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Hans-Martin Tillack Wulff und die Wahrheit


Bundespräsidenten sagen nicht immer die Wahrheit – das wissen wir spätestens seit Christian Wulff.

Die „Bild am Sonntag“ berichtet heute noch einmal im Detail, wie der damalige Bundespräsident Christian Wulff im Februar 2011 versuchte, den stern in die Irre zu führen. Es ging um einen privaten Hauskredit für sein Wohnhaus in Burgwedel bei Hannover. Seit Frühjahr 2009 war der stern Hinweisen auf einen angeblich privaten Geldgeber für das Haus in Burgwedel nachgegangen. Das dortige Grundbuchamt hatte uns die Einsichtnahme jedoch zunächst verwehrt. Dennoch erfuhren wir, dass im Grundbuch zu der Immobilie keine Grundschuld zu Gunsten eines Kreditgebers eingetragen war. Dies stellte nach Auskunft von Finanzexperten eine mögliche Gefälligkeit des Kreditgebers dar, der so eventuell schlechter abgesichert war, als durch einen ordnungsgemäßen Eintrag in das Grundbuch.

Darum richtete ich am 16. Februar 2011 fünf Fragen an das Präsidialamt und fragte auch nach der Identität des Kreditgebers. Im ersten Antwortentwurf des Präsidialamtes hieß es darauf laut „BamS“ noch knapp, Kreditgeber sei die baden-württembergische BW-Bank – was zu dem Zeitpunkt stimmte. Wulff habe dann jedoch, so die Zeitung, handschriftlich mit grüner Tinte den Text korrigiert und geschrieben: „Die BW-Bank war und ist der Kreditgeber.“

Bereits im Februar 2011 wollte ich dies bei der BW-Bank in Stuttgart verifizieren – und scheinbar großzügig entband Wulff die Bank darauf damals in dieser Sache vom Bankgeheimnis.

Tatsächlich war seine Antwort eindeutig irreführend, denn die BW-Bank hatte die Hausfinanzierung erst im März 2010 übernommen. Zuvor gab es eine andere Darlehensgeberin – die in der Schweiz lebende Unternehmergattin Edith Geerkens. Nach erneuten Recherchen im Herbst 2011 erfuhr ich dies auf eine weitere Anfrage an das Präsidialamt am 7. Dezember 2011 – von Wulffs damaligen Sprecher Olaf Glaeseker, der nun den Darlehensvertrag mit Edith Geerkens offenlegte.

Um es ganz klar zu sagen: Ich hatte der ursprünglichen Version des Präsidenten geglaubt. Ich kannte Wulff seit Anfang 1994; dass er zu einem solch plumpen Verschleierungsmanöver greifen würde, hätte ich nicht gedacht. Umso mehr war uns im Dezember 2011 klar, dass dieser Hauskredit weitere Nachfragen erforderte – was sich dann auch rasch bestätigte. Denn auch die Konditionen des Geerkens-Darlehens waren für damalige Verhältnisse ungewöhnlich günstig.

Am 13. Dezember veröffentlichten wir – fast zeitgleich mit der „Bild“-Zeitung - unseren ersten Bericht über den „Kredit des Präsidenten“ auf stern.de. Es war der Beginn einer zweimonatigen Marathonrecherche über Christian Wulff und seine diversen reichen Gönner, von Egon Geerkens bis Manfred Schmidt.

Wulff beschwerte sich damals mehrfach über ein angebliches „Netzwerk“ von ihn verfolgenden Reportern. Tatsächlich gehört genau das zu unserem Job: misstrauisch zu werden, wenn Politiker Fakten verschleiern wollen.

Hier der volle Text der Antwort des Präsidialamtes vom 17. Februar 2011, unterzeichnet von Olaf Glaeseker:

„Sehr geehrter Herr Tillack,

gerne beantworte ich Ihre Fragen.

1. Wer war der Kreditgeber für das Wohnhaus in Burgwedel?

Antwort: Die BW-Bank, Kleiner Schlossplatz 11, 70173 Stuttgart, war und ist der Kreditgeber.

2. Wie hoch war der Kredit, den der Kreditgeber gewährte?

Antwort: 500.000 €

3. Warum war der Kreditgeber bereit, auf den Eintrag ins Grundbuch und die damit verbundenen Vorteile zu verzichten?

Antwort: Der Grundschuldbrief nebst der notariell beurkundeten Abtretungserklärung mit der Ermächtigung, jederzeit eine Eintragung zu vollziehen, kommt einer Eintragung gleich. Die Stellung der Bank als Gläubigerin ist nicht besser oder schlechter als mit der Eintragung.

4. Wie bewertet Herr Wulff den Vorteil, den er aus diesem Nichteintrag des Kreditgebers im Grundbuch zog?

Antwort: Die Schuldner haben keinen Vorteil.

5. Wie steht Herr Wulff zu dem möglichen Vorwurf, er habe die Identität des Kreditgebers verschleiern wollen?

Antwort: Es besteht keine Veröffentlichungspflicht für Privatkredite. Auf Anfragen wurde der Kreditgeber genannt.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

Olaf Glaeseker“

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