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Verhör-Protokoll: Stasi wusste von RAF-Anschlagsplänen

Die Staatssicherheit der DDR war Anfang der 70er Jahre über Anschlagspläne der RAF im Westen informiert. Einem Magazin-Bericht zufolge hatte die Stasi bei einem Verhör detaillierte Informationen über ein geplantes Attentat auf US-Einrichtungen in Berlin bekommen.

Das DDR-Ministerium für Staatssicherheit war offenbar über bis heute unbekannte Anschlagspläne der Rote-Armee-Fraktion gegen US-Einrichtungen in Westberlin informiert. Das geht nach einem Vorabbericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" aus einem jetzt aufgetauchten Vernehmungsprotokoll der Stasi nach der Festnahme des RAF-Mitglieds Jürgen Bäcker im August 1970 hervor.

Schon wenige Monate nach Gründung der RAF hätten die Terroristen um Andreas Baader und Gudrun Ensslin demnach Anschläge gegen amerikanische Einrichtungen im Westen Berlins verüben wollen. Wie das Magazin schreibt, wurde Bäcker nach seiner Rückkehr aus einem palästinensischen Ausbildungslager auf dem Flughafen Schönefeld festgenommen. Im anschließenden Verhör habe er der Stasi dem Protokoll zufolge offenbart, die RAF wolle "einen Anschlag gegen das Hauptquartier der US-Besatzungstruppen in der Clayallee, und zwar Sprengstoffanschläge gegen dort stationierte Panzer unternehmen".

Zudem gehe aus dem Schriftstück hervor, dass im Büro der US-Fluggesellschaft PanAm ein Brandsatz gelegt werden sollte, da sich dort angeblich ein "getarntes Büro der CIA" befunden habe. Es sei weiter geplant gewesen, sagte Bäcker laut "Spiegel" aus, "die Gruppe auf 50 bis 100 Personen zu verstärken", Polizei und Justiz "zu demoralisieren" und das Volk "durch Schockwirkungen aufzurütteln". Die Westberliner Polizei erfuhr dem Bericht zufolge zwar im Gegensatz zur Stasi nie etwas von den Plänen, konnte aber im Oktober 1970 fünf RAF-Mitglieder festnehmen und die Anschläge so vereiteln.

Nach Informationen des Magazins "Focus" hat das DDR-Ministerium für Staatssicherheit (MfS) die Terrorgruppe in den 80er Jahren über geplante Überwachungsmaßnahmen des westdeutschen Verfassungsschutzes im internationalen Flugverkehr informiert. Auf diese Weise hätten RAF-Mitglieder, von denen sich damals viele in arabische Länder abgesetzt hatten, bei Flugreisen Kontrollen und Razzien ausweichen können.

AP/DPA / AP / DPA