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Privatkredit des Bundespräsidenten: Geerkens beriet Wulff bei Immobiliensuche

Neue Details in der Kreditaffäre des Bundespräsidenten: Egon Geerkens war an den Verhandlungen mit Christian Wulff beteiligt - und half ihm bei der Immobiliensuche.

Die Anwälte von Bundespräsident Christian Wulff haben gegenüber dem stern erstmals eingeräumt, dass der Unternehmer Egon Geerkens vor Wulffs Hauskauf in Großburgwedel den Politiker bei der "Suche nach einer geeigneten Immobilie" beraten habe. Geerkens' Frau Edith habe dann die Gewährung eines Privatkredits angeregt.

Wulff hatte bislang stets erklärt, dass Edith Geerkens die Kreditgeberin war, sich aber nicht zu der Frage geäußert, inwieweit ihr Mann in die Verhandlungen eingebunden war. Entsprechende Aussagen Geerkens im "Spiegel" hatten diese Vermutung allerdings nahegelegt. Eine Anfrage des niedersächsischen Landtags Anfang 2010, ob es Geschäftsbeziehungen zwischen Wulff und dem Unternehmer gebe, hatte der damalige Ministerpräsident mit "Nein" beantwortet.

Nun erklärte Wulffs Anwalt Gernot Lehr in einer Stellungnahme, aus der die "Welt" zitiert: "Die Modalitäten wurden gemeinsam besprochen, das Darlehen von Frau Edith Geerkens gewährt."

Wulff büßt an Ansehen ein

Durch seine Kreditaffäre und die zahlreichen kostenlosen Privaturlaube hat der Bundenpräsident in der Bevölkerung an Autorität eingebüßt. In einer Umfrage für den stern sagten 31 Prozent der Bürger, Wulff habe für sie an Ansehen verloren. Für die große Mehrheit (63 Prozent) hat sich nichts geändert. Für 2 Prozent hat Wulff sogar an Ansehen gewonnen.

Die Umfrage wurde am Donnerstag und Freitag voriger Woche sowie an diesem Montag durchgeführt. Dabei wurden die Werte für den Präsidenten am Montag deutlich negativer, nachdem Wulff via Anwalt eine Auflistung über die Gratis-Urlaube bei befreundeten Unternehmern vorgelegt hatte.

Deutsche lehnen Wulff-Rücktritt ab

Trotz des Ansehensverlustes äußerte sich die große Mehrheit der Deutschen zufrieden mit der bisherigen Amtszeit von Wulff: 52 Prozent sagten, sie seien damit "zufrieden", 10 Prozent erklärten sich sogar "sehr zufrieden". "Weniger zufrieden" sind 21 Prozent, "gar nicht zufrieden" 7 Prozent. 10 Prozent antworteten mit "weiß nicht".

Einen Rücktritt Wulffs lehnt die überwältigende Mehrheit der Bürger (79 Prozent) ab. Lediglich 13 Prozent fordern, der Bundespräsident solle nach allen Vorwürfen sein Amt zur Verfügung stellen. Auch hier hatte die Zahl die Rücktritts-Befürworter in der Befragung am Montag deutlich zugenommen.

Wulff lässt Vorwürfe wegen Aufenthalt in Unternehmer-Villa zurückweisen

Unterdessen hat Wulff Vorwürfe wegen seines kostenlosen Urlaubsaufenthalts bei dem Versicherungsmanager Wolf-Dieter Baumgartl zurückweisen lassen. Seine Anwälte von der Kanzlei Redeker Sellner Dahs versicherten gegenüber dem stern, dass Wulff im Umgang mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Hannoveraner Versicherungskonzerns Talanx Dienstliches und Privates "immer klar getrennt" habe.

Wulff und seine Frau Bettina hatten in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident Ende März 2008 eine Woche lang kostenlos in Baumgartels am Meer gelegener Villa in Castiglioncello in der Toskana verbracht. Wulff hatte sich zugleich in der Vergangenheit für den Konzern politisch eingesetzt. 2004 engagierte er sich als Ministerpräsident im Vermittlungsverfahren zum Alterseinkünftegesetz für die Interessen der Lebensversicherer insgesamt, zu denen Talanx zählt. Wulffs Anwälte argumentieren, der Politiker habe seinerzeit "die dienstlichen Kontakte zur Förderung von Wirtschaft und Arbeitsplätzen" in Niedersachsen genutzt.

Der Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim verwies im stern auf den engen zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Hauskauf am 1. Oktober 2008, dem am 25. Oktober gewährten Kredit und einer Reise nach China und Indien ab dem 2. Oktober 2008, bei der sich der damalige Ministerpräsident auch von Egon Geerkens begleiten ließ. Der zeitliche Zusammenhang spreche für einen – nach dem niedersächsischen Ministergesetz verbotenen – Amtsbezug bei dem zinsgünstigen Kredit, den Edith Geerkens gewährte. Wulff selbst sieht weiter keinen Zinsvorteil, da Geerkens bei einer Bankanlage nicht mehr hätte erwarten können. Von Arnim wies gegenüber dem stern dieses Argument zurück: "Geerkens mag keinen Verlust gemacht haben, aber Wulff hatte auf jeden Fall einen Vorteil."

ben/hmt/mw