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Neue Bildungsstudien: Bloß nicht "zu viel Euphorie"

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und der Verband Bildung und Erziehung warnen vor einer Fehleinschätzung. Die guten Ergebnisse der Bildungsstudien Iglu und Pisa seien mit früheren nicht zu vergleichen, die Probleme des deutschen Bildungssystems längst nicht gelöst.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Kultusminister nach den neuen Ergebnissen der IGLU- und PISA- Schulleistungsstudien vor "zu viel Euphorie" gewarnt. Die großen Probleme des deutschen Schulsystems seien bei weitem nicht gelöst, sagte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer. Nach wie vor sei in keinem anderen vergleichbaren Industriestaat die Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg so groß wie in Deutschland.

Frühkindliche Bildung und Erziehung immer wichtiger

Auch der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Ludwig Eckinger, kritisierte die hohe Abhängigkeit zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Für den Lernerfolg in der Grundschule werde die frühkindliche Bildung und Erziehung immer wichtiger. Eckinger forderte daher: "Wir müssen in Deutschland allen Kindern einen gebührenfreien Zugang zum Kindergarten ermöglichen. Kindergärten müssen als Bildungseinrichtung anerkannt werden."

PISA-Ergebnisse nicht vergleichbar

Und auch bei der PISA-Untersuchung könne man nicht ohne weiteres von Leistungsverbesserungen ausgehen, so die stellvertretende GEW-Vorsitzende Demmer. Die Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Tests von 2006 und 2003 seien in keiner Weise vergleichbar, weil sich inzwischen das gesamte Aufgabenspektrum verändert habe. Demmer: "Man muss sich hüten, hier Äpfel mit Birnen zu vergleichen."

Nach der am Vortag in Berlin veröffentlichten weltweiten IGLU- Lesestudie für die Grundschulen belegt Deutschland Rang 11 unter 35 Nationen und 10 Regionen. Am Mittwochabend waren auch Teilergebnisse der neuen PISA-Studie bekanntgeworden, die die Leistung der 15- jährigen Schüler misst.

Aufgabenspektrum kommt Deutschland entgegen

Danach belegen Deutschlands Zehnklässler bei Umweltwissen und Naturwissenschaften Rang 13 von 57 Staaten. Bei der PISA-Studie 2003 lag Deutschland noch auf Platz 18. Laut Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die die internationale PISA-Schuluntersuchung durchführt, sind beide Tests wegen ihrer geänderten Aufgabenstruktur bei den Naturwissenschaften nicht vergleichbar. Finnland konnte seinen ersten Rang erneut behaupten, vor Honkong und Kanada.

Die PISA-Ergebnisse sollen offiziell erst am 4. Dezember präsentiert werden. Auch bei früheren Tests hatte es in einigen Ländern vorzeitige Veröffentlichungen gegeben. Die Naturwissenschaften sind erstmals PISA-Schwerpunkt. Dazu war das gesamte Aufgabenspektrum umgestellt und vor allem Umweltwissen in den Mittelpunkt gestellt worden. Damit kam man auch deutschen Wünschen entgegen.

DPA / DPA