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Sepp Daxenberger erliegt seinem Krebsleiden: "Menschlich, bodenständig, zuverlässig, kämpferisch"

Die bayerischen Grünen trauern um eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten. Sepp Daxenberger, der erste grüne Bürgermeister in Bayern, ist in der Nacht zum Mittwoch seinem Krebsleiden erlegen.

Die bayerischen Grünen haben ihr bekanntestes Gesicht verloren. Sepp Daxenberger ist seinem langjährigen Krebsleiden erlegen. Der 48-Jährige starb in der Nacht zum Mittwoch im Krankenhaus in Traunstein, wie die Landtagsfraktion der Partei bestätigte. Nur drei Tage davor war die Frau des ehemaligen Spitzenkandidaten, Partei- und Fraktionschefs der Grünen in Bayern an Brustkrebs gestorben. Die 49-Jährige sollte am Mittwoch beerdigt werden. Das Paar hinterlässt drei teils minderjährige Söhne.

Daxenberger war seit Jahren an einem Plasmozytom erkrankt, einer Mischung aus Blut- und Knochenkrebs. Eine Therapie im Winter hatte bei ihm schlechter als erhofft angeschlagen. Im Juni hatte er deswegen den Fraktionsvorsitz im Landtag aufgegeben. Damals hatte er aber noch die Hoffnung geäußert, wieder zusätzliche Ämter zu übernehmen, wenn es ihm besser ginge.

Mit Daxenberger verlieren die bayerischen Grünen eine ihrer prägendsten Figuren. Der bärtige Biobauer und gelernte Schmied aus Waging am See (Oberbayern) stand wie kein anderer dafür, dass die Grünen in Bayern nicht nur in den Großstädten, sondern auch auf dem Land erfolgreich sein können.

Seine bodenständige Art, seine tiefe Verwurzelung und Heimatverbundenheit, sein Dialekt, den er nie verleugnete, machten Daxenberger beliebt und glaubwürdig. "Da hilft kein Programm, wenn Du ein Ekel bist", hatte es der Pragmatiker einmal auf den Punkt gebracht. So punktete er auch in Bierzelten und auf den Dörfern - dort wo jahrzehntelang die CSU "Lufthoheit" innegehabt hatte.

Erster Grüner Bürgermeister Bayerns

1996 gelang Daxenberger so eine Premiere: In seiner Heimatgemeinde wurde er zum ersten grünen Bürgermeister in Bayern gewählt. Auch in der Landespolitik war der bodenständige Daxenberger erfolgreich. Mit ihm als Spitzenkandidat erreichten die Grünen bei der Landtagswahl 2008 in Bayern ein Rekordergebnis von 9,4 Prozent.

Er habe "bewiesen, dass konservativ und weltoffen keine Gegensätze sind", heißt es bei den Grünen über Daxenberger. Mit seiner Partei war er dabei nicht immer im völligen Einklang. So hatte der bekennende Christ sich nie für die Forderung der Parteibasis erwärmen können, Kruzifixe aus den Klassenzimmer zu entfernen. Wenn es aber um Gentechnik und Atomenergie ging, war Daxenberger ein Grüner, wie er im Buche steht, und nahm in den Debatten mit der CSU nie ein Blatt vor den Mund.

Seine eigene Partei würdigte Daxenberger am Mittwoch als "nimmermüden Kämpfer für den Erhalt der Schöpfung und als Streiter für Demokratie". Er sei ein Mensch mit starkem Charakter gewesen, "der sich bis zum Schluss nicht hat unterkriegen lassen und dabei nie seinen Humor und Optimismus verloren hat".

Respekt und Anerkennung auch vom politischen Gegner

Doch auch politische Gegner zollten Daxenberger großen Respekt. "Sepp Daxenberger war eine Persönlichkeit, wie sie typischer für unser Land nicht sein könnte. Selbstbewusst, kantig, willensstark und dabei erfüllt von einer tiefen Liebe zu seiner oberbayerischen Heimat", schrieb Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer. Er habe Daxenberger geschätzt und gemocht, Bayern verliere einen Politiker aus innerster Überzeugung und tiefster Leidenschaft.

Für andere stand die Tragödie der Familie Daxenberger im Mittelpunkt: "Nach dem Tod seiner Frau vor drei Tagen hat der Sepp offenbar keine Kraft mehr gehabt, um gegen seine tückische Krankheit zu kämpfen", schrieb der bayerische SPD-Fraktionsvorsitzende Markus Rinderspacher. "Wir trauern um einen menschlichen, bodenständigen, zuverlässigen und kämpferischen Kollegen."

Christof Rührmair, APN / APN