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Podcast "heute wichtig" Kabarettist Vince Ebert über 'German Angst': "Wir Deutsche haben eine Vollkasko-Mentalität"

Kabarettist Vince Ebert
Kabarettist Vince Ebert: "Die berühmtesten deutschen Erfindungen sind die Spaßbremse und die Reiserücktrittsversicherung"
© Sven Simon / Malte Ossowski / Picture Alliance
Durch unseren Perfektionsdrang machen wir Deutschen uns handlungsunfähig, meint Kabarettist Vince Ebert. Mit "German Angst" und Panik baut man keine konstruktive Zukunft auf. Deshalb müssen wir beim Weltverbessern neu denken.  
"Ich will, dass ihr in Panik geratet", hat Greta Thunberg auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vor drei Jahren gesagt – ein Satz, den Kabarettist und Buchautor Vince Ebert wenig sinnvoll findet. "Ich kann diese Aussage verstehen, aber gleichzeitig wissen wir aus der Hirnforschung, dass Angst das klare, konstruktive Denken lähmt", sagt er in der 394. Folge "heute wichtig". Wer Panik hat, habe drei Möglichkeiten: "Flucht, Totstellen oder Angriff". Alles keine Optionen, wie man intelligent die Zukunft gestaltet. "Lichtblick statt Blackout" heißt das kürzlich erschienene Buch von Vince Ebert. Denn es braucht ein positives Zukunftsbild, sagt der Autor.

"German Angst": Wenn Sicherheitsdenken zum Pessimismus wird

Nur, mit Optimismus tun wir uns in Deutschland nicht so leicht. Die Deutschen leben ihre so typische "German Angst", witzelt Vince Ebert im Podcast: "Die berühmtesten deutschen Erfindungen sind die Spaßbremse und die Reiserücktrittsversicherung". Der Kabarettist hat einige Zeit in den USA verbracht, wo er die Grundstimmung als wesentlich zuversichtlicher wahrgenommen hat, aber auch mit Blick auf die Schwellenländer könne man noch etwas lernen, denn auch dort blicke die Bevölkerung eher optimistisch in die Zukunft, weil sich in den vergangenen Jahren auch vieles zum Positiven gewandelt habe. 

Der Perfektionsdrang der Deutschen: "Wir machen uns dadurch handlungsunfähig"

Das größte Problem der Deutschen ist aus Sicht des Kabarettisten der Perfektionsdrang: "Wir machen uns dadurch handlungsunfähig." Zudem schließe man viele Technologien wie etwa Fracking oder Kernenergie aus, um die Energiewende zu erreichen – aus Angst, dass etwas Schlimmes passieren könnte. "Wir beschränken uns und damit kann man eigentlich keine Zukunft gestalten", glaubt Vince Ebert. Deshalb ist auch die aktuelle Energiekrise für ihn selbstverschuldet. Deutschland habe sich abhängig gemacht und nicht auf die eigenen Fähigkeiten vertraut. Jetzt braucht es Pragmatismus. "Wir wollen die globale Temperatur auf zwei Grad stabil halten, aber wir kriegen noch nicht einmal einen simplen Flughafen gebaut." Man muss sich also auf das fokussieren, was man beeinflussen kann, sagt Vince Ebert, das große Wunschdenken wieder mit der Realität in Einklang bringen, denn eines ist für ihn sicher: "Die Welt wird nicht untergehen."

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