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Veröffentlichung der neuen Pisa-Studie Deutschland vergeudet seine Talente


Die gute Nachricht: Deutsche Schüler haben sich bei der Pisa-Studie verbessert. Alles andere wäre auch inakzeptabel gewesen. Doch eines sollte der Bildungspolitik zu denken geben: der Aufstieg der ostasiatischen Staaten.
Ein Kommentar von Catrin Boldebuck

Die deutschen Schüler sind besser geworden. Zum Glück. Etwas anderes wäre auch völlig inakzeptabel. Denn nachdem der Pisa-Schock vor neun Jahren, ähnlich wie der Sputnik-Schock in den 50er-Jahren, das deutsche Selbstverständnis erschüttert hat, wurden viele Reformen auf den Weg gebracht: Zentrale Bildungsstandards wurden eingeführt, ebenso Schulinspektionen, die Ganztagsschulen werden ausgebaut und sinnlose Klassenwiederholungen abgeschafft.

Heute sind bereits Kindergärten Lernorte - und nicht mehr nur Aufbewahrungsstätten. Immer mehr Lehrer versuchen, starke und schwache Schüler individuell zu fördern. Diese Reformen zeigen nun erste Früchte. Vor allem in Mathematik und in den Naturwissenschaften haben sich die deutschen Schüler verbessert.

Zahl der "Risikoschüler" weiter zu hoch

Doch bei den Kernproblemen - der Lesekompetenz und der sozialen Ungerechtigkeit des heimischen Schulwesens - hat sich in Deutschland noch zu wenig verändert. Im Lesen sind die Deutschen gerade mal Durchschnitt. Die Zahl der so genannten "Risikoschüler" ist dabei mit 18 Prozent immer noch viel zu hoch. Denn Lesen ist der Schlüssel zum Verständnis aller Fächer - auch Mathematik, Physik oder Biologie. Und nach wie vor entscheidet zu oft das Elternhaus über die Bildungschancen von Kindern. In Deutschland werden immer noch zu viele Talente vergeudet.

Deshalb gibt es für die Deutschen keinen Grund, sich nach diesem Zeugnis entspannt zurückzulehnen. Stattdessen braucht es weitere nationale Anstrengungen. Und nicht bildungspolitisches Kleinklein, wie bei den CDU-Kultusministern aus Bayern und Baden-Württemberg, die bereits ihrem Unmut Luft darüber machten, dass die schlechten Stadtstaaten wie Hamburg oder Bremen den Schnitt runterziehen würden. Es muss ein nationales Anliegen sein, dass alle Schüler, egal ob in Bremen, Berlin oder Freiburg, gut lernen können. Doch das wird durch den Föderalismus behindert.

Shanghai ist bis zu zwei Schuljahre weiter

Deutschland ist trotz der Verbesserungen noch längst nicht an der Spitze, der Abstand zum Pisa-Primus Shanghai beträgt bei den Naturwissenschaften 55 Punkte. Das heißt, die 15-jährigen Chinesen sind den deutschen Schülern bei Physik, Chemie, Biologie um fast anderthalb Schuljahre voraus. Bei Mathe beträgt der Abstand sogar zwei Jahre. Und das sollte den deutschen Bildungspolitikern in einer globalisierten Welt zu denken geben: der Aufstieg der ostasiatischen Staaten bei Pisa.


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