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Ergebnisse der Pisa-Studie: Im Lesen nur eine Drei

Deutschlands Schüler sind nur Mittelmaß - das ist die schlechte Nachricht der neuen Pisa-Studie. Die gute: Die Ergebnisse im Lesen und in Mathematik haben sich verbessert. Doch bis zum einsamen Spitzenreiter Shanghai ist es noch ein langer Weg.

Deutschlands Schüler haben sich beim Lesen verbessert: Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) erhöhte sich die Lesekompetenz seit dem Jahr 2000 von 484 auf 497 Punkte. Damit lagen die deutschen Schüler im OECD-Mittelfeld. Spitzenreiter waren Südkorea (539 Punkte) und Finnland (536 Punkte). 40 Punkte der Pisa-Skala entsprechen in etwa dem Lernfortschritt von einem Schuljahr.

Der aktuelle OECD-Schnitt beträgt beim Lesen 493 Punkte. Werden auch einzelne Regionen betrachtet, schneidet Shanghai (556 Punkte) klar am besten ab. Ähnliche Leseleistungen wie Deutschland verzeichneten die USA, Schweden, Frankreich und Großbritannien.

Leistungszuwachs nimmt ab

Die Zahl der 15-jährigen "Risikoschüler", die beim Eintritt ins Berufsleben nur auf Grundschulniveau Texte verstehen können, ist in der Bundesrepublik allerdings in den vergangenen zehn Jahren von 22,6 Prozent auf 18,5 Prozent eines Jahrganges zurückgegangen, was von der OECD als positiv bewertet wird.

Ins Auge springt, dass die Steigerung der Leseleistung vor allem in den ersten drei Jahren nach dem deutschen Pisa-Schock erzielt wurde. Zwischen dem vorletzten Test 2006 und der jetzt vorgestellten Untersuchung aus 2009 beträgt der Leistungszuwachs nur zwei Punkte, was statistisch als unbedeutsam gilt. In den Bundesländern gibt es inzwischen 17 Programme zur Leseförderung.

In Mathematik und Naturwissenschaften, die bei der aktuellen Pisa-Studie weniger umfangreich getestet wurden, schneiden deutsche Schüler wie bereits in vorherigen Untersuchungen gut ab. In beiden Fächern zählt Deutschland zu den Ländern mit Leistungen über dem OECD-Durchschnitt. In Mathematik verbesserten sich die Schüler nochmals. In den Naturwissenschaften waren keine statistisch signifikanten Fortschritte messbar.

Leistungsdefizite von Migrationsschülern

International lagen jeweils asiatische Länder und Regionen vorne. Spitzenreiter in Mathematik waren Shanghai, Singapur und Hongkong, danach folgten Südkorea, Taiwan und als bestes europäisches Land Finnland. In den Naturwissenschaften bildeten Shanghai, Finnland und Hongkong das Spitzentrio. Auf den weiteren Plätzen folgten Singapur, Japan und Südkorea.

In Deutschland besteht insgesamt nach wie vor ein Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Schulerfolg. Kritik übte die OECD vor allem an dem starken Einfluss des Schulumfelds. "In keinem anderen Land hat ein sozial ungünstiges Schulumfeld einen derart starken Einfluss auf die Leistungen von Kindern aus sozial schwachen Familien", erklärte die Organisation. Die Leistungsdefizite von Schülern mit Migrationshintergrund konnten der Studie zufolge verringert werden, sind aber weiterhin vorhanden.

Situation für Migrantenkinder hat sich verbessert

Für Migrantenkinder hat sich die Schulsituation verbessert. Doch noch immer schneiden Schüler aus Familien, deren Eltern nicht in Deutschland geboren wurden, im Schnitt um 56 Pisa-Punkte schlechter ab als gleichaltrige Einheimische. 2000 betrug dieser Abstand allerdings noch 84 Pisa-Punkte, also mehr als zwei Schuljahre.

Die Veröffentlichung der ersten Pisa-Studie im Jahr 2001 hatte wegen des mittelmäßigen Abschneidens deutscher Schüler den sogenannten Pisa-Schock ausgelöst. Seither wurden zahlreiche Reformen angestoßen. Die internationalen Pisa-Tests finden alle drei Jahre statt. An der jüngsten Untersuchung nahmen 65 Länder teil. Es wurden eine halbe Million Schüler im Alter von 15 Jahren getestet.

nik/DAPD/DPA/AFP / DPA