Schröders IAA-Tour Erschreckte Mütter und schwitzende Reporter


Den Medientrubel um ihn herum auf der IAA in Frankfurt hat Kanzler Schröder sichtlich genossen und bereitwillig in den Autos Platz genommen, die ihm die Konzernchefs zuwiesen. Der traditionelle Messerundgang Schröders wurde jedoch zum Fitnesstest für die Reporter.

Erschrecken blitzt in den Augen der jungen Mutter. Vor der Ausstellungshalle von Mercedes rast eine Meute von Reportern auf sie zu. Hastig schiebt sie ihren Kinderwagen in Sicherheit. "Was ist denn hier los", will ein IAA-Besucher wissen. "Die sind hinter dem Kanzler her", weiß jemand. Die Journalisten sind derweil auf dem BMW-Stand eingetroffen und warten mit Kameras, Fotoapparat oder Schreibblock bewaffnet auf Gerhard Schröder.

Der steigt dann wenig später kameragerecht lächelnd in das blitzblank gewienerte Cabriolet, wechselt ein paar Worte mit BMW-Chef Helmut Panke. Nach ein paar Minuten nimmt er mit seinem Gefolge Kurs auf die nächste Ausstellungshalle.

Traditioneller Messerundgang

Der traditionelle Messerundgang Schröders wird zum Fitnesstest für die Reporter, die rennend und schwitzend, schubsend und drängend im Kampf um die besten Plätze beim nächsten Stand ankommen. "Wir machen hier keinen Rundgang, wir machen ein Rundrennen", meint ein nicht mehr ganz junger Fotograf etwas außer Atem.

Schröder genießt den Medientrubel um ihn herum sichtlich und nimmt bereitwillig in den Autos Platz, die ihm die Konzernchefs an den verschiedenen Ständen zuweisen. Der neue Porsche Carrera GT hat es dem Kanzler offensichtlich angetan. "Das wäre ein schöner Dienstwagen", scherzt er. Die Journalisten notieren dankbar "das nette Zitat".

Schröders Pressemannschaft treibt die Reporter immer wieder zur Eile an. "Schnell weiter, folgen Sie dem gelben Schild!". Gehorsam hastet die Menge dem sportlichen jungen Mann hinterher, der behende vorauseilt und das Schild mit der Aufschrift "Presse" hoch hält wie ein japanischer Fremdenführer den Schirm. Ein Journalist fühlt sich offenbar an das Verhalten einer Schafherde erinnert und gibt ein selbstironisches "Määh, määh" von sich.

Warten auf ein "tolles Bild"

Die nächste Station, das nächste Warten auf ein "tolles Bild" oder noch ein aussagekräftiges Zitat. Der Kanzler kommt, der Kanzler geht, immer umschwirrt von Leibwächtern, Kameraleuten und Reportern. "Die können den doch jeden Abend in den Nachrichten sehen, was machen die denn für ein Gedöhns", witzelt ein unbeteiligter IAA-Besucher beim Anblick des Pulks. Am Stand des Autozulieferers Kirchhoff gelingt es einer IAA-Besucherin in rotem Kostüm, sich unter die Reporter zu drängen. Sie interessieren weniger die Autos: "Ich will nur mal sehen, ob der Schröder graue Haare hat."

Michael Bauer

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