HOME

171. Oktoberfest: "O'zapft is"

Bei strahlendem Spätsommerwetter hat Münchens Oberbürgermeister Christian Ude mit dem traditionellen Ruf "O'zapft is" am Samstagmittag das 171. Oktoberfest eröffnet.

Ude brauchte für den über die Grenzen des Freistaats hinaus vielbeachteten Anstich des ersten Fasses Festbier drei Schläge, ebenso viele wie im Vorjahr. "Auf eine friedliche Wiesn 2004", prostete das Münchener Stadtoberhaupt anschließend den rund 6.000 trotz des stundenlangen Wartens jubelnden Besuchern im Festzelt Schottenhamel zu. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) bekam von Ude (SPD) traditionsgemäß die erste Maß Bier überreicht. Vor dem Anstich waren unter wolkenlos blauem Himmel die Festwirte mit den Prachtgespannen der Münchener Brauereien durch die Innenstadt gezogen. Am Sonntag folgt dann der mehrstündige Trachten- und Schützenzug, an dem sich mehr als 8300 Aktive beteiligen.

Es sind noch Zimmer freu

Bis Anfang Oktober dreht sich in München alles um das größte Volksfest der Welt, das 2003 rund 6,3 Millionen Besucher anzog. Sollte das Wetter den Festwirten und Schaustellern keinen Strich durch die Rechnung machen, dürfte die Besucherzahl in diesem Jahr noch deutlich ansteigen. Wie alle vier Jahre findet auch 2004 auf der Festwiese parallel das zentrale Landwirtschaftsfest statt. "Das sorgt erfahrungsgemäß für 400.000 bis 500.000 Besucher zusätzlich", heißt es bei der Stadt mit Blick auf die Agrar-Ausstellung. Dennoch sind nach Angaben des Fremdenverkehrsamtes für die meisten Nächte noch Unterkünfte frei, wenn auch nicht in jeder Preiskategorie. "An den Wochenenden wird's allerdings schon ziemlich eng", sagte eine Sprecherin. 72 Prozent der Gäste kämen aus München und dem übrigen Bayern, 13 Prozent aus dem restlichen Deutschland und 15 Prozent aus dem Ausland, erläuterte die Leiterin des größten Volksfests der Welt, die Münchner Fremdenverkehrschefin Gabriele Weishäupl.

Bierpreis um rund 30 Cent gestiegen

Wer hofft, die Bierpreise könnten 2004 ebenso wie im Vorjahr stabil bleiben, wird enttäuscht. Die Maß - die bayerische Bezeichnung für einen Liter des Gerstensaftes - kostet je nach Zelt 6,65 bis 7,10 Euro und ist damit so teuer wie nie. 2003 musste der Besucher lediglich 6,30 bis 6,80 Euro auf den Biertisch legen. Insgesamt drängen sich 591 Betriebe auf dem Gelände - 60 weniger als im Vorjahr - , das diesmal nur 26 statt wie üblich 31 Hektar groß ist. Eine Neuheit unter den 185 Schaustellergeschäften ist das Riesenpendel "Cyber Space": Das höchste Flugkarussell der Welt vollführt mit den Fahrgästen Loopings in 50 Meter Höhe - bei einer Geschwindigkeit von 90 Kilometer pro Stunde. "Super", schwärmte ein Besucher nach einer Probefahrt. "Ein wirklich schönes Fluggefühl und dann ein voller Absturz."Auf Überraschungen aller Art dürften sich die Besucher schon seit dem 19. Jahrhundert freuen, sagte Weishäupl weiter. Neu ist beispielsweise das "interaktive Geister-Klohäusl" an der Geisterbahn "Schocker". Knarrend öffnet sich die Holztür und ein Skelett "pinkelt" durch die Gegend. Einen Wiesnbesucher könnte "wildes Bieseln" 35 Euro Bußgeld kosten. Das Geschäft mit den Sitzplätzen, von denen die 14 großen Festzelte rund 100.000 bieten, blühte schon vor Beginn der Wiesn: Reservierungen wurden im großen Stil und zu satten Preisen im Internet versteigert. Ein Wirt ärgerte sich so sehr darüber, dass er selbst mitbot, aber dann nicht bezahlte. Die "Abzocker" erhielten vom Zeltherrn Hausverbot.

Rund eine Milliarde Umsatz in 16 Tagen

Der Ursprung des Oktoberfests geht auf die Hochzeit des Kronprinzen Ludwig - später König Ludwig I. - mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen im Jahr 1810 zurück. Die damaligen Feierlichkeiten, zu denen auch die Münchener Bürger eingeladen waren, wurden schließlich zur Tradition. Anders als heute gab es 1810 allerdings kein Bier. Der Festplatz, die "Theresienwiese", trägt noch heute den Namen der Prinzessin. Ohnehin nennt der Münchener das Oktoberfest lieber "die Wiesn".Diese hat sich zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Faktor für die bayerische Landeshauptstadt und das Umland entwickelt. Fast eine Milliarde Euro setzen die Besucher in den 16 Tagen des Oktoberfests um. Etwa die Hälfte davon entfällt auf die Wiesn selbst, der Rest auf Taxis, Verpflegung, öffentliche Verkehrsmittel und Unterkunft. 8.000 fest angestellte Mitarbeiter und weitere 4.000 Aushilfskräfte finden Arbeit.

Erstmals bargeldloses Zahlen möglich

Auf die Wiesn-Besucher warten in diesem Jahr auf rund 26 Hektar Fläche rund 185 Schaustellergeschäfte vom Riesenrad über Schießbuden bis hin zum seit mehr als hundert Jahren vertretenen Varieté "Auf geht's beim Schichtl". 14 Festhallen mit insgesamt knapp 100.000 Sitzplätzen bieten neben Bier bayerische Schmankerl wie Hendl, Steckerlfisch oder Ochsenfleisch.Doch auch moderne Technologie hält auf der Wiesn Einzug: Erstmals können die Besucher in diesem Jahr mit einer Geldkarte bei über 400 Fahrgeschäften und Verkaufsständen ohne Scheine oder Münzen zahlen. Wer aber glaubt, die Bier-Bestellung im alkoholisierten Zustand ginge damit leichter von der Hand, irrt. Denn aus Gründen des Jugendschutzes lassen sich mit der "Wiesn Card" weder Bier noch Tabak bezahlen. (AP, DPA)

Wissenscommunity