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Rücktritt: Karriereknick für Monika Hohlmeier

Nach schweren parteiinternen Querelen tritt die Strauß-Tochter und bayerische Kultusministerin Monika Hohlmeier als Münchner CSU-Bezirkschefin zurück.

Sie galt jahrelang als die Hoffnungsträgerin der CSU schlechthin. Der Tochter des langjährigen bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Übervaters Franz Josef Strauß wurden höchste Ämter in der Partei zugetraut. Sogar als Nachfolgerin von Ministerpräsident Edmund Stoiber wurde sie in ihren besten Zeiten gehandelt. Doch ausgerechnet die Übernahme des schwierigen Münchner CSU-Vorsitzes vor einem Jahr geriet nun zum Stolperstein für die Strauß-Tochter, die ihrem Vater nicht nur im politischen Ehrgeiz, sondern auch in Tonfall und Gestik zuletzt immer ähnlicher wurde.

Schwere Aufgaben als Ministerin

Nach der Landtagswahl vom Herbst 2003 wäre die ehrgeizige CSU-Frau nicht ungern an die Spitze der Landtags-CSU gewechselt, blieb aber dann doch oberste Schulchefin. In der Regierungserklärung kündigte Stoiber überraschend die Einführung des achtjährigen Gymnasiums (G8) in Bayern an und lud der "Moni", wie die 42-Jährige von ihren Freunden genannt wird, ein zentnerschweres Paket auf die Schultern. Schon in ihrer ersten Amtszeit hatte die gelernte Hotelkauffrau im Kultusressort einiges an Reformen auf den Weg gebracht und für frischen Wind in bayerischen Klassenzimmern gesorgt. Doch schickt Bayerns oberste Lehrerin ihre eigenen Kinder auf ein Waldorfschule.

Stoiber machte die verheiratete Strauß-Tochter als jüngstes Kabinettsmitglied der bayerischen Nachkriegsgeschichte zur Kultusstaatssekretärin, 1998 rückte sie zur Ministerin auf. Die größte Bewährungsprobe stand ihr freilich an der Spitze der affärengeschüttelten Münchner CSU erst noch bevor.

Schlechtes Krisenmanagement

Nach anfänglich ruhigerem Fahrwasser und nachdem sie bei der Landtagswahl im vergangenen Herbst ihr Direktmandat dem Münchner SPD-Chef und Landtagsfraktionsführer Franz Maget abgeknöpft hatte, holten auch sie die Querelen im problematischsten der zehn CSU-Bezirksverbände ein. Kritiker kreiden ihr an, sie habe den Sumpf in der Nachwuchsorganisation Junge Union (JU) zu spät trockengelegt und auf Zeit gespielt, anstatt die Affäre um gefälschte Mitgliedsanträge schnell und rückhaltlos aufzuklären.

Der Rücktritt von Hohlmeier kommt nur fünf Tage nach der Verurteilung ihres Bruders Max Strauß wegen millionenschwerer Steuerhinterziehung. Das Augsburger Landgericht verurteilte den 45-Jährigen am vergangenen Donnerstag zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis, weil er von dem Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber 5,2 Millionen Mark Provisionen erhalten und nicht versteuert hat. Es scheint also, dass die Strauß-Kinder auf dem politischen Parkett nicht annähernd so trittsicher sind wie ihr Vater.

Paul Winterer, DPA / DPA