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Silvester in Köln: Was ist "racial profiling"?

Seit den gezielten Kontrollen der Kölner Polizei von nordafrikanisch aussehenden, jungen Männern ist die Rede von "racial profiling". Was bedeutet dieser Begriff genau?

Kölner Polizei und feiernde Menschen

Köln, Hauptbahnhof: Polizisten werfen Silvester ein Auge auf südländisch aussehende, junge Männer

Das Jahr 2017 ist keine drei Tage alt und hat schon sein erstes Unwort: Nafri - dank eines Tweets der Kölner Polizei. Über den Kurznachrichtendienst hatten die Beamten an Silvester knapp mitgeteilt: "Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft." Die Abkürzung "Nafri" steht polizeiintern für Nordafrikaner - eine Bevölkerungsgruppe, die bereits seit den Kölner Zwischenfällen im vergangenen Jahr unter besonderer Beobachtung steht. Die Wochenzeitung "Die Zeit" hatte im Januar 2016 berichtet, dass die Kölner Polizei im Intranet eine Unterseite mit dem Namen "Nafri" führe, auf der davor gewarnt werde, dass "die Klientel sich äußerst aggressiv" verhalte. Eine verallgemeinernde Einschätzung, die sowohl nach Erfahrung als auch nach Vorverurteilung klingen kann.

Wurden Nordafrikaner kontrolliert, weil sie nordafrikanisch aussahen?

Im Zusammenhang mit der Kontrolle "mehrerer Hundert Nafris", wie sie die Kölner Polizei meldet, fällt immer wieder der Begriff "Racial Profiling". Es ist der englische Ausdruck für eine umstrittene Praxis, bei der Polizisten und andere Vollzugsbeamte Menschen anhand unveränderlicher äußerer Merkmale bevorzugt für Kontrollen oder Überwachungen auswählen. Üblicherweise handelt es sich um die Hautfarbe und ähnliche Merkmale, die auf bestimmte ethnische Zugehörigkeiten hindeuten.

In den USA wird das Thema wegen der vielen tödlichen Schüsse von Polizisten auf Schwarze sehr emotional diskutiert. Auch in Deutschland führte der Vorwurf, dass Polizisten sich bei der Auswahl möglicher Verdächtiger womöglich allein auf das äußere Erscheinungsbild stützen könnten, schon wiederholt zu harscher Kritik oder Verwaltungsgerichtsprozessen.

Rein rechtlich betrachtet ist staatlichen Behörden laut Grundgesetz jegliche Form der Diskriminierung und Benachteiligung von Menschen etwa durch rassistische Kategorien untersagt. In der Praxis ist die Situation nach Angaben von Aktivisten mitunter jedoch weniger klar. So erlaubt das Bundespolizeigesetz der Bundespolizei auf Bahnstrecken, bei denen "auf Grund von Lageerkenntnissen oder grenzpolizeilicher Erfahrung" anzunehmen ist, dass sie zur illegalen Einreise genutzt werden, Kontrollen jeder beliebigen Person.

Polizeikontrollen von Nordafrikanern zu Silvester in Köln: Rassismus oder gute Polizei-Arbeit?
nik/DPA
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