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Krach in der großen Koalition: "Ehe für alle": Merkel nennt Streit "traurig" und "völlig unnötig"

Und plötzlich geht alles ganz schnell. Am Freitag stimmt der Bundestag über die "Ehe für alle" ab. Ein Termin mit Sprengstoff für die große Koalition. Angela Merkel nennt den Streit "traurig" und "völlig unnötig".

Ehekrach: Angela Merkel kritisiert den Koalitionspartner SPD - aber auch Teile ihrer Union

Ehekrach: Angela Merkel kritisiert den Koalitionspartner SPD - aber auch Teile ihrer Union

An diesem Freitag stimmt der Bundestag über die Ehe für alle ab. Im Vorfeld kritisierte Kanzlerin Angela Merkel das Vorgehen des Koalitionspartners SPD stark. "Mir ist es fremd, wie eine solche Entscheidung genau in dem Moment, als sich die realistische Aussicht auf ein fraktionsübergreifendes Vorgehen ergab, in eine parteipolitische Auseinandersetzung gezogen wurde", sagte die CDU-Chefin der "Wirtschaftswoche". "Das ist traurig und es ist vor allem auch völlig unnötig."

Seehofer: Vorgehen der SPD normalerweise "Koalitionsbruch"

Das Interview Merkels dürfte auch als erneutes Signal in die eigenen Reihen gewertet werden, wo es in Teilen Verärgerung über ihren Kurswechsel und auch starken Ärger über das Vorgehen des Koalitionspartners gibt. CSU-Chef Horst Seehofer sagte der "Augsburger Allgemeinen" (Donnerstag-Ausgabe): Normalerweise sei das Vorgehen der SPD "ein Koalitionsbruch". Die SPD hatte gemeinsam mit Grünen und Linken gegen den Willen der Union eine Bundestagsabstimmung über das Thema für diesen Freitag angesetzt.


Seehofer nannte das Verhalten der SPD "unwürdig". "Alle rechtlichen Bedenken werden ausgeblendet. Man hätte das auch in aller Ruhe im Herbst machen können." Zudem räumte Seehofer ein, dass sich ein Teil der Unionsparlamentarier vom plötzlichen Kurswechsel der Kanzlerin überrollt fühle. Merkel war am Montagabend überraschend vom klaren Nein der CDU zur völligen Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Ehe abgerückt. 

Ehe für alle: Bundestag entscheidet am Freitag

Auf Druck von SPD, Linken und Grünen soll jetzt der Bundestag an diesem Freitag über die "Ehe für alle" entscheiden - gegen den Willen der Unionsspitze. Im Bundestag gilt eine Mehrheit für die Ehe für alle als sicher. Es wird damit gerechnet, dass auch ein Viertel bis ein Drittel der CDU/CSU-Abgeordneten zustimmt. Die Spitze der Unionsfraktion hat den Abgeordneten freigestellt, wie sie votieren. Die Kanzlerin unterstrich: Man spreche "nicht über eine gesetzliche Fußnote, sondern über Artikel 6 unseres Grundgesetzes". Dort heißt es: "Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung."

Merkel ergänzte, es gehe "um eine Entscheidung, die die tiefsten Überzeugungen von Menschen und die Ehe, einen Grundpfeiler unserer Gesellschaft berührt". Sie selbst leite "seit vielen Jahren die Überzeugung, dass in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften die gleichen Werte wie in der Ehe von Mann und Frau gelebt werden: Liebe, Fürsorge und Verantwortung füreinander und für ihre Kinder".

Mehrheit der Deutschen für Öffnung der Ehe

Die Mehrheit der Deutschen ist offensichtlich für die volle Öffnung der Ehe. Nach einer Umfrage des INSA-Instituts für die "Bild"-Zeitung (Donnerstag) sind 75 Prozent dafür, 20 Prozent dagegen.


Beim Kernpunkt der Gleichstellung, dem vollen Adoptionsrecht für Homosexuelle, ist die Zustimmung etwas geringer, aber immer noch groß: 66 Prozent befürworten es für gleichgeschlechtliche Paare, 22 Prozent lehnen es ab.

"Brigitte Live"-Talk: Dieser Mann provozierte Merkels "Ehe für alle"-Aussage
pg/DPA/AFP