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Wolfgang Herles über Atomkraft: "Wir sind panischer als die Japaner"

Bei "Anne Will" ist er als Atom-Hardliner in Erscheinung getreten. Im stern.de-Interview erklärt der Kulturjournalist Wolfgang Herles, warum er es für moralisch hält, bei der Kernenergie mitzumachen.

Bei "Anne Will" sind Sie als energischer Atomkraft-Befürworter in Erscheinung getreten. Warum, Herr Herles?
Ich bin kein Atomkraft-Befürworter. Man muss aber bei jeder Technologie - ob das Gentechnik, Flugzeuge, Autos oder Kernenergie ist - sehen, dass es Risiken gibt, aber auch Vorteile. Die muss man abwägen. Es kann ja sein, dass man jetzt zu der Abwägung kommt, Kernenergie ist uns zu gefährlich, wir verzichten drauf. Man darf aber nicht die Technologie als solche verteufeln. Die friedliche Nutzung von Kernenergie ist nicht verteufelnswert. Es ist eine sinnvolle Brückentechnologie, die man einige Jahrzehnte lang gebraucht hat und braucht, um wegzukommen von Energieformen, die kein bisschen weniger gefährlich sind. Wenn man jahrelang über den Klimaschutz redet und wie wichtig es ist, dass man ohne CO2 auskommt, dann muss ich doch das Gesamtbild im Auge behalten und nicht in Panik verfallen aufgrund eines einzelnen Ereignisses. Wir Deutschen reagieren panischer als die Japaner.

Beeinflusst das Reaktorunglück in Japan nicht Ihre Bewertung der Kernenergie?


Aus jedem Unfall, aus allem, was schief geht, lernt man. Es ist aber die billigste Methode zu sagen, wir schalten einfach ab. Um den Rest kümmern sich die anderen. Die Chinesen sollen in den nächsten Jahren 50 Atomkraftwerke mehr kriegen, aber wir haben abgeschaltet und deshalb ein gutes Gewissen. Viel moralischer wäre es zu sagen, wir machen mit bei dieser gefährlichen Geschichte und weil wir mitmachen, können wir auch technisch mitmachen und Verbesserungen entwickeln. Das wäre verantwortungsvoll für ein Industrieland. Aber einfach zu sagen, wir sind die deutschen Romantiker, ist mir zu wenig.

Welche Reaktionen haben Sie auf Ihren Auftritt bei "Anne Will" erhalten?


Die Reaktionen waren zu 90 Prozent negativ. Aber natürlich haben mir auch Leute gratuliert. Auch Mitglieder der Bundesregierung, um es mal ganz deutlich zu sagen.

Haben Sie Verständnis für die Ängste vieler Deutscher, die einen schnellstmöglichen Ausstieg aus der Kernenergie fordern?


Für Leute, die Angst haben, muss man Verständnis haben. Aber ich kann doch nicht meine Fortschrittsskepsis zum Maßstab machen. Meine Besorgnis ist, dass wir in Deutschland gar nichts mehr hinkriegen. Dass wir in einer generellen Angststarre jede neue Technologie ablehnen, wie die Gentechnik. Meine Besorgnis ist die generelle Fortschrittfeindlichkeit. Es ist doch alles gefährlich: Gentechnik, das Internet - all das ist genauso gefährlich für die Gesellschaft. Wenn ich auf alle Gefahren der Technologien so reagiere wie auf die Kernenergie, dann kann ich dichtmachen. Wir müssen eine Risikokultur entwickeln, wie es der Soziologe Ulrich Beck gefordert hat, indem wir Risiken abwägen. Ich kann die Risiken nicht durch Abschalten bewältigen.

War es richtig, dass die Regierung ein dreimonatiges Moratorium verhängt hat?
Ich fand, dass die Bundeskanzlerin richtig reagiert hat, indem sie sagt, wir werden jetzt aufgrund der neuen Erkenntnisse noch einmal alles überprüfen. In dieser Kombination: Erdbeben in dieser Stärke, plus Tsunami, plus enorme Bevölkerungsdichte, ist die Situation in Japan mit der Lage bei uns nicht vergleichbar. Trotzdem muss man aus Japan lernen. Lernen heißt aber nicht, in Panik zu verfallen und alles abzuschalten. Aber das hat Frau Merkel auch nicht gefordert. Man darf jetzt nicht das Geschäft der Kernkraftgegner betreiben und sagen: Die Welt hat sich verändert und heute ist alles anders als vorher.

Angela Merkel selbst hat dieses Pathos verwendet.


Das stimmt. Ich bin ja auch gegen dieses Pathos. Ansonsten hat sie aber vernünftig reagiert.

Findet in den deutschen Medien eine offene Debatte über Kernenergie statt?


Vorher war es möglich, seit Freitag werden Sie Tsunami-mäßig weggeputzt, wenn Sie eine andere Meinung vertreten. Es ist im Moment schon schwer, abweichende Meinungen hörbar zu machen.

Interview: Carsten Heidböhmer
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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(