VG-Wort Pixel

Schöllgen-Biografie über Altkanzler Lafontaine wollte Schröder stürzen


Dass Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder keine Freunde sind, ist kein Geheimnis. Pünktlich zur Erscheinung einer neuen Biografie gab Lafontaine jetzt ein Interview - um den Altkanzler mal so richtig abzukanzeln.
Von Wiebke Wetschera

Abrechnen, und zwar so richtig. Das wollte Oskar Lafontaine schon lange. Der frühere SPD-Chef hat in der Biografie über Gerhard Schröder zugegeben, dass er sich an dem damaligen Kanzler rächen wollte. „Ich wollte Schröder stürzen“, erzählt der spätere Vorsitzende der Linkspartei in der am Montag erschienenen Biografie, die der Historiker Gregor Schöllgen über den SPD-Altkanzler verfasst hat.

In einem Gespräch mit Deutschlandradio Kultur über die Biografie holt Lafontaine noch weiter aus. "Ich wusste immer, dass er sehr machtorientiert war [...] und ich wusste auf der anderen Seite immer, dass er sich fürs Programm, um es mal zurückhaltend zu formulieren, nicht interessierte." Parteiintern sei Altkanzler Schröder nur durch wiederholte Angriffe auf die eigene Partei aufgestiegen, da diese ihm eine starke Position in den Medien verschafft haben. Letztendlich sei seine Kanzlerkandidatur damit eine "Belohnung für ein Verhalten, das aus Sicht der Partei nicht unbedingt akzeptabel ist".

"Der große Fehler seiner Kanzlerschaft"

Für Lafontaine zeichnen sich Sozialdemokraten dadurch aus, dass sie sich an die Formel "Im Zweifel entscheidet man für die kleinen Leute" halten. Gegen diese Formel habe Schröder in seiner Sozialpolitik allerdings permanent verstoßen. Lafontaine kritisiert zudem eine Schwäche Schröders, "dass er als Aufsteiger gerne zu denen gehört hat, die […] die oberen Zehntausend waren, also das Land […] mehr oder weniger auch regiert haben. Und das ist sicherlich auch […] der große Fehler seine Kanzlerschaft."

Oskar Lafontaine kritisiert in dem Interview die Schöllgen-Biografie hart. Er selbst habe dem Autor nur ein kurzes Interview gegeben. "Aber unendlich viele Passagen des Buches sind eben nicht mit mir besprochen, und so schleichen sich dann auch immer wieder Fehler ein", so Lafontaine. So stehe in der Biografie, Schröder und Lafontaine sei es gelungen die Senkung des Spitzensteuersatzes zu verhindern.  Dies sei allerdings doppelt falsch. Zum einen habe es definitiv eine Senkung des Spitzensteuersatzes durch die rot-grüne Regierung gegeben. Zum anderen habe Lafontaine als damaliger Chef der SPD eine tiefergehende Senkung verhindert. Schröder hingegen wäre eine erneute Senkung recht gewesen.

Mehr als nur eine Rivalität

"Es gab natürlich eine Rivalität, und es war völlig klar, dass ich Schröder nicht mehr weiter als Bundeskanzler sehen wollte", so Agenda-2010-Gegner Lafontaine. Der Wunsch den Altkanzler zu stürzen, resultiere vor allem aus gemeinsamen Vereinbarungen, die dann nicht umgesetzt wurden. Schröder habe sich letztendlich nie darum geschert, was andere über ihn und seine Entscheidungen dachten. "Es kann nicht angehen, dass wir gemeinsam ein Programm vereinbaren und dass dieses Programm dann ins völlige Gegenteil verkehrt wird."

Die gemeinsame politische Zeit ist mittlerweile längst vergangen. Allerdings, so Lafontaine, sei das Verhältnis zu Schröder viel mehr als eine Rivalität. "Ich kämpfe immer noch gegen die Agenda 2010, immer noch gegen Rentenkürzungen und Lohnkürzungen, und dies allein auf die Formel Rachefeldzug zu reduzieren, ist aus meiner Sicht reichlich albern."

Gruß der Rivalen

Man stelle sich nun Oskar Lafontaine an einem schönen sonnigen Nachmittag in einem Saarbrücker Café vor. Plötzlich käme Gerhard Schröder vorbei.  Von ihm aus würde er Schröder begrüßen, so Lafontaine. Er habe bereits versucht eine Begegnung zustande zu bringen, doch Schröder sei ihm ausgewichen. Die Gelegenheit ihn zu begrüßen blieb also aus.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker