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SPD-Chef im stern-Interview: Gabriel will kürzertreten - wegen Marie

Papas neue Politik: SPD-Chef Gabriel will zugunsten von Töchterchen Marie künftig auf 16-Stunden-Arbeitstage verzichten. "Zeitpolitik" sei die neue Sozialpolitik, sagte Gabriel dem stern.

Von Andreas Hoidn-Borchers und Axel Vornbäumen

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat angekündigt, nach der Rückkehr aus seiner Babypause sein Leben nicht mehr komplett der Politik unterzuordnen. "Ich werde nicht mehr 12 bis 16 Stunden am Tag verfügbar und unterwegs sein. Das wird nicht mehr gehen". Sagte Gabriel, der im April Vater eines Mädchens geworden ist, in einem Interview mit dem stern. Als Vater könne er "natürlich nicht mehr jede Veranstaltung mit machen, das wird nicht jeder verstehen". Er könne allerdings einiges auch von zu Hause erledigen.

In diesem Zusammenhang wies Gabriel Kritik an seiner Medienpräsenz während seiner als Auszeit von der Politik angekündigten Babypause zurück. "Man kann Interviews auch am Telefon führen. Und Papiere am Computer schreiben, wenn das Kind schläft", sagte Gabriel dem stern. "Wohl nur die wenigsten Eltern sitzen monatelang am Kinderbett und warten darauf, dass ihr Baby wach wird. Nachdenken übrigens ist auch mit Kindern durchaus üblich und auch nicht verboten."

Sozialpolitik als Zeitpolitik

Der SPD-Chef sieht es als "eine der ganz großen Aufgaben dieses Jahrzehnts" an, "Arbeit und Leben wieder mehr zu verschränken" und Lebensarbeitszeitmodelle zu entwickeln, die es Arbeitnehmern ermöglichen ohne Einkommensverluste in bestimmten Lebensabschnitten weniger zu arbeiten. Man müsse sich von der Vorstellung verabschieden, "dass die wöchentliche Arbeitszeit in jeder Lebensphase gleichbleibt und immer nur um höheren Lohn gekämpft wird. Eigentlich ist es ein Kampf um Leben, um Zeit. Zeit ist für viele Menschen eine neue Währung", so Gabriel zum stern. Moderne Sozialpolitik sei deshalb auch Zeitpolitik.

Gabriel warnte im stern vor der Debatte um ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone. Wer hoffe, dass danach alles leichter werde täusche sich. "Das würde den Euro nicht dauerhaft stabilisieren. Und das Land würde auch außerhalb der Euro-Zone ohne Hilfe im Elend verkommen. Das wird niemand zulassen wollen."

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