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Studiengebühren: "Kein Talent darf verloren gehen"

In der Debatte um Studiengebühren haben die Arbeitgeber ein neues Finanzierungsmodell vorgestellt. Statt Kindergeld und Bafög soll jeder Student 15.000 Euro vom Staat erhalten.

Zur sozialen Absicherung von Studiengebühren soll der Staat ein Ausbildungsbudget in Höhe von 15.000 Euro für jeden Studenten finanzieren. Dies sieht ein Vorschlag der Arbeitgeber vor, der jetzt präsentiert wurde. Es soll Kindergeld, Bafög und Ausbildungsfreibetrag ersetzen und so kostenneutral sein.

Darlehen und Bürgschaften sollen das Budget ergänzen

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte, dieses Budget solle allen Studenten zur Verfügung stehen und nicht zurück gezahlt werden. Es solle ergänzt werden durch Darlehen bis zu 35.600 Euro, die durch staatliche Bürgschaften zu niedrigen Zinsen angeboten werden sollten, etwa von der staatlichen Bank KFW und Geschäftsbanken. Durch beide Instrumente könnten Gebühren von maximal 1250 Euro pro Semester bei Bachelor-Studiengängen (Master: 1500) sozial abgesichert werden, die der Verband als künftiges Regelstudium sieht. Die Gebühren sollen aus einem Grundbetrag von 500 Euro und einer Komponente bestehen, die von den Leistungen des jeweiligen Fachbereichs abhängen soll.

Hundt sagte, das Studium werde durch die Studiengebühren nach internationalen Erfahrungen verkürzt und damit billiger, da effizienter studiert werde. Als Regelfall solle man von dreijährigen Bachelor-Studiengängen ausgehen. Wenn ein Student zum Budget ein Darlehen von 15.000 Euro aufnehme, habe er monatlich mit rund 834 Euro mehr Geld als beim heutigen Bafög-Höchstsatz plus Kindergeld. Durch Budget und Darlehen könnten Lebensunterhalt und Gebühren ohne soziale Benachteiligung Einkommensschwacher finanziert werden. "Kein Talent darf für ein Studium verloren gehen", sagte Hundt.

Hundt schlug die KFW als Kreditgeber vor, die ohne besondere Risikoprüfung vergeben werden und eine bis zu zehnjährige Tilgungsfrist haben sollten. Auch Angebote von Geschäftsbanken sollten möglich sein, die anders als die KFW aber noch keine Konzepte vorgelegt hätten. Die KFW will Studenten möglichst bald Kredite von bis zu 650 Euro pro Monat anbieten.

Keine sinnvollen Vorschläge

Hundt warf Koalition und Union vor, nach dem Gebühren-Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Januar keine sinnvollen Vorschläge zu haben. Es müsse gesichert sein, dass die Gebühren den Hochschulen zugute kämen und nicht der Sanierung von Länderetats.

Zuvor hatte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag ein Modell für Studiengebühren vorgelegt, die von den Hochschulen selbst erhoben werden sollten, nicht von den Ländern. Es sieht keine Mindest- oder Höchstsätze und keine soziale Staffelung vor. Die Gebühren sollten durch eigene Mittel der Studenten oder ihrer Eltern, durch Darlehen öffentlicher und privater Banken und durch Stipendien finanziert werden.

Reuters / Reuters
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