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Stuttgart 21 Kaum noch Protest gegen Bahnhofsprojekt

Stell' Dir vor, es ist "Stuttgart 21" - und keiner geht hin: Bei Wiederaufnahme der Bauarbeiten am umstrittenen Bahnprojekt beteiligten sich nur noch circa 50 Demonstranten am Protest. Den erneuten Baubeginn konnte ihre Sitzblockade nur um Stunden verzögern.

Begleitet von Protesten sind am Montag die Bauarbeiten für das umstrittene Bahnprojekt "Stuttgart 21" fortgesetzt worden. Wie das Kommunikationsbüro Bahnprojekt Stuttgart-Ulm mitteilte, begann der Energieversorger EnBW mit der Einrichtung einer Baustelle für eine Starkstromtrasse am Nordflügel der Stuttgarter Hauptbahnhofs. Zunächst wurden Baumaschinen angefahren und Leitungen markiert, wie ein Sprecher des Kommunikationsbüros sagte. Zuvor hatten Gegner des Bahnprojekts die Baustelle mit einer Sitzblockade für mehrere Stunden lahmgelegt.

Den Angaben zufolge soll in dem Bereich eine 220 Meter lange Starkstrom-Kabeltrasse verlegt und damit Platz für das später in diesem Bereich entstehende Technikgebäude geschaffen werden. Eine Sprecherin des Bahnprojekts betonte, dass für diesen Teil der Bauarbeiten keine Baumfällungen oder -verpflanzungen notwendig seien. Mit der Sitzblockade verhinderten die Demonstranten, dass Transportfahrzeuge in das abgesperrte Baustellengelände einfahren konnten. Die friedlich verlaufende Blockade begann nach Angaben der Aktivisten schon gegen 5 Uhr morgens unter dem Motto "Baustopp selber machen".

Am Mittag begann die Polizei damit, die Sitzblockade aufzulösen. An der Protestaktion beteiligten sich nach Polizeiangaben rund 50 Personen. Gegen 14 von ihnen wurde eine Anzeige wegen Nötigung gestellt. Zu der Protestaktion hatten die selbst ernannten "Parkschützer" aufgerufen. Diese kündigten für Dienstag weitere Aktionen an. Dann sollen nach Angaben des Kommunikationsbüros voraussichtlich die eigentlichen Tiefbauarbeiten beginnen.

Volksentscheid über das umstrittene Projekt gefordert

Kritik an der Wiederaufnahme der Bauarbeiten kam auch von den Grünen. Es könne nicht sein, dass bei der Bahn einerseits Verspätungen und Zugausfälle zur Regel würden, und sie andererseits "Stuttgart 21" um jeden Preis durchziehen wolle, sagte der Grünen-Landesvorsitzende Chris Kühn und forderte das Unternehmen auf, bis zum Ende des bei der Vermittlung vereinbarten Stresstests nicht weiterzubauen. Bis zur Überprüfung der Leistungsfähigkeit von "Stuttgart 21" sei völlig unklar, wie viele Zusatzgleise und andere Nachbesserungen nötig seien und welche Mehrkosten dadurch entstünden, betonte der Grüne-Landespolitiker. Deshalb bekräftigte er seine Forderung nach einer Fortsetzung des Bau- und Vergabestopps sowie eines Volksentscheids über das umstrittene Projekt.

Der Stuttgarter Stadtrat und "Stuttgart 21"-Schlichtungsteilnehmer Hannes Rockenbauch (SÖS) schloss sich der Forderung der Grünen nach einem Baustopp an. "Uns ist wichtig, dass bis zum Abschluss des Stresstests die Bahn keine weiteren Fakten schafft", sagte er. Am Abend wollten erneut mehrere Tausend Projektgegner gegen das umstrittene Bauvorhaben protestieren. Als Redner wurden die BUND-Landesvorsitzende und Schlichtungsteilnehmerin Brigitte Dahlbender und der Regisseur Volker Lösch erwartet.

ins/DPA DPA

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