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Vorwürfe gegen Merkel: Kanzler-TV statt fairem Duell - Ex-ZDF-Chefredakteur Brender spricht von Erpressung

Hinter den Kulissen soll das Kanzleramt die Bedingungen für das TV-Duell von Angela Merkel mit Martin Schulz festgelegt haben. Gedroht wurde mit einer Absage der Kanzlerin. Ex-ZDF-Chefredakteur Brender nennt das Vorgehen Erpressung und sittenwidrig.

Die Wiederwahl von Brender als Chefredakteur des ZDF war 2009 an der Union gescheitert.

Die Wiederwahl von Brender als Chefredakteur des ZDF war 2009 an der Union gescheitert.

Im TV-Duell treten sich die Kandidaten in offener Arena gegenüber. In dem Schlagabtausch zeigen sie ihre Positionen. Ein faires Spiel: Wer glaubwürdiger rüberkommt und wer die besseren Argumente hat, wird gewinnen. Die Journalisten sieht man eher als Schiedsrichter an. Sie sorgen dafür, dass es nicht allzu hitzig wird und alle wichtigen Inhalte angesprochen werden.

Spielregeln zugunsten der Kanzlerin

So lautet in etwa die Theorie eines TV-Duells der aussichtsreichsten Kandidaten im Wahlkampf. In Wirklichkeit geht es offenbar ganz anders zu. Schon vor der Veranstaltung wurde die Choreografie im Hintergrund festgelegt. Im "Spiegel" erhebt der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender in diesem Zusammenhang massive Vorwürfe gegen Angela Merkel. Anstatt eines fairen Duells soll den Zuschauer am 3. September ein maßgeschneidertes Kanzlerinnen-Format erwarten.

"Die Einigung ist unter Erpressung durch das Kanzleramt zustande gekommen", sagte Brender dem "Spiegel" und legt nach: "Solche Vereinbarungen nennt man sittenwidrig."

Wird die Choreografie der Sendung durch solche Vereinbarungen mit der Amtsinhaberin und ihren Vertrauten beeinflusst, wird der Herausforderer benachteiligt. "Das Kanzleramt verlangt ein Korsett für die Kanzlerin, in dem sie sich nicht bewegen muss. Und zugleich eines für Schulz, in dem er sich nicht bewegen darf", erklärt Brender: "Als Fernsehformat ist das eine Missgeburt." Für Merkel und ihren Wahlkampf "im Schlafmodus" aber das richtige Rezept. Der Hebel der Kanzlerin: Als es zum Streit um das Format kam, hatten ihre Vertrauten durchblicken lassen, dass Merkel gar nicht erscheinen würde, wenn ihre Wünsche missachtet werden.

Muss Wahlkämpfer Angela Merkel fair sein?

Als Wahlkämpferin ist Angela Merkel zunächst Partei-Politikerin und nicht Kanzlerin. Für eine Kandidatin ist es verständlich, den Wahlkampf auf Auftritte zu fokussieren, die erfolgversprechend sind. Doch politisch ist diese Form von Erpressung bedenklich, wird so doch die freie Debatte eingeschränkt. Nebenbei illustriert Angela Merkel das ungleiche Kräfteverhältnis in diesem Wahlkampf.

Schulz lässt sich nicht einschüchtern

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz gibt sich dennoch angriffslustig. "Frau Merkel hat ja versucht, die Bedingungen für das Duell zu diktieren", sagte Schulz der "Rheinischen Post". Das zeige schon, dass sie sich vor der direkten Auseinandersetzung scheue. "Kein Wunder, wenn man nie Position bezieht."  Schulz will sich davon nicht einschüchtern lassen und kündigte eine harte Auseinandersetzung mit der Kanzlerin an. In der Zeitung gab er den Ton vor:  "Die Alternativen sind klar: mit Frau Merkels Nichtstun sinkende Renten und steigende Beiträge, mit mir als Bundeskanzler stabiles Rentenniveau und stabile Beiträge; Angela Merkel und 30 Milliarden für Rüstung oder Martin Schulz und 30 Milliarden für Schulen, Kitas, Pflege und schnelles Internet auch auf dem Land."

Kra