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NRW-Wahl: "Rüttgers bläst zum Heiligen Krieg"

Bei dem nordrhein-westfälischen CDU-Spitzenkandidaten Jürgen Rüttgers scheinen die Nerven blank zu liegen. Nach Angaben des Senders N24 hat er erklärt, der Katholizismus sei anderen Religionen "überlegen" - und seine Äußerung danach dementiert.

Der Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers, hat mit einer Äußerung über die katholische Kirche für Wirbel gesorgt. Nach Angaben des Senders N24 hatte er in der Talkshow "Studio Friedman" erklärt, die katholische Kirche sei anderen Religionen überlegen. Die CDU betonte am Freitag in Düsseldorf jedoch, die Äußerung sei so nicht gefallen. Rüttgers habe sich vielmehr auf das christliche Menschenbild bezogen.

N24 hatte als Zitat verbreitet, Rüttgers habe gesagt: "Ich glaube, dass die katholische Kirche und ihr Menschenbild das Richtige ist und anderen Religionen überlegen ist." Die CDU betonte, Rüttgers habe diesen Satz nie gesagt. Der Sender korrigierte seine Darstellung daraufhin. Das Zitat sei "ungenau wiedergegeben" gewesen.

"Ich glaube, dass unser christliches Menschenbild das Richtige ist"

Nach übereinstimmender Darstellung von CDU und N24 antwortete Rüttgers auf Fragen Friedmans nach einer Äußerung von Papst Benedikt XVI., die katholische Kirche sei anderen Kirchen überlegen. Rüttgers sagte in der entscheidenden Wortlautpassage: "Ich glaube, dass wir wieder lernen müssen, dazu zu stehen, dass wir wieder etwas für wahr und etwas für unwahr halten. Ich bin Katholik und ich glaube, dass unser christliches Menschenbild das Richtige ist und nicht vergleichbar ist mit den anderen Menschenbildern, die es anderswo auf der Welt gibt." Auf Friedmans Nachfrage, ob die katholische Kirche und ihr Menschenbild anderen Religionen überlegen sei, habe Rüttgers geantwortet: "Ich glaube, dass es das Richtige ist, wenn Sie wollen auch 'überlegen'."

SPD und Grüne reagierten empört, aber auch die FDP ging auf Distanz zu Rüttgers. Die Parlamentarische Geschäftsführerin der FDP im Landtag, Marianne Thomann-Stahl, betonte, egal wie das Zitat von Rüttgers gedeutet werde: "Mit der FDP wird es in der künftigen gelb-schwarzen Landesregierung kein Gegeneinander der Religionen geben."

"Intolerantes und verengtes Weltbild"

SPD-Landeschef Harald Schartau erklärte, Rüttgers habe die Gefühle vieler gläubiger Menschen verletzt. Seine Aussage zeuge "von einem intoleranten und verengten Weltbild". Schartau wies darauf hin, dass Papst Benedikt XVI. zu Beginn seines Pontifikats klargestellt habe, er sei bereit, "alles in seiner Macht stehende zu tun, um das Grundanliegen der Ökumene voranzubringen."

Die Äußerungen stießen bei den Grünen in NRW auf heftige Kritik. "Nach wochenlangem Schweigegelübde ist Jürgen Rüttgers wieder aufgetaucht und bläst gleich zum Heiligen Krieg", meinten die beiden Landesvorsitzenden der Grünen, Britta Haßelmann und Frithjof Schmidt. Seine Äußerungen seien "ein Schlag ins Gesicht für die überwältigende Mehrheit der deutschen Katholiken, die sich seit Jahren für die Ökumene und den interreligiösen Dialog etwa mit dem Islam einsetzten".

FDP verliert einen Prozentpunkt

Nach der jüngsten Umfrage liegt die CDU vier Wochen vor der Landtagswahl am 22. Mai stabil bei 45 Prozent. Allerdings hat nach den vom Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid veröffentlichten Zahlen die FDP einen Prozentpunkt verloren und steht nur noch bei 6 Prozent. Dennoch ergäbe das für Schwarz-Gelb eine Mehrheit von 51 Prozent der Stimmen.

Die SPD kommt nach dieser Umfrage unverändert auf 35 Prozent, die Grünen erreichen 9 Prozent. Laut Emnid will die Mehrheit den politischen Wechsel. 58 Prozent der Befragten seien der Meinung, dass die SPD nach 39 Jahren in der Regierung verbraucht sei, 37 Prozent teilten diese Auffassung nicht. Dagegen berichtete die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf eine Forsa-Umfrage, nur 31 Prozent der Wähler glaubten, eine CDU-geführte Landesregierung würde es besser machen als die jetzige. 59 Prozent meinen, die Zeit für einen politischen Wechsel sei nicht reif.

DPA/AP / AP / DPA