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ELEONORE VON AQUITANIEN: Was für ein Weibsbild!

Sie war die Gemahlin zweier Könige - und betrog sie beide. Troubadoure aus aller Herren Länder besangen ihren Liebreiz. eleonore von aquitanien, erst Königin von Frankreich und später von England, war eine ehrgeizige, machtbesessene Herrscherin

Sie war die Gemahlin zweier Könige - und betrog sie beide. Troubadoure aus aller Herren Länder besangen ihren Liebreiz. eleonore von aquitanien, erst Königin von Frankreich und später von England, war eine ehrgeizige, machtbesessene Herrscherin

Was für ein Weib! Ein Kämpferherz unter dem aufreizenden Mieder! Ein Verstand, der schärfer schneidet als das Schwert Excalibur. Süßes Gift und Grande Dame. Ihre Schönheit, die sie noch mit weißem Zopf begehrenswert macht, steht ihrer Machtgier in nichts nach. Mit ihrem gnadenlosen Ehrgeiz hat sie sich Männer, Mönche und Monarchen zu Geliebten oder Todfeinden gemacht: den König von Frankreich, ihren ersten Gemahl, mit seinen besten Männern betrogen, gegen den zweiten, den König von England, Rebellionen geschürt! Ach, Eleonore, Herzogin von Aquitanien, Königin zweier Reiche, Mutter zweier Monarchen, streitbare Kriegerin, die noch im Großmutteralter gegen ihren Enkel Artur zu Felde ziehen wird! Frau Königin, ich habe schlimme Botschaft für Euch!

Ich muss zu ihr! Nie war mir so bang wie auf diesem Ritt. Allein durch die Nacht. Schaurig tönt die Eule in der Dunkelheit. Ich gebe meinem Grauschimmel die Sporen und will doch nie ankommen: Wie soll ich es ihr sagen, die ich ein Leben lang geliebt und besungen habe? Warum muss ich, ein in Ehren ergrauter Troubadour, meiner Herrin sagen, dass Richard Löwenherz, ihr Lieblingssohn, im Sterben liegt!

Eleonore. Ich kannte sie schon, als sie fünfzehn war! Für sie war ich nur Bernhard, der Knabe mit der Rotznase und den krummen Beinen, der sich in der Schlossküche von Bordeaux herumdrückte, denn meine Mutter war Köchin bei Hof. Ich liebte die Herzogstochter so, wie ich ihren Spielgefährten, Raimund von Poitiers, verabscheute. Ein aufgeblasener Jüngling, der obendrein noch ihr Onkel war. Musste Eleonores Vater, vom Leben und Regieren angekränkelt, auf Wallfahrt zum Heiligen Jakob von Compostela ziehen und seine hübsche Erbtochter in Obhut ihres kecken Onkels, der kaum älter als sein Mündel war, lassen? Da war die Kahnfahrt auf der Garonne, wo auch der letzte kurzsichtige Angler die zwei im schaukelnden Boot bei verbotenen Spielen sah! Als die Verliebten am Abend in einer Abtei um Nachtquartier baten, wies der einfältige Klosterkämmerer dem Pärchen auch noch eine gemeinsame Kammer mit nur einem Bett zu. »Als ob Satan sich als Mönch verkleidet hätte, um Onkel und Nichte zu verführen«, scherzte meine Mutter, und ich saß mit meinen krummen Beinen heulend hinterm verrußten Herd.

»Heilige Unzucht, Inzest, Gotteslästerung« jammerten die Pfaffen. »Ganz der Großvater«, entgegnete meine Mutter lachend, während sie mit Inbrunst die Kupferkessel polierte, »er hat die Kleine, so gut er konnte, verdorben!« Der Apfel fiel nicht weit vom aquitanischen Stamm. Hatte der alte Herzog Wilhelm IX., der größte Haudegen und Schürzenjäger in Frankreichs Süden, sich nicht unbekümmert über Moral und Mutter Kirche hinweggesetzt! Der König der Troubadoure, so nannte ihn das Volk bewundernd, rief vor jedem Liebesabenteuer den Heiligen Julian um gutes Gelingen an. Vor allem hat er, und damit ist der ganze Mann charakterisiert, nebst einigen tadellosen Kirchen und Klöstern für Unsere liebe Frau, im Städtchen Niort ein Luxusbordell errichtet, wo die Freudenmädchen ihre Gäste im Nonnengewand bedienten. Er soll der erste und beste Kunde gewesen sein.

