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Matt Bevin Letzte Amtshandlung: US-Gouverneur begnadigt Vergewaltiger – mit haarsträubender Begründung

Ex-Gouverneur Matthew Bevin bei einer Pressekonferenz in Frankfort, Kentucky
Bevor er seinen Schreibtisch als Gouverneur räumte, begnadigte Matthew Bevin in Kentucky mehr als 150 Straftäter. Besonders ein Fall erregt in den USA die Gemüter.
© Timothy D. Easley / Picture Alliance
An seinem letzten Arbeitstag hat Kentuckys Ex-Gouverneur Matthew Bevin 161 Straftäter begnadigt. So weit, so milde. Doch unter ihnen ist ein verurteilter Vergewaltiger – für dessen Freilassung der Republikaner eine verstörende Erklärung liefert.

Bevor er den Schreibtisch in seinem Büro in Frankfort räumte, hat ein Gouverneur im US-Bundesstaat Kentucky mehr als 150 Straftäter begnadigt und damit für Tumulte und Empörung gesorgt.

Die vorweihnachtliche Geste des Republikaners Matthew Bevin erzürnte umso mehr, nachdem der Politiker diese in TV-Interviews mit fadenscheinigen und teils die Opfer verhöhnenden Motiven zu erklären versuchte. Besonders der Fall eines Mannes, der wegen des Missbrauchs von minderjährigen Mädchen verurteilt worden war, wühlt die Menschen im Südosten der USA auf.

Bevin: "Jungfernhäutchen der Mädchen waren intakt"

Für 23 Jahre hatten Richter einen Mann namens Micah Schoettle 2018 ins Gefängnis geschickt. Angeklagt war er unter anderem wegen Vergewaltigung, Sodomie und sexuellen Missbrauchs. Zwei seiner Opfer: ein neunjähriges Mädchen und dessen ebenfalls minderjährige Schwester.

Auch Schoettle begnadigte Bevin an seinem letzten Arbeitstag als Gouverneur. Ein Journalist des Radiosenders WHAS in Louisville wollte wenige Tage später von dem Ex-Gouverneur wissen, warum ausgerechnet dieser Mann freigelassen werden soll. Darauf Bevin: "Die Jungfernhäutchen der beiden Mädchen waren intakt." Und weiter: "Das mag spezifischer sein als die Leute es wissen wollen, aber wenn man als kleines Kind wiederholt von einem Erwachsenen sexuell verletzt wird, muss das physische und medizinische Folgen haben." Damit verstörte Bevin nicht nur den Reporter und die Zuschauer – er ignorierte auch wissenschaftliche Studien von Experten, die sich mit den physischen Folgen missbrauchter Kinder beschäftigen.

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So publizierte die Fachzeitschrift "Forensic Science International" 2012 eine Studie, nach der neun von zehn sexuell misshandelten Kindern keine körperlichen Schäden erleiden – wohl aber psychische. Wie es in der Studie weiter heißt, sei die Untersuchung möglicherweise geschädigten Gewebes kein verlässlicher Beleg für eine vorangegangene sexuelle Aktivität.

Doch Gouverneur Bevin reichte die Tatsache, dass die Mädchen keine sichtbaren Verletzungen davongetragen hatten, offenbar als Grund aus, um den von einem ordentlichen Gericht verurteilten Schoettle per Anordnung schon nach 18 Monaten wieder aus dem Knast zu holen. Das Urteil habe sich auf Aussagen gestützt, die nicht durch physische Beweise hinterlegt werden konnten, zitiert der US-Sender CNN aus der Anordnung Bevins, der sein Governeursbüro am 9. Dezember für seinen demokratischen Gegenspieler Andy Beshear räumen musste. Bevin warf den Richtern in dem Begnadigungsschreiben vor, den Fall Schoettle auf schlampige Art und Weise untersucht zu haben.

Bevin twittert – und macht alles noch schlimmer

Als "Schlag ins Gesicht" empfindet die Mutter der missbrauchten Mädchen die Freilassung. Es fühle sich an, als würden wir das alles noch einmal durchmachen, sagte die Frau dem TV-Sender WCPO. Dabei hätte sich die Familie gerade wieder sicher gefühlt und nicht aus Angst ständig über die Schulter geschaut.

Im Stile von US-Präsident Donald Trump erklärte sich Bevin wenige Tage nach der Begnadigung von insgesamt 161 verurteilten Straftätern via Twitter. In einer Flut aus 20 Tweets lobte er Amerika als ein Land, das Verständnis zeigt und zweite Chancen unterstützt. Und diese Meinung hat der 52-Jährige nicht exklusiv. So relativierte der von Bevin ernannte Staatsanwalt Damon Preston die Kritik an den Begnadigungen in einem Zeitungskommentar: "Abgesehen von der Aufruhr über eine Handvoll Fälle profitieren Dutzende Menschen von unumstrittenen Begnadigungen", kommentierte der Jurist. 

Unter den 161 von Bevin Begnadigten waren laut CNN auch zahlreiche wegen Drogendelikten inhaftierte Personen. Milde zeigte sich der Politiker auch gegenüber 336 Häftlingen, die ausschließlich wegen des Besitzes von Drogen verurteilt worden waren. Deren Strafen wandelte er demnach in kürzere Haftzeiten um.

Quelle:"cnn.com"

js

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