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Polemik

Rezo-Video: Liebe CDU, nimm es nicht so schwer. Ihr braucht die Jugend eh nicht - ein Erbauungsbrief

Ein Youtuber pöbelt etwas gegen die CDU, und die reagiert so, wie sie immer auf Jugend reagiert: stoffelig. Doch die Union muss sich nicht grämen, denn bald gibt es keine Jugendlichen mehr, dann kann sie wieder in Ruhe vor sich hinkanzlern.

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CDU-Bundestagsabgeordneter Philip Amthor sollte auf das Anti-CDU-Video des Youtubers Rezo antworten

Liebe CDU,

ich schreibe dir als Nicht-Wähler. Also als Nicht-CDU-Wähler. Und obwohl ich eher so mittelalt bin, werde ich dich auch in Zukunft weiterhin nicht wählen. Ist was Politisches, nicht böse sein. Das sind ja ohnehin genug Leute gerade, und ein wenig kann ich das verstehen. Von allen möglichen Reaktionen auf das Rezo-Video, haben sich eure Chefin und ihr Assi für die stoffeligste Variante entschieden. Nicht mal euer feigenblättriger Jungspund Philipp Amthor durfte ran, vermutlich weil ihr wisst, dass der auch keine Jugend kann.

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Sei's drum. Ich trete nur ungern auf Leuten herum, die schon am Boden liegen, lieber möchte ich dir, also euch, der Partei, Mut zusprechen. Denn wisst ihr was? Ihr seid auf dem richtigen Kurs. ja, genaugenommen sogar der Zeit voraus.

Beginnen möchte ich mit dem schmerzhaften Teil, den ich aber mit einem Lob einleite: Ja, im Kanzlern seid ihr gut. Und auch ausdauernd. Adenauer regierte 14 Jahre, Kohl 16 und Angela Merkel ist nach mehr als 13 Jahren auch nur fast fertig. Soweit so gut. Bleibt halt diese Sache mit den jungen Leuten. Mit Verlaub, hat je ein unter 50-Jähriger jemals die Union gewählt? Ja? Na gut. Doch eigentlich steht ihr zu dem Thema ja in Treue fest.

Dazu eine kleine Presseschau aus den vergangenen 50 Jahren:

Sie (die SPD) präsentiert für keine der grundlegenden Fragen unserer Zeit – von der Roboterisierung der Arbeit bis zum drohenden atomaren Holocaust – eine eindeutige, überzeugende Antwort. Wohlgemerkt, auch die Konservativen geben diese Antwort nicht. Aber von ihnen werden sie auch nicht erwartet.

(stern, 1984)

Die CDU hat in einer selbstkritischen Studie ermittelt, dass sie bei der letzten Bundestagswahl so wenig junge Wähler gehabt hat wie nie zuvor.

("Die Zeit", 1981)

Die 18- bis 34jährigen machen bei der CDU/CSU 14 Prozent aus.

("Frankfurter Rundschau", 1994)

Hat die CDU damit nicht wieder einmal die Chance verspielt, für junge Wähler und Arbeitnehmer attraktiver zu werden?


Ich gehe davon aus, dass unsere Basis beim Wähler breiter geworden wäre, wenn die Sozialausschüsse und die Junge Union sich durchgesetzt hätten.

(Der CDU-Sozialpolitiker Hans Katzer im Interview mit dem "Spiegel" 1973)


Was du liest, ist also dein Markenkern: Keine Jugend ist eine Tugend. Funktioniert seit Anbeginn der Zeit, und, was noch besser ist, der letzte Rest dieser jungen Leute verschwinden auch bald: 2030 gibt es nur noch knapp 17 Prozent von unter 20-Jährigen. 2050 werden weniger als die Hälfte der Deutschen 60 Jahre oder jünger sein. Goldene Zeiten!

Kein Ziemiak muss "Verständnis" heucheln und motzenden Internet-Typen "Gespräche" anbieten. Keine AKK sich mit schiefen Bibelbildern blamieren. Kein Amthor überflüssige Videos drehen. Grüne, SPD, Linke sind mangels Wähler eh schon in den Geschichtsbüchern verschwunden und nur du allein bist Last Party Standing. Kannst unbeschwert von Fridays-for-Future-Kindern, Sozi-Gutmenschen und jugendlicher Zerstörungswut in aller Seelenruhe weiter vor dich hinkanzlern. Bis das der Tod ... und so weiter.

Herzlichst, dein Nicht-Wähler Niels

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