Die Kahnfahrt der Herzogstochter schlug aber nur leise Wellen, denn sie wurde noch im gleichen Sommer 1137 mit einem Milchbübchen verheiratet, dem Thronfolger von Frankreich. Der 16-jährige Ludwig war im Kloster St. Denis bei Paris erzogen worden und hätte wohl lieber den Rest seinen Lebens Latein studiert und Choräle gesungen, als für Thron und Reich seinen Mann zu stehen. »Ich habe einen Mönch und keinen Mann geheiratet«, maulte die junge Königin.

Eleonore wäre nicht Eleonore, wenn sie nicht sogleich mit ihren schönen Händen nach dem Zepter gegriffen hätte. Sie befahl, er führte aus. Doch erwarb meine Dame sich unsterblichen Ruhm, denn sie war es, die höfische Kultur, Gesang und Dichtung und Lebensart an den strengen, schmucklosen Hof zu Paris brachte. Sie bezirzte die Barbaren des Nordens und verwandelte die klerikale Hochburg in ein märchenhaftes Schloss Camelot. Dazu holte sie die Jeunesse dorée, junge Ritter, Dichter und Troubadoure aus ihrer südfranzösischen Heimat. Ja, auch mich, Bernhard, den Jungen aus der Schlossküche mit den krummen Beinen, denn inzwischen war ich zur goldenen Stimme Aquitaniens aufgestiegen.

Ich schwöre, ohne sie wäre Paris nie Paris geworden: die gewagten Dekolletés, die Mieder, die sich sinnlich an die Körperformen schmiegten, hat sie ausprobiert. Die erlesenen Stoffe in allen Schattierungen von quittengelb über grasgrün und pfirsichfarben hat sie eingeführt. Die exotischen Speisen, Waffeln, Windbeutel, kandierten Früchte und den eingelegten Ingwer, mit denen Eleonore ihre Gäste verwöhnte. Durch den Mund von uns Troubadouren erfuhren die ungehobelten Draufgänger des Nordens zum ersten Mal von wunderbaren Rittersagen, von Tristan und Isolde, von König Artus und Ginevra und den Wonnen der »fine amor«, der feinen höfischen Liebe, die lustvoll ihre Triebe zügelt und nie Erfüllung finden darf. »Jedenfalls nicht im Lied«, sagte Eleonore kokett. Ich sang für sie, ich liebte sie von der Ferne und litt in ihrer Nähe, denn alle wirklich jungen Männer bei Hofe himmelten sie an.

Manchmal benahm sich meine Herrin auch bizarr. »Nur der soll mein Ritter sein, der nackt, nur mit meinem Unterhemd bekleidet, gegen einen Gegner in eiserner Rüstung antritt«, forderte sie uns beim Turnier mit blitzenden Augen heraus. Selbst die mutigsten Ritter erbleichten, doch da sprang mein Freund Saldebreuil hervor und nahm mit blassen Lippen an. »Ereilt mich der Tod, wird mir der Trost zuteil, in Eurem Linnen zu sterben«, sprach er galant. Natürlich wurde Saldebreuil von seinem gepanzerten Gegner schwer verletzt, aber als Held gefeiert. Mein Herz kochte vor Eifersucht, als die Königin ihn in ihre Gemächer bringen ließ und mit zärtlicher Hingabe versorgte, um mit beträchtlicher Verspätung beim Nachtmahl zu erscheinen. Da trug sie das zerfetzte blutige Hemd Saldebreuils wie eine Reliquie über ihrem Abendkleid, was den König nicht wenig schockierte. Ich weiß nicht, ob er Eleonore je verzieh, ich aber tat es.

