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Besuch in Saudi-Arabien: Ursula von der Leyen: "Ich setze mir kein Kopftuch auf"

Zum ersten Mal besuchte Ursula von der Leyen Saudi-Arabien. In dem Königreich, in dem die Verschleierung der Frau vorgeschrieben ist, bleibt sich die Verteidigungsministerin treu und behielt ihren Hosenanzug an. Ein Luxus, den sich nicht viele leisten können.

Ursula von der Leyen spricht in Riad (Saudi-Arabien) mit jungen Unternehmerinnen und Unternehmern

Ursula von der Leyen spricht in Riad (Saudi-Arabien) mit jungen Unternehmerinnen und Unternehmern

"Vision 2030" heißt das Reformprogramm, das eine gesellschaftliche Modernisierung in Saudi-Arabien einleiten soll. Wie genau das aussehen soll, durfte sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen während eines zweitägigen Besuchs vorführen lassen. Der stellvertretende saudische Kronprinz Mohammed bin Salman al Saud, der auch das Amt des Verteidigungsministers bekleidet, gab sich die größte Mühe, sein Königreich im Licht eines progressiven Landes erscheinen zu lassen.

Junge Unternehmerinnen wurden von der Leyen vorgeführt. Von der wachsenden Chancengleichheit für Frauen schwärmten sie ihr vor. Doch das, was der deutschen Verteidigungsministerin demonstrativ vorgeführt wird, entspricht nur wenig der Realität hinter den glitzernden Fassaden.

"Keine Frau in meiner Delegation muss die Abaya tragen" 

Wie wenig, durfte von der Leyen gleich nach der Ankunft ihrer Delegation erfahren. An die Journalistinnen, Dolmetscherinnen und Mitarbeiterinnen, die sie begleiteten, wurden Abayas verteilt: bodenlange, schwarze Gewänder. 

Doch die Ministerin behielt ihren Hosenanzug an und schütze auch ihre Begleiterinnen vor der Verschleierung: "Keine Frau in meiner Delegation muss die Abaya tragen. Seine Kleidung selbst wählen zu können, ist ein Recht, das Männern wie Frauen gleichermaßen zusteht", sagte sie der "Bild am Sonntag". "Es ärgert mich, wenn mitreisende Frauen in die Abaya gedrängt werden sollen."

Was Ursula von der Leyen darf, dürfen andere noch lange nicht

Natürlich respektiere sie die Sitten und Gebräuche eines Landes. "Aus Respekt vor der Kultur bemühe ich mich, solche Regeln einzuhalten. Bei der Kleidung gibt es aber für mich Grenzen, wie ich mich dem Land anpasse. Ich setze mir kein Kopftuch auf und trage Hosen", so von der Leyen.

So viel Freiheit wie die westliche Spitzenpolitikerin haben einheimische Frauen nicht. In der Öffentlichkeit müssen sie sich verschleiern. Artikel 1, 23 und 45 schreibt das Verhüllen des ganzen Körpers vor, Gesicht und Hände ausgenommen. Auch in allen anderen Lebensbereichen ist die Freiheit der Frauen in Saudi-Arabien äußerst eingeschränkt. 

Der Besuch von der Leyens in Saudi-Arabien ist nicht nur wegen der Missachtung von Frauenrechten im Land umstritten. Die militärische Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien, vor allem die Lieferung von Rüstungsgütern an die ultrakonservative Monarchie, wird in Deutschland seit Jahren kritisiert, da es sich um eine Krisenregion handelt und das Kriegsgerät auch gegen Gegner im Inneren eingesetzt werden kann.

ivi