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Oesterlen-Bau muss weichen Landtag in Hannover bekommt neues Plenargebäude

Der unter Denkmalschutz stehende Plenarsaal des niedersächsischen Landtages wird abgerissen. Das Parlament in Hannover beschloss am Dienstag mit breiter Mehrheit, den fast 50 Jahre alten und von dem Architekten Dieter Oesterlen entworfenen Plenarsaal durch einen Neubau zu ersetzen.

Der unter Denkmalschutz stehende Plenarsaal des niedersächsischen Landtages wird abgerissen. Das Parlament in Hannover beschloss am Dienstag mit breiter Mehrheit, den fast 50 Jahre alten und von dem Architekten Dieter Oesterlen entworfenen Plenarsaal durch einen Neubau zu ersetzen. Für den Neubau votierten 91 Parlamentarier, für einen Umbau nur 39 Abgeordnete. Der 1962 eingeweihte Oesterlen-Bau gilt als wichtiges Zeugnis moderner deutscher Nachkriegsarchitektur.

Die breite Mehrheit aus Abgeordneten der Fraktionen von CDU, FDP und SPD sprach sich zugleich für die Realisierung eines Neubauentwurfs des Kölner Architekten Eun Young Yi aus. Dessen Vorschlag eines von Säulen und Glasfassaden geprägten Gebäudes hatte in einem Wettbewerb des Landtages den ersten Preis gewonnen. Einen Umbau des Plenarsaalgebäudes sah ein Entwurf des Hamburger Architekten Walter Gebhardt vor, des zweiten Preisträgers des Wettbewerbs.

Die Landtagsabgeordneten konnten am Ende ohne Fraktionszwang zwischen den Alternativen entscheiden. Dabei stimmten zwölf Parlamentarier gegen beide Vorschläge. Zehn, unter ihnen Ministerpräsident Christian Wulff (CDU), enthielten sich. Bei einer vorangegangenen grundsätzlichen Abstimmung sprach sich der CDU-Politiker sogar zusammen mit der Links-Fraktion gegen jeden Um- oder Neubau des Plenarsaales aus.

Seine Position habe leider keine Mehrheit gefunden, bedauerte Wulff nach der Abstimmung. Der Ministerpräsident ergriff in der Landtagsdebatte nicht das Wort, hatte zuvor aber angesichts leerer öffentlichen Kassen für Bescheidenheit bei den Bauplänen geworben. Nach dem Votum des Landtages kündigte er an, dass die Landesregierung alles Notwendige zur Umsetzung des Beschlusses tun werde. Es sei wichtig, für die Entscheidung zu werben und wegen der Baukosten keine Politikverdrossenheit aufkommen zu lassen.

In einer dreistündigen kontroversen Debatte über die Baupläne machte sich vor allem die Grünen-Landtagsfraktion für einen Erhalt des denkmalgeschützten Plenarsaales stark. "Die Entscheidung für den Abriss wird zu langwierigen Gerichtsverfahren führen", sagte Fraktionschef Stephan Wenzel. Sie verstoße gegen das Denkmalschutzrecht, weil man bei einem Umbau das Baudenkmal erhalten könne. "Der Landtag hat nicht das Recht, sein Denkmalschutzgesetz zu ignorieren", betonte er.

Die Abgeordneten der regierenden CDU/FDP-Koalition stimmten trotzt der Skepsis von Wulff überwiegend für den Abriss. CDU-Fraktionschef David McAllister verwies auf die Mängel des alten Plenarsaales bei Brandschutz, Wärmedämmung, Akustik und Einfall von Tageslicht. "Ein kompletter Neubaus ist eher zu kalkulieren, als ein Umbau eines schon vorhandenen Gebäudes", sagte er. Zudem gingen die Umbaupläne so weit, dass der Plenarsaal anschließend keinen Denkmalschutz mehr genieße.

Aus der SPD-Landtagsfraktion melden sich Gegner und Befürworter des Abrisses zu Wort. Fraktionschef Wolfgang Jüttner bezeichnete einen Abriss als denkmalschutzrechtlich nicht vertretbar. Der Neubauentwurf, der nun realisiert werden soll, sei zudem "respektlos im Umgang mit der demokratischen Geschichte unsere Landes". Das geplante Gebäude sei gesichtslos und könne überall stehen.

APN APN

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