Reiten, reiten, die alten Knochen schmerzen. Wie damals auf dem Kreuzzug ins Heilige Land. Dass der fromme König Ludwig wie viele Fürsten Europas ins Morgenland zog, um Jerusalem zu befreien, war seine verdammte Christenpflicht. Aber warum nahm er Eleonore, die gerade eine Tochter zur Welt gebracht hatte, im Jahr 1147 auf die lange Pilgerfahrt mit? Kreuzzüge sind keine Lustpartie, sondern eine von Gott auferlegte Strapaze für Mensch und Tier, man wird von Hunger, Durst und Dünnschiss geplagt - oder von Türken massakriert. Fast wäre unser stolzes französisches Heer am Berg Cadmos von den Türken aufgerieben worden, mit Müh und Not entkamen wir nach Antiochia, ein christlicher Vorposten im Heiligen Land. Und wer war die hohe Gestalt in der blauen Tunika, die uns empfing, die edlen Züge zu einem frechen Grinsen verzogen? Raimund natürlich, der durch geschickte Heirat König von Antiochia geworden war. Eleonore strahlte ihn an, aber König Ludwig brütete finster vor sich hin. Mir sank das Herz so tief ins Kettenhemd, aus dem hehren Kreuzzug war ein niederer Ehekrieg geworden - mit Folgen fürs Abendland. Raimund hatte nur Augen für seine Nichte, die er zärtlich in Okzitanisch, unserem südlichen Dialekt, anredete, den der König hasste, weil er nichts verstand. Ehestunk im Palast! Die Spannung knisterte in den kostbaren Täfelungen, kaum einer fand Schlaf in dieser Nacht. Eleonore hatte sich wütend zurückgezogen. Ich aber stand Wache vor ihren Gemächern, wo ihr Gemahl bereits seine Spione postiert hatte. Mitten in der Nacht packte mich eine derbe Faust und zog mich rückwärts in den mannshohen Kamin. Im Abglanz der Fackeln erkannte ich Raimunds unsteten Blick und hinter ihm eine zitternde, verrußte Gestalt: meine Königin auf Abwegen. »Gib ihr deine Kappe, deinen Degen, dein Wams«, flüsterte Raimund und beugte, ein einziges Mal im Leben, sein Knie vor mir. Ich zog mich bis aufs Unterkleid aus, Eleonore schlüpfte in mein Wams und entkam unerkannt. Als man mich halbnackt fand, murmelte ich vom Liebesabenteuer mit einer Zofe. Dann brachen wir auf.

Könige kennen keine Dankbarkeit, Königinnen umso mehr! Der Kreuzzug endete mit hohem Blutzoll, ein Fehlschlag für alle. Außer für mich, der ich, auf Eleonores Wunsch hin, die Rückfahrt auf ihrem Segler antrat. Das Klima zwischen dem französischen Königspaar war eisig geworden, so dass sich die Eheleute Ostern 1149 getrennt einschifften - und im Sturm verloren. Die Chronisten haben Eleonores Heimfahrt immer als Drama geschildert, von ihrer Entführung durch Freibeuter und ihrer Rettung durch die Schiffe des Königs von Sizilien erzählt. Lassen wir sie in ihrem Glauben! Nur dir, mein alter Grauer, flüstere ich die wahre Geschichte ins Pferdeohr: Wie die Königin sich im Schatten der Sonnensegel zu ihrem Ritter Krummbein niederbeugte und ihn mit Zärtlichkeiten reich entlohnte. Wie azurblau das Meer sich in ihren Augen spiegelte, ich in ihrem Schoß lag und Minnelieder sang. Von »amour lointain«, von ferner Liebe, doch so nah. Übrigens, Raimund sah sie nie wieder, er fiel kurz drauf gegen die Araber.

Tatsächlich liessen sich Eleonore und Ludwig kurz darauf scheiden, was von der Kirche nicht gern gesehen, aber in königlichen Kreisen gang und gäbe war. Eleonore brach sofort nach Aquitanien auf. Frei war sie nun, aber auch Freiwild. In Blois erfuhren wir, dass Graf Theobald, der Betrüger, wie man ihn nicht zu Unrecht nannte, sie entführen und vor den Traualtar zerren wollte, und flohen noch in der Nacht. Den nächsten Hinterhalt legte ein anderer Jungfürst, der für sein Leben gern der neue Herzog von Aquitanien geworden wäre. Doch sicher führte ich meine Herrin in die Heimat, die auch meine war.

Wie glücklich hätten wir sein können: Eleonore als Herzogin ihrer lieblichen Erblande, wo Wein und Honig flossen, und ich als ihr Troubadour, doch ich kannte ihren Ehrgeiz: Hatte nicht Zauberer Merlin einst prophezeit, dass ein Adler seine Schwingen über Frankreich und England breiten würde. Der Adler wollte sie sein! Der Coup gelang. Im Wonnemonat Mai 1152, keine acht Wochen nach ihrer Scheidung, heiratete eine strahlende Eleonore in Poitiers den Jüngling Heinrich Plantagenet, König von England in spe. Voila, un homme, dachte ich. Der machte keine halben Sachen! »Bernhard, mein Goldkehlchen, für uns ändert sich doch nichts«, tröstete mich meine Königin, »Krone ist Krone, und Lust ist Lust!« Doch Heinrich war aus einem anderen Holz geschnitzt als der brave Ludwig. Ein rotblonder Hüne, der gern seine Muskeln spielen ließ und nicht oft genug betonen konnte, dass er elf Jahre jünger sei als sie. In Ehrgeiz, Machtbesessenheit und Regierungsgeschick standen sich die beiden Neuvermählten in nichts nach. Außerdem war er hinreichend charmant und gebildet, liebte Poesie und Troubadourlyrik. Aber kaum hörte er meine betörende Stimme, kniff er die Augen wie ein wütender Eber zusammen. »Der Kerl muss weg«, fuhr er seine Gemahlin an. Als sie ihn neckend fragte, ob er einen Krüppel als Rivalen fürchte, schrie er: »Auch krummbeinige Hunde haben einen geraden Schwanz! Er soll gehen!« Ich zog traurig mit meiner Laute von dannen.

Eleonore hatte nun alles, was sie wollte, einen Mann. Und eine neue Krone. Obschon gute Dreißig, sollte sie ihrem Heinrich acht Kinder, darunter fünf stramme Söhne gebären. Im Dezember 1154 betrat sie zum ersten Mal den Boden der Nebelinsel, wo das Paar sich in Westminster zu Königen von England krönen ließ. Trotz seiner Jugend war Heinrich ein glänzender Staatsmann, der das von Anarchie zerrüttete Land bald zu neuer Blüte bringen sollte, aus der Femme fatale war eine kluge Herrscherin geworden, und beide waren ihre besten Stellvertreter. The perfect couple, lobten die Engländer. Wann immer ich meine Königin traf, sah sie rosig aus. Ich schaukelte ihr Kleinstes auf den Knien, sang den Mädchen Lieder und nahm die Knaben mit auf die Jagd.

Doch eines Tages empfing sie mich mit steiler Stirnfalte, außer sich vor Wut. »Gift oder Dolch, bring sie um, wenn du mich liebst, Ritter Krummbein«, rief sie aus. Das war 1166 in Oxford, als sie gerade mit ihrem zehnten Kind, dem unseligen Johann Ohneland, schwanger war. Ich wusste von ihrem Kummer mit Heinrich, der eine neue Flamme namens Rosamund hatte. Für die er, dreist und offen, ein dornröschenhaftes Schloss gebaut hatte, mit einem Labyrinth, wo nur er Zutritt hatte. Die Engländer behaupten zwar bis heute in ihren obszönen Balladen, dass Eleonore ihre Nebenbuhlerin erdrosselt habe, ich weiß es besser. Denn erstens wurde Heinrich der schönen Rosamund bald überdrüssig und schickte sie in ein Nonnenkloster, wo sie 1177 gottselig entschlief. Zweitens war Eleonore zu diesem Zeitpunkt bereits selber von ihrem Ehemann eingekerkert, denn sie hatte eine viel subtilere Form der Rache gewählt, die Heinrich ins Mark traf: Sie wiegelte ihre drei ältesten Söhne, den jungen Heinrich, Richard Löwenherz und Gottfried gegen den Vater auf, ihm die Macht zu entreißen, und konspirierte dabei mit Ludwig von Frankreich, ihrem Ex-Gemahl. Welche Pikanterie!

Doch die Revolten der Königssöhne schlugen fehl. In Männerkleidern versuchte Eleonore zu fliehen, doch Heinrichs Häscher waren schneller.

Es begannen die traurigsten Jahre ihres Lebens, sechzehn Winter als Gefangene ihres Mannes auf der Nebelinsel, wo nur nur die Raben auf kahlen Bäumen krächzten, sechzehn Sommer ohne Tanz, Musik und Minnesang! Mehrfach gelang es mir, mich als Diener verkleidet zu ihr zu schleichen und ihr Botschaften von ihren Söhnen, die beim König von Frankreich Asyl gefunden hatten, zu bringen. »Spiel es noch mal, Bernhard«, sagte die Königin, wenn ich sie mit unseren alten Liedern erheiterte. Doch dann schickte sie mich stets mit den Worten »Richard braucht dich« aufs Festland zurück. Der rotbärtige Hüne mit den grauen Augen und einem wunderbar kehligen Lachen war nun mal ihr Lieblingssohn.

Als Heinrich im Juli 1189, durch Krankheit zerrüttet, über den Verrat seiner Söhne verbittert - Gottfried und Heinrich waren bereits verstorben -, endlich dahinschied, schlug für meine Herrin die Stunde der Befreiung. Als Heldin zog sie nun durch England, von Burg zu Burg, von Stadt zu Stadt, sprach Recht, gründete Hospitäler und entließ unschuldige Gefangene aus den Kerkern.

Frisch und tatkräftig war sie, ihre 67 Lenze trug sie leicht. Ihr Herzenswunsch, Richard als König von England zu sehen, ging in Erfüllung, und sie gefiel sich in der Rolle als mächtige Königinmutter. Nur manchmal wurde sie melancholisch. »Goldkehlchen, mein Alter, warum will Löwenherz nichts von Frauen wissen? Warum schenkt er uns keinen Thronerben?« - »Geliebte Herrin«, sprach ich galant, »wer eine Dame wie Euch zur Mutter hat, wie sollte ihm je auf Erden ein anderes Weib gefallen!« Ich hatte wohl gemerkt, dass der junge König sich eher zu wohlgestalteten Männern hingezogen fühlte.

Eigentlich wollte ich mich vom Hofe zurückziehen, doch fast 50 Jahre nach ihren Eskapaden im Heiligen Land bat Eleonore mich, Richard auf den Kreuzzug zu begleiten. Es war ein noch größerer Fehlschlag als damals. Der schreckliche Ritt, als ich ihr die Nachricht brachte, dass ihr Augapfel auf der Rückreise in Gefangenschaft des deutschen Kaisers geraten war! Damals bebte Eleonore vor Zorn, schimpfte auf Gott, den Kaiser und auf mich, den Boten. Doch dann zahlte sie die geforderten 50 000 Silbermark Lösegeld, Richard kam frei, und alles wurde wieder gut.

Bis vor drei Tagen! Bei der Belagerung der Festung Châlus durchbohrte ein Pfeil meinem tapferen Herrn Richard die Schulter. »Bringt mir Eleonore, bevor ich sterbe«, sprach er im Fieber zu mir. Lauf, Grauer, gib noch einmal alles her! Da, vor uns in der Nacht, taucht die Abtei von Fontevrault auf, wo Eleonore in Heiterkeit ihren Lebensabend verbringen wollte! Ich poche an die Pforte, hastige Schritte auf dem Kreuzgang, das Tor knarrt. Richard Löwenherz liegt im Sterben! Die Trauerbotschaft dringt bis zum Hochaltar, wo die Nonnen das Tedeum singen. Da kommt meine Königin, aschfahl im Gesicht, aber stolz und aufrecht wie immer. »Bring mich zu ihm«, sagt sie beim Aufsteigen und gibt ihrem Pferd die Sporen. Wenn Gott will, wird König Richard in den Armen seiner Mutter sterben.

Swantje Strieder

Literaturhinweis: Jean Markale: »Eleonore von Aquitanien«; Tübingen 1980

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