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Wegen Merkel: Ex-Ministerpräsident verlässt CDU

Ihr Umgang mit Parteifreunden war ihm genauso zuwider wie ihre "Demütigung" des Papstes: Sachsen-Anhalts früherer Ministerpräsident Werner Münch fand seine Parteivorsitzende Angela Merkel zuletzt so unerträglich, dass er aus der CDU austrat.

Sachsen-Anhalts früherer Ministerpräsident Werner Münch ist aus der CDU ausgetreten. Für seinen Schritt nach 37 Jahren Mitgliedschaft machte er am Mittwoch maßgeblich das Agieren der Parteivorsitzenden, Bundeskanzlerin Angela Merkel, verantwortlich. Der 68-Jährige warf ihr Populismus vor und bestätigte damit Informationen der "Magdeburger Volksstimme". Der Niedersachse Münch war 1991 Regierungschef in Sachsen-Anhalt geworden und 1993 nach einer Gehälteraffäre zurückgetreten.

Grund für seinen Parteiaustritt seien "die Profillosigkeit der CDU in der Bundespolitik" sowie "das Lavieren der Vorsitzenden in wichtigen Politikfeldern zur Befriedigung des Koalitionspartners", sagte Münch. Merkel missachte die Beschlüsse des Leipziger CDU-Parteitages und schade damit ihrer Partei.

Den "internen und öffentlich zelebrierten" Umgang der Kanzlerin mit Parteifreunden nannte Münch "unerträglich". Merkel sei nur "an der Stabilisierung ihrer eigenen Machtposition" interessiert. Als Beispiele nannte Münch Merkels Umgang mit Altkanzler Helmut Kohl oder ihrem innerparteilichen Widersacher Friedrich Merz. Auch ihr Agieren vor rund zwei Wochen beim Rücktritt von Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) oder ihren Umgang mit Baden-Württembergs Regierungschef Günther Oettinger (CDU) sowie mit dem Heidelberger Professor Paul Kirchhof, der für die CDU 2005 in den Wahlkampf gezogen war, kritisierte er.

"Das Fass zum Überlaufen gebracht hat die Art und Weise, wie die Parteivorsitzende das Oberhaupt unserer katholischen Kirche, Papst Benedikt XVI., öffentlich diskreditiert und gedemütigt hat, obwohl es dafür keine Veranlassung gab", sagte Münch. Merkel habe Grundregeln der Diplomatie und des persönlichen Anstands "in großer Weise verletzt", als sie in der Debatte um den Holocaust-Leugner Richard Williamson den Papst ermahnte.

DPA / DPA
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