalt am Montag. Nach dem Anschlag in der Nacht zum Samstag war eine gemeinsame Ermittlungsgruppe der Polizei in Halle/Saale und des LKA in Magdeburg gebildet worden. Beim LKA werden die Ermittlungen vom polizeilichen Staatsschutz geführt, da der Verdacht auf einen ausländerfeindlichen Hintergrund der Tat besteht.

"Reicht das jetzt nicht ..."

Ziel der Täter war ein weitgehend leerstehendes Gebäude in Tröglitz, in dem ab Mai rund 40 Asylbewerber untergebracht werden sollten. Bei dem Brand wurden der gesamte Dachstuhl beschädigt sowie weitere Teile des Hauses in Mitleidenschaft gezogen. Zwei deutsche Bewohner des ansonsten leerstehenden Wohngebäudes wurden von Nachbarn rechtzeitig gewarnt und konnten unverletzt ihre Wohnung verlassen.

Landrat Ulrich machte bereits deutlich, dass die Flüchtlinge trotz des Attentats nach Tröglitz kommen werden. Von den Drohungen will er sich nicht einschüchtern lassen. "Ob das jetzt nicht genüge, was in Tröglitz passiert ist. Oder ob man weitere Maßnahmen ergreifen müsse, dass von der Unterbringung der Asylbewerber Abstand genommen wird", heißt es in den Droh-Mails, die ihn erreichen. Gegenüber n-tv machte Ulrich deutlich, dass das Innenministerium von Sachsen-Anhalt bereits angekündigt hat, die Sicherheitsstufe für Flüchtlingseinrichtungen zu erhöhen.

Probleme mit Rechten nur in Tröglitz

Dass die Behörden die Situation in der Kleinstadt nicht unter Kontrolle hätten, will der Landrat nicht als Vorwurf akzeptiern. Es stimme zwar, dass es keinen Generalplan gebe, aber: "Ich weiß nicht, ob man in dieser Situation die Kontrolle überhaupt jemals haben kann", sagte Ulrich n-tv. In Tröglitz legten es die Rechtsextremen nun mal auf ein Kräftemessen an. In Nauenburg, Weißenfels und Zeitz, den anderen Orten im Burgenlandkreis, wo Flüchtlinge untergebracht werden sollen, gebe es dagegen keine Probleme.

Tröglitz war bereits Anfang März in die Schlagzeilen geraten, als Ortsbürgermeister Markus Nierth zurücktrat, nachdem er und seine Familie wegen der Asylbewerberunterkunft von Rechtsextremen bedroht worden waren.

dho/mit AFP

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