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Lockdown verlängert Erschöpft. Wütend. Fassungslos. Was geschlossene Schulen für Familien bedeuten

Die Schulen in Deutschland bleiben bis mindestens Ende Januar geschlossen
Die Schulen in Deutschland bleiben bis mindestens Ende Januar geschlossen
© Weber/ Eibner-Pressefoto / Picture Alliance
Der Lockdown in Deutschland wird bis mindestens Ende Januar verlängert. Auch Schulen bleiben weiterhin dicht und bieten nur eine Notbetreuung an. Das ist ein Desaster für viele Kinder und ein Schlag ins Gesicht der Eltern.

Ich bin erschöpft und wütend. Eigentlich zu erschöpft, um richtig wütend zu sein. Verlängerter Lockdown. Wieder geschlossene Schulen. Wieder eingeschränkte Betreuungsangebote. Wieder keine sozialen Kontakte für Kinder und Jugendliche. Es ist ein Schlag ins Gesicht aller Eltern. Rat- und Orientierungslosigkeit regiert aller Orten – und das parteiübergreifend.

Ja, es ist inzwischen wissenschaftlich erwiesen, dass auch Kinder und Jugendliche am Coronavirus erkranken und dieses weitergeben können. Ich saß mit meinem Sohn im vergangenen November selbst zwei Wochen in Quarantäne, weil Schüler seiner Klasse positiv getestet wurden. Dass die Politik aber seit fast einem Jahr keinen anderen Umgang mit der Pandemie findet als reihenweise Bildungseinrichtungen zu schließen, ist beschämend. Die Verantwortung wird einfach auf die untersten Glieder der Kette abgewälzt: die Eltern und die Schüler.

Vielen Eltern fehlt inzwischen die Kraft

Auch wenn die Appelle der Regierung, man möge Einsicht zeigen und weiterhin die Maßnahmen unterstützen, auf Verständnis stoßen, fehlt vielen schlichtweg die Kraft. Nach einem anstrengenden Jahr 2020, in dem die Betreuung oder Beschulung der eigenen Kinder zu einer der größten Herausforderungen wurde. Durchhalten lautet die Devise – aber wie lange ist das zu schaffen, wenn kein Ende absehbar ist?

Es fehlt ein konkretes Konzept. Seit fast einem Jahr wird improvisiert, mit immer neuen Namen: Homeschooling, Lernen auf Distanz, Fernunterricht, aufgehobene Präsenzpflicht. Klingt toll, funktioniert aber in der Praxis nur begrenzt. Denn tatsächlich besteht der Schulalltag gerade vor allem aus Zettelwirtschaft und instabilen Video-Konferenzen, in denen mindestens 20 Kinder durcheinander krakeelen. Das hat mit Unterricht oder Wissensvermittlung nichts zu tun.

Sehen Sie im Video: Coronavirus – aktuelle Zahlen zum Infektionsgeschehen in Deutschland und der Welt.

Hinzu kommt: Nicht alle Eltern haben einen Drucker, um sich den Wust an Aufgaben auszudrucken. Nicht alle Eltern haben einen Laptop für jedes Kind. Nicht alle Eltern können ihre Kinder beim Lernen unterstützen und von heute auf morgen im Home Office arbeiten.

Es sollte nicht Aufgabe der Eltern sein, neuen Schulstoff zu vermitteln

Es hat einen Grund, dass Kinder in Schulen von qualifiziertem Personal betreut werden. Es sollte nicht Aufgabe der Eltern sein, neuen Schulstoff zu vermitteln – ohne Fachbücher, Methoden und pädagogische Ausbildung. Zettel allein und einmal pro Woche eine Videokonferenz reichen nicht, um Lehrinhalte zu erklären, die zweifelsohne fehlen, aber später vorausgesetzt werden.

Jedes Kind hat das Recht auf Bildung – dieses Recht wird gerade mit Füßen getreten. Wer keine Eltern hat, die zu Hause unterrichten können, fällt einfach durch das Raster, bleibt auf der Strecke. Es sei "kein normales Schuljahr, aber auch kein verlorenes", wird Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nicht müde zu betonen.

Inzwischen mehrt sich eher die Sorge um eine verlorene Generation, die ihrer Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten beraubt wird, weil es nach monatelangem Hickhack immer noch keine praktikable Lösung für Schulunterricht während Corona-Zeiten gibt. Deshalb gesellt sich zu meiner Erschöpfung und meiner Wut vor allem ein Gefühl: Fassungslosigkeit.


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