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Schwarzgeld-Affäre: Der Rechtsanwalt auf der Anklagebank

Wegen seiner Rolle in der Schwarzgeld-Affäre der hessischen CDU muss sich Ex-Bundesinnenminister Manfred Kanther nun vor Gericht verantworten. Er soll 1983 20,8 Millionen Mark Parteivermögen in die Schweiz verschoben haben.

Mehr als vier Jahre nach Bekanntwerden der hessischen CDU-Finanzaffäre beginnt heute vor dem Wiesbadener Landgericht der Prozess gegen den früheren Bundesinnenminister Manfred Kanther. Mitangeklagt sind der frühere CDU-Landesschatzmeister Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein und der ehemalige CDU-Finanzberater Horst Weyrauch.

Hessens Ministerpräsident Koch als Zeuge

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Kanther, der Untreue zum Nachteil der CDU, weil er eingeräumt hatte, als Generalsekretär der Landespartei Anfang der 80-er Jahre mit Helfern rund 20 Millionen Mark aus dem Vermögen des hessischen Landesverbandes heimlich ins Ausland gebracht zu haben. Teils als jüdische Vermächtnisse getarnt wurde das Geld später zurück nach Deutschland geschleust. Woher der Grundstock des Vermögens stammt, ist unklar. Als Zeuge in dem zunächst bis Dezember terminierten Prozess ist auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) geladen, der im Jahr 2000 wegen der Affäre stark unter Druck geraten war.

Das geheime Guthaben hatte fast zwei Jahrzehnte lang Wahlkämpfe und andere Aktivitäten der Partei mitfinanziert. Nach Darstellung der CDU wussten nur Kanther, Weyrauch und Wittgenstein von dem Geld. Erst Anfang 2000 gestand Kanther die Existenz der schwarzen Kasse ein und löste damit einen Skandal aus, der Hessens Ministerpräsident Roland Koch an den Rand des Rücktritts brachte.

Koch leugnete Wissen um Auslandskonten

Koch räumte damals ein, öffentlich die Unwahrheit gesagt zu haben. Von dem Auslandsvermögen der Partei habe er jedoch nichts gewusst. Neben Kanther, der heute als Rechtsanwalt arbeitet, ist auch der frühere Schatzmeister der Hessen-CDU, Casimir Prinz zu Sayn-Wittgenstein, der Untreue angeklagt. Ex-Finanzberater Horst Weyrauch wird der Beihilfe beschuldigt. Untreue wird mit Geldstrafe oder eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet.

Mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht versucht die Bundes-CDU derzeit, eine Strafzahlung von 21 Millionen Euro wegen der Transfers noch abzuwenden.

Reuters / DPA / Reuters