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Plagiatsaffäre um Doktorarbeit Ex-Doktor Guttenberg muss wohl nicht vor Gericht


Die Copy&Paste-Affäre flackert wieder auf. Karl-Theodor zu Guttenberg drohen offenbar keine strafrechtlichen Konsequenzen. Doch der Prüfungsbericht der Universität Bayreuth kommt zu eindeutigen Urteilen. Und sein Doktorvater leidet unter dem Abschreib-Baron.

In Bayreuth in einem offenbar bescheidenen Reihenhaus sitzt ein 76-jähriger Mann und versteht die Welt nicht mehr. Die Rede ist von Peter Häberle. Er ist ein auf der ganzen Welt hochangesehener Rechtsprofessor - und der Doktorvater von Karl-Theodor zu Guttenberg. Er hat einer Arbeit, die in weiten Teilen zusammengeklaubt ist, die Bestnote "Summa cum laude" gegeben. Häberle hat sich nun erstmals etwas ausführlicher zu dem Vorgang geäußert. Er empfing Heribert Prantl, Mitglied der Chefredaktion der "Süddeutschen Zeitung".

Zu der Affäre fehlen ihm aber ganz offenbar die Worte. So frage er sich immer nur "Hätte ich es merken müssen?", schreibt die "Süddeutsche", ohne sich die Antwort einzugestehen. Er glaube bis heute, so Häberle, "dass Guttenberg die Übersicht verloren hat in den Zitaten, Kopien und dem Selbstgeschriebenen". Mehr will er sich nicht eingestehen.

Häberle hat Post bekommen von Guttenberg. Darin, so schreibt die "Süddeutsche", habe sich der gescheiterte Politiker entschuldigt für das - so wörtlich - "Ungemach", das er ihm bereitet habe. Da ist sie wieder, die Uneinsichtigkeit, versteckt im Gewand der Arroganz.

In der Aufarbeitung der Folgen gibt es zwei Neuigkeiten: starfrechtlich droht Guttenberg offenbar nichts, von der Uni Bayreuth muss er sich auf ein harsches Urteil gefasst machen.

Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) wird nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" möglicherweise keine strafrechtlichen Folgen haben. Die bayerische Justiz suche derzeit nach Präzedenzfällen, in denen Ermittlungen wegen Urheberrechtsverstößen mangels öffentlichen Interesses eingestellt wurden, berichtete das Blatt. Die Staatsanwaltschaft in Hof sagte dazu, dass erst der Sachverhalt ermittelt werde. Erst danach werde eine mögliche Strafbarkeit und das öffentliche Interesse geprüft.

Zuvor hatte die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, Guttenberg habe bei seiner Doktorarbeit absichtlich abgeschrieben. Anders ließen sich die kopierten Passagen nicht erklären, berichtet die Zeitung unter Berufung auf die Kommission der Universität Bayreuth, die die Plagiatsvorwürfe untersucht. Die Kommission habe ihre Arbeit weitgehend abgeschlossen, der offizielle Bericht solle Ende April fertig sein.

Guttenberg will Veröffentlichung verhindern

Nach mehreren Medienberichten hat Guttenbergs Anwalt Vorbehalte gegen die Veröffentlichung des Kommissionsberichts geäußert. In einem Brief an die Universitätsleitung habe er auf die Persönlichkeitsrechte seines Mandanten verwiesen. Die Universitätsleitung habe dies sehr irritiert zur Kenntnis genommen. Schließlich habe Guttenberg bisher immer versichert, er wolle sich aktiv an der Aufklärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe beteiligen.

Die Uni-Leitung habe Guttenberg schriftlich aufgefordert, "entsprechend seiner früheren Äußerungen und Stellungnahmen, seine Vorbehalte bezüglich der Veröffentlichung, insbesondere hinsichtlich des Ergebnisses der Prüfung der erhobenen Plagiatsvorwürfe, zurückzunehmen und eine umfassende Information zu unterstützen", zitieren die "Nürnberger Nachrichten" Uni-Präsident Rüdiger Bormann.

Dem "Tagesspiegel" sagte Bormann: "Wir möchten das Ergebnis - auch zur Frage des Täuschungsvorsatzes - öffentlich machen." Er sehe in dem Verhalten des Politikers einen "vollkommenen Widerspruch" zu dessen Rücktrittsrede, in der er Aufklärung versprochen hatte. "Es besteht ein ganz starkes öffentliches Interesse, wie die Uni den Vorfall bewertet."

Am Sonnabend bekräftigte ein Sprecher der Uni Bayreuth, dass die Uni "eine klare Aussage zum wissenschaftlichen Fehlverhalten zu Guttenbergs treffen" wolle.

be/ukl/DPA DPA